Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
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Calvin

Lehre treu zu bleibm, als der Cardinal Tadelet sie einlud, in den Schoß der Kirchezurückzukehren. Hier gab C. auch 1540 seine Schrift über das Abendmahlheraus, in welcher er sowol Luther's, der dieses Eacrament im Worrsimie nahm,als Zwingli's (s. d.) Meinung, der es bildlich verstand, zu widerlegen suchte.Erst i» einer 1549 in Zürich gehaltenen Unterredung erklärte er sich unbedingt fürdie Meinung des Letzter». Endlich 1541 gelang es seinen Freunden in Genf ,seine Rückberufung zu bewirken; eine eigne Deputation ersuchte den Magistrat vonStrasburg , ihn seiner alten Heerde wiederzugeben. Da aber C. zum Äbgeordne-ten auf dem Reichstage zu Frankfurt ernannt worden und nachher noch der Beirathschlagung zu Regensburg beiwohnen mußte, so konnte er erst im Sept. dess. I.wieder nach Genf kommen. Er legte jetzt dem Rath den Plan seiner Verordnun-gen über die Kirchenzucht vor, welche sogleich angenommen und im November bc-kanntgemacht wurde». Zufolge derselben wurde ein halb aus Geistlichen, halbaus Laien bestehendes Tonsistorium gebildet, „um über die Erhaltung der reinenLehre" und die Eilten zu wachen. Dasselbe zog jedermann ohneAustiakme überdie geringsten Handlungen und Reden zur Rechenschaft, und verwies die Falle, woKirchenstrafen nicht zureichten, mit einem Gutachten a» den Rath. So machtesich C. zum Herrn aller Handlungen wie aller Meinungen der Genfer . SeinGeist herrschte ausschließlich im Rath wie im Consistorium, und die Richter nah-men nie Anstand, Jeden zu bestrafen, der sich ihm widersetzte. Eo ward eine Ma-gistratsperson entsetzt und zu zweimonatlicher Gefängnißsirafe verurtheilt, „weilder Lebenswandel dieses Mannes unregelmäßig sei, und er mit Calvm's Feinden inVerbindung stehe"; so wurde Jakob Gruet enthauptet, „weil er gottlose Briefeund unsittliche Verse geschrieben und die Kirchenordnungen zu stürzen gesucht habe".Mit aleicher Strenge wurde» die Meinungen gerichtet. Es ist bekannt, wie Mi-chel Servet auf seiner Durchreise durch Genf 1553 verhaftet und auf C.'s An-klage (d. 27. Oct.) lebendig verbrämn wurde, weil er das Geheimniß der Dreieinig-keit in einem zu Genfweder geschriebenen noch gedruckten Buche angegriffen hatte.Noch zahlreiche ähnliche Beispiele ließen sich anführen, um den blinde» und wildenScbwärmereifer zu beweisen, den er dem Magistrate zu Genffur die Erhaltung derguten Sitten und der sogenannten reinen Lehre eingeflößt hatte; und dadurch gelangeSibm, den Neuerungen und dem Untersuchungsgeiste Einhalt zuthun und seineAnhänger zu strengen und in gewisser Hinsicht untadelhaften Menschen zu bilden.Auch in der bürgerlichen Gesetzgebung der Genfer und den Forme» ihrer Regierungnahm er Änderungen vor, wobei ihm einige gesiüchtete Franzosen behülsiich waren.Zur Beförderung nützlicher Studien errichtete er die von seinem Freunde TheodorBeza so glücklich geleitete Akademie. Liest man, was C. während seines Aufent-halts in Genf Alles that, so kann man nicht begreifen, wie er so vielen Arbeitennicht unterlag. Er predigte fast täglich, ertheilte wöchentlich 3 Mal theologischenUnterricht, wohnte allen Berathschlagungen des ConsistorinmS, allen Sitzungen derPredigcrgesellschaft bei, und war die Seele aller Beschlüsse. Ebenso oft über ju-ristische wie über theologische Gegenstände befragt, antwortete er Allen. Dabeifand er noch Zeit für politische Verhandlungen im Namen der Republik , für eineM 'ngc Schriften zur Vertheidigung seiner Meinungen, von denen seine Commen-tare über die Bibel die wichtigsten sind, und für einen Briefwechsel durch ganz Eu-ropa, vornehmlich aber nach Frankreich , wo er auf alle Weise die neue Lehre zu ver-breiten suchte. Außer seinen gedruckten Predigten besitzt die genfer Bibliothekderen 2025 in der Handschrift, und, wie auch die berner, mehre »»gedruckte theolo-gische Abhandlungen. Wiewohl C. in wesentlichen Punkte» von Luther abwich,so wurden doch seine Anhänger von den Lutheranern nicht unterschieden und inden Edicten Franz I. und Heinrichs II., und selbst in dem Edicte von Rouen 1559mir diesem Namen bezeichnet. Sie selbst betrachteten zwar C. als ihr Haupt,