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Zweiter Band. Bo bis C.
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Carbonari

sammten Italiens gerichtet, und in dieser Absicht benutzte er dieCarbonaria, welcheer neu gestaltete und ausdehnte. Er drang schon 1812 in seinen Herrn, sich vonNapoleon loszusagen und das Banner für die Freiheit und Selbständigkeit Ita-liens zu erheben. Nur in den kurzen Zeiträumen, wo man diese Hoffnungen vonMurat hegte, wurde er von den Carbonari unterstützt, welche dabei hauptsächlicheine Constitution verlangten. Murat gab aber seinem Lchwager Nachricht vonMaghella's Bemühungen und lieferte ihn, als geborenen Genueser, nach Frank-reich aus, wo er eine Zeitlang unter Polizeiaufsicht lebte, 1815 aber wieder nachItalien kam und hauptsächlich die von Murat besetzten päpstlichen Staaten bear-beitete. Nach Murat'S Vertreibung durch die östr. Heere wurde er in eine unga-rische Festung abgeführt, dann aber an den König von Eardüücn ausgeliefert und,nachdem er ein Jahr in FenestrelleS gefangen gehalten worden, wieder in Freiheitgesetzt. — Das Ritual der Carbonari ist vorn Kohlenbrennen hergenommen. Rei-nigung des Waldes von Wölfen (Kampf gegen Tyrannei) ist die Grundlage ihrerSymbole. Darunter sollen sie anfangs nur die Befreiung von ausländischer Herr-schaft verstanden haben; später haben sich aber daraus demokratische und antimo-narchische Grundsätze entwickelt, welche vielleicht besonders i» den höhern Gradenmitgetheilt wurden. Sie nennen sich unter einander gute Vettern. Der zweiteGrad führte den Namen Pythagoräer , und den Schwur in dem Aufnahmeeide:„Haß allen Tyrannen!" Von dem dritten Grade, dessen Existenz nicht wohl bezwei-felt werden kann, ist wenig offenbar geworden. Es finden sich aber auch spurenvon einem vierten Grade. Eine allgemeine Verbindung und Leitung des Ordensscheint nicht zu Stande gekommen zu sein. Die Vereine der einzelnen Orte, der-gleichen die kleinsten Städtchen gehabt haben, traten unter einander in Verbindung,aber nur nach den Provinzen. Der Versammlungsort heißt Hütte (bar. -wo-,), dieäußere Umgebung der Wald, das Innere der Hütte der Kohlenverkauf(vk„>I,ia).Der Verein der sämmtlichen Hütten einer Provinz nannte sich Republik , meist mitden antiken Name» der Provinzen, z. B. die Provinz West-Lucanien in PrineipatoCitra (welche aus 182 Hütten bestand und chren Sitz zu Salerno batte), die ost-lucanische Republik in der Provinz Basilicata zu Polenza, die Republiken von Hir-pinien, Daunien ic. Die Oberhütten (alia v<->i<l>ta) zu Neapel und zu Salerno suchten eine allgemeine Directio» des Ordens, wenigstens für das Königreich, zuStande zu bringen; allein es scheint nicht, daß diese recht ausgebildet worden ist.Wie sehr aber der Sinn des Volkes für die Sache vorbereitet war, erhellt daraus,daß der Orden gleich nach der neuern Stiftung 24 — 30,000 Mitglieder hatte,und er nahm dergestalt zu, daß er sich durch ganz Italien verbreitete und allein imMonat März 1820 an 650,000 neue Mitglieder aufgenommen worden sein sollen.Ganze Städte waren dazu getreten; das Städtchen Lanciano in Abruzzo Citrahatte schon im März 1814 1200 bewaffnete Mitglieder des Ordens. Natürlichkonnte man bei der Aufnahme nicht schwierig gewesen sein; selbst Menschen, dienotorisch vom Raube lebten, wurden Carbonari , und die Behauptung, daß die Auf-nahme gleich eine Besserung ihres Lebenswandels bewirkt habe, wird wol nicht all-zu großen Glauben finden. Vorzüglich scheint sich der geistliche Stand und dasMilitair in den Orden gedrängt zu haben. Der religiöse Charakter desselben ergibtsich aus seinen Statuten: „Jeder Carbonaro hat das natürliche und unveräußer-liche Recht, den Allmächtigen nach seiner eignen Einsicht und Überzeugung zu ver-ehren", und diese Tendenz ist offenbar die wichtigste des Ordens, denn sie läßt sichdurch Gewalt viel wenigerumterdrücken als die politische, und sie deutet aus eineallgemeinere und tiefere Bewegung der Gemüther. Von der Freimaurerei scheint dieCarbonaria manche Form entlehnt zu haben; allein sie kann nicht wohl aus derselbenentstanden sein. Selbst in Italien wird die Freimaurerei als etwas davon ganz Ver-schiedenes und Höheres betrachtet. — Außer den Carbonari haben sich noch eine