Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
Seite
452
JPEG-Download
 

152

Cararcioli (Familie)

steigt und sich endlich der Insel Trinidad gegenüber verflacht. Die wichtige Han-dels- und Hauptstadt Caracas (mit 31,000 E. und einer Universität), Sitz einesErzbischofs, liegt 15 Stunden vein Meere, am Fuße des 8400 F. hohen Berges,a Silla, am FlußGuayra (der sich durch den (sehr unsicher»^ Haftn La GuayrasGoayre, Stadt mit 6000 E.) ausmündet), in einer Hohe von 2760 F. Daherkommt die fast stete, angenehme Temperatur. Das ganze Jahr hindurch stehtdas Thermometer 76 - 85° Fahrenh., selten sinkt es im Winter auf 52°. NachS. hin verlaufen sich die Berge in weite Ebenen, Llanos genannt: treffliche Wei-den für die zahlreichen, fast wilden Heerden, die den Stadtbewohnern gehören.Der Winter in C, ist die Regenzeit von: April bis in den November. Dann regnetes jeden Tag im Durchschnitt 3 Stunden, und zwar mit solcher Heftigkeit, daßalle ströme (der Ldronoco mit seinen Nebenflüssen) das Land weit umher über-schwemmen. Die Fruchtbarkeit des Bodens ist außerordentlich groß. Der un-durchdringliche Wald auf der Hstseite liefert überflüssiges Bauholz; allein mankann es nicht ausführen, weil man es nicht über die Berge und Flüsse zu schaffenvermag. Die köstlichen Hölzer, die zu Tischlerarbeiten und zu feinerm Haus-geräthe ungemein brauchbar sind, werden in geringer Menge ausgeführt. Vanille,Cochenille und eine unzählige Menge Arzneien, Harze und Balsanie erzeugendie Wälder; aber die Europäer wissen kaum die Namen der Bäume, die dieseSubstanzen liefern, und die Einwohner bekümmerten sich bisher fast gar nicht umdie Reichthümer ihres Bodens. Man fing jedoch an, Caffee , Baumwolle, Cacao,Indigo, Zucker und Taback zu bauen, und der Varinas - und Maracaibocanastersind bekannt. Die Perlenfischerei, die im 16. Jahrh, jährl. 800,000 Piaster eintrug,ist vernachlässigt. Der beste Haftn, Porto Cavallo, die erste (1497) und letzte(1823) Besitzung der Spanier in Colombien, liegt in einer ungesunden, sumpfigenGegend, auf einer Halbinsel. Diese ebenfalls stark befestigte Lttadt hat 7000 E.Bei den: Erdbeben, welches am 26. März 1812 das Land in einem Umkreise von300 Meilen heimsuchte, kamen in C. und Guayra 14,000 Menschen um. 1826vereinigte sich in C. unter dem Gen. Paez eine Partei, welche der Republik Colom-bia eine Föderativform geben wollte; allein Bolivar wußte Paez 1828 für seineeignen Entwürfe zu gewinnen.

§ araccioli lLouiS Antoine de'l, geb. 1721 zu Mons , stammte von deralte,: berühmten neapolitanischen Familie d. N. ab. Seine gesellschaftlichen Ta-lente bereiteten ihm in Italien , das er nach Vollendung seiner Studien zuerst be-reiste, eine glänzende Aufnahme, insbesondere bei Benedict X I V. und Clemens XIII .Er wendete sich nachher nach Deutschland und nach Polen , wo er in der Armee dieStelle eines Hofmeisters der Kinder des Prinzen Rewski (RzewuSki), eines derersten Kronbeamten, erhielt. Nach vollendeter Erziehung derselben kehrte C. nachParis zurück, wo er sich durch seine Unterhaltungsgabe sehr beliebt machte. Mitseinen „l.< tt,^ «In I'.,,,-- (lle,»c„t XIV." (Ganganell:l, die eine milde Philoso-phie, sanfte Moral, verständige Grundsätze über mancherlei Lebensverhältnisse undeinen feinen Geschmack verrathen, mostificirte er nicht bloß Frankreich , sondernganz Europa , da sie lange Zeit für echt gehalten wurden und dadurch das höchsteInteresse in Anspruch nahmen. Die erste A'i-g. derselben erschien 1775 in 4 Bdn.Die franz. Revolution beraubte ihn aller seiner Hülfsmittel: 1795 erbielt er von:Convent eine Pension von 2000 Livr., die ihn bis zu seinem Tode, in Paris d. 29.Mai 1803, vor Mangel schützte. — Ein MarguiS de Caraccioli, der sich durchseine Verbindungen mit den Encyklopädisten, insbesondere mit Marmontel u. D'A-lembert, bekanntgemachthat, geb. 1711, war gegen die Mitte des 18. Jahrh, nea-polit. Gesandter in London und Paris . Hier galt derselbe für einen der feinsten Köpfeund eineZierde der damaligen so hoch ausgebildeten pariser Gesellschaft. Man fin-det seiner in allen Memoiren aus dieser Zeit gedacht. Er wurde später zum Vice-