Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
Seite
464
JPEG-Download
 

464

Carlin

diese Gegenstände herausgab. Nachmals ernannte ihn der Kaiser zum Präsidentendes höchsten Handelsgerichts und des Skudicnraths, welche zu Mailand errichtetwurden, daraus zum Geh. Staatsrath und Präsidenten des Finanzcollegiums zuMailand . Als Sludiendirector widmete er sich säst ausschließlich dem öffentlichenUnterrichte, und noch im Alter schrieb er über verschiedene Theile des thierischen Le-bcnsprocesteS. Erst. zu Mailand d. 22. Fcbr. 1795. S.sämmtl. Werke hat er 1784>—94 in 15 Bdn. herausgeg. u. d. T.: „tcle! I>.

IU»u>>>(> eoulc 0,1 >i, pi esiüeute ele." In dieser Ausgabe sind jedoch die „Amerika-nischen Briefe" nicht mitbegriffen, welche ein besonderes Werk in 5 Bdn. ausmachen.

Carlin. Unter diesem Name», dem italien . Diminutivum von Karl, istder berühmteste Arlequin der franz. Bühne, von welchem Einige sogar den NamenArlequin herleiten, bekannt. Er hießnämlich Carlo Antonio Bertinazzi , geb.zu Turin 1713 u.gesi. zu Paris 1783. Sein Vater war Officier unter den Trup-pen des Königs von Sardinien, und er selbst trat als Fähnrich bei einem dortigenRegimente in Dienste. Sein Vater starb früh und hinterließ kein Vermögen. Diesnöthigte C., Unterricht im Fechten und Tanzen zu ertheilen, um dadurch sein Le-ben zu fristen. In den Stunden der Muße spielte er mit seinen Schülern Komödie.Als er sich eines Tages zu Bologna befand, und dort ein neues Smck aufgeführtward, erbot er sich, die Rolle des Arlequin an der Stelle des Schauspielers zuübernehmen, der sich aus dem Staube gemacht hatte, und spielte sie mit dem ent-schiedensten Beifall, ohne daß ihn Jemand erkannt hatte. Erst bei der vierten Vor-stellung entdeckte man in dem unbekannten Schauspieler E. Von dort reiste ernach Venedig und andern Städten Italiens . 1741 reiste er in Gesellschaft derSchauspielerin Casanova, Mutter der bekannten Brüder Casanova, nach Paris ,um sich bei der italienischen Komödie daselbst zu engagiren. Hier hat er 42 Z.hindurch die Rollen des Arlequin mit nie sich verringerndem Bestalle gespielt.Goldoni fand ihn noch dort und rühmte ihn nicht nur als einen der größten Komiker,sondern auch wegen seiner trefflichen Sitten. Ebenso behauptet Goldoni, daßihn die Natur mit einer unnachahmlichen Anmuth beschenkt habe. Seine Figur,seine Gebärden, seine Bewegungen nahmen für ihn ein, sodaß er auf der Bühneebenso sehr bewundert wie im Umgänge geschäht ward. C. hatte sich die Gunstdes Parterre so sehr zu erwerben gewußt, daß er mit einer Zwanglosigkeit undVertraulichkeit zu ihm sprach, die sich kein andrer Schauspieler hätte erlauben dür-fen. Wollte man eine Rede an das Publicum halten oder sich wegen irgend Etwasentschuldigen, so bekam er den Auftrag, und seine gewöhnlichen Ankündigungenwaren angenehme Unterhaltungen mit den Zuschauern. Er war noch größer imImprovisiren als in der Ausführung niedergeschriebener Stellen. Ein großesStück von 5 Acten: „I.es Vi,>^t->ix inloi tuiie» ci'.4i leguin", hat er auf solcheWeise durchgespielt und das Publicum vollkommen befriedigt entlasten. Die Ver-einigung von Heiterkeit und Wohlwollen in seinem Charakter mit einer unerschüt-terlichen Rechtlichkeit machten ihn so beliebt, daß von ihm gesagt wurde:

Dsns ses Aeste», se, tonr, o est la NLiure meme,

8ous Is mssgue on I sümire, ä cleeouveet on ksime.

Viele wihige und geistreiche Äußerungen von ihm waren lange in Umlauf. EinesTages war das Theater so leer, daß die Gesellschaft nur vor 2 Zuschauern zuspielen hatte. Am Ende des Stückes gab er dem einen derselben ei» Zeichen, wo-durch er ihn einlud, sich ihm zu nähern. Es geschah. C. trat bis an den Randder Bühne vor und sagte zu jenem mir der ihm eignen Liebenswürdigkeit:„Wenn Sie, mein Herr, beim Hinausgehen Jemand begegnen sollten, so habenSie doch die Güte ihm zu sagen, daß wir morgen wieder ein Stück von Ärlequinaufführen werden". Merkwürdig wegen des ContrasteS mit der Heiterkeit, dieihn auf der Bühne nicht verließ, war seine große Hypochondrie im spätern Alter