Campanella 413
damit ganz' Unteritalien in die Hände den türkischen Flotte liefern und alsReligions-stister oder Reformator auftreten wollen. Er konnte zwar nicht überführt undauch durch die grausamsten Foltern zu keinem Gcständiüß gebracht werden, bliebaber doch als ein Gegenstand des I,cidcs vieler Gelehrten uiid des Argwohns derRegierung 27 (fahre in verschiedenen Schlössern Neapels gefangen. Für seine Be-freiung verwendete sich schon IKOki der Papst Paul V. , aber erst 1626 erlangtesie Urban VIII. durch das Erbieten, ihn als Ketzer zu richten. §. ward nun zumSchein in die Gefängnisse der Inquisition zu Roin versetzt und 1529 mit einempäpstlichen Iahrgehalt ganz freigelassen, auch von Urban VIII . eines vertrautenUmgangs gewürdigt. Neue Nachstellungen der Spanier nöthigten ihn, sich1634 nach Frankreich zu flüchten. Hier wurde er ehrenvoll aufgenommen und be-schloß in> Genuß einer königl. Pension sein Leben am 21. Mai 1639 in dem Klo-ster Sk.-Honor,'' daselbst, bevor er die nach einem encyklopädischen Plane geord-nete Sammlung seiner Werke, wovon nur die 4 erste» Bde. erschienen waren,beendigt hatte. Seine Schriften sind außer den obengenannien: „im le-rnn, c-l (1620, Fol.), das er wol in Neapel schrieb, ferner: ,,1W>u>Ilum
IIWN> ph e «ii'ao I>n,.',e"z ,, Vnva pssv.ünlu^n, iienn,nln IN Principal p>r,g I N,", und
„I'rexlrnnin,«, ^ilnlosnpliiue iirclunr^nilue" (1617, Fol.). Während seiner Ge-fangenschaft schrieb er: „Vzrnlngü, ,»n (1-,Iila<>>" (1622), „I'Iiilo.<i»>>>,i-> epllo-Ii»" (1623), auch italienische Gedichte „N-Iills «I'.ilcnne z><»-5io tilc>«o-lieln:,!.-, -6< tlinnnilunn 8g»lll„" (Anspielung auf seinen Namen, 1622), sämmtl.zu Frankfurt a. M. in 4. von dem weunarische» Hofrath Tobias Adami herausge-geben, der ibn im Kerker besucht und seine Freundschaft gewonnen halte. AndreSchriften C.'s auS dieser Zeit, z. B. „I4e roru», „„tu,,,", „(üvilas soll.-,",eine Zlrt Platonischer Republik, „.Itlu-Gun« lriumplmtn., 5. »out,,, Vnliolwi-!i!i„»i5,>niin" (Rom 1631, Fol.), eine schwache, schwülstig geschriebene Recht-fertigung der geoffenbarten Religion und römischen Kirchenlehre, mit Ausfällen aufdie Maccbiavellisten, erschienen erst nach seiner Befreiung. Seine Prüfung dergriechischen Philosophie aller Schulen hatte ihn früher zum Skepticismus, undsein eigner feuriger Geist zu einem besonders in seiner „Universal'^ s>l>ilv«>j,hu>inclapbv-ä,icrum juxla propiü, Oogniula pxrk,^ III" (Paris 1638,Fol.) und seine „I'I>il(»r>>>bi.-> rulivii^HG (5 Thle., Paris 1638, 4.) dargelegteneklektischen Dogmatismus geführt, in welchem Idealismus und empirischer Rea-lismus wunderlich gemischt und widersprechende Behauptungen durch die Spieleseiner lebhaften Einbildungskraft verbunden sind. Ihrer libermacht muß auchdie Vcrwebung astrologischer, magischer und kheurgischer Träumereien in sein Sy-stem zugeschrieben werten. Er hatte sie von den Negplatonikern, aus der Kabbala und aus Cardanus angenommen, aber auch mit neuen Dichtungen vermehrt.Diese Richtung auf geheime Wissenschaften entsprach ganz dem Geschmack seinerZeit, und der Gebrauch seiner Philosophie zur Vertheidigung eines stark ausge-sprochenen Katholicismus und PapismuS verschaffte ihm die päpstliche Gunst,(fn diesen» Sinne schrieb er außer s. „^tlioimiiu« triumphal»;" noch „älouaioliiaälrsVuw . ouiupkixl. iu guo >Io,u»i,slra»t»i juro ;»mm> zxmlilici; ;uprr uui-vc>'5. mixn»" und „Della lilxutä ,lk!!a lclicx- ;»uFerrir>ue ,illo ;taio eoalo-;i„;liru" (beide 'Asts 1633, 4.). Sein Buch „l>n prcprü; libri; rt recla ra-tiOiie Elixir»,! i" ist mehrmals (best von Naudä 1642) herausgegeben worden.Seine medicinischen lind astrologischen Werke übergehen wir. Originalität, küh-ner Schwung und Reichthum der Idee», bei einer in seinem Latein und calabri-schen Italienisch rauhen Sprache doch große, oft hinreißende Kraft und Lebendig-keit des Ausdrucks und Anbahnungen besserer Wege zur philosophischen Erkenntniß,die er nur selbst nicht zu verfolgen wußte, machen ihn zu einer merkwürdigen Er-scheinung in der Geschichte der Philosophie. Er dichtet in seiner Philosophie und