474 Caroline Amalie Elisabeth (Königin von England)
Menge Zeugen ab und that den Ausspruch: daß die Prinzessin von der Anschuldi-gung einer stattgehabten Schwangerschaft und Entbindung freizusprechen, ihr Be-tragen aber nicht frei sei von Unvorsichtigkeiten, daher ein leichter Verdacht ent-standen , der keinen Glauben verdiene. Der König bestätigte diese UnschuldS-anerkeniumg, indem er seiner Schwiegertochter einen S taatSbesuch machte; gleicheAchtungsbezeigungen erfolgten von den Prinzen, ihren Schwagern; der Her-zog von Cumberland begleitete die Prinzessin an den Hof und in die Oper. DieVerbreitung jener Gerüchte ging von der Umgebung des Prinzen v. Wallis undvom Hofe der regierenden Königin aus, welche sich der Schwiegertochter fortwäh-rend sehr abhold bewies. Die Nation offenbarte bei dieser Veranlassung, wie beivielen folgenden, enthusiastische Zuneigung für die Prinzessin. 1813 erhob sichvon neuem öffentlicher Streit zwischen beiden Ehegatten, indem die Prinzessin vonWallis sich über die Schwierigkeiten beschwerte, welche ihr als Mutter gemachtwurden, ihre Toebier öfter ru sehen. Der Prinz von Wallis , damals Regent,beseitigte diese Klage; hierauf erhielt die Prinzessin im Juli 1811 die Erlaubniß,nach Braunschweig zu gehen und von dorr Italien und Griechenland zu bereisen.Nun begann sie den abenteuerlichen Reisezug durch Deutschland, Italien, Grie-chenland, den Archipel und Syrien nach Jerusalem , auf welchem der ItalienerBergami ihr vertrauter Begleiter war. Viel Anstößiges wurde späterhin von demVerhältnisse zwischen ihr und Bergami erzählt, indeß die Prinzessin aufihrer Wall-fahrt Anerkennung ihres auf Verminderung deö MenschenelentS gerichteten Sin-nes, ihrer herablassenden Güte, Leutseligkeit und Freigebigkeit fand. Nach ihrerRückkehr lebte sie in Italien mehrentheils auf einer Villa am Comersee. Als derPrinz von Wallis am 29. Jan. 1820 den britischen Thron bestieg, wurde ihr durchLord Hutchinson der Antrag gemacht, für ein Iahrgcld von 30,000 Pf. St. desNamens einer Königin von England, sowie jedes auf die köiugl. Familie bezüglichenTitels sich Zu enthalten und England nie wieder zu betreten. Sie schlug dies alsschimpflich aus und »ahm vielmehr die Rechte einer britischen Königin in Anspruch,erhob Beschwerden über die verweigerte Anerkennung und brachte Auflaurer- undVerschwörungSiimtiicbe zur Sprache, die ein geheimer Agent, der Baron vonOmpketa, von Mailand aus gegen die Prinzessin angezettelt hatte. Vermitte-lungsversuche, um die Fodcrung der Königin zu beseitige», führten zu keinem Er-folge; sie faßte endlich den murhigen Entschluß, nach England zui ückzukehren, wosie, dem Ministerium unerwartet lind unerwünscht, unter den lautesten Frenden-bezeigungen der Nation, den 3. Juni von Calais eintraf und am folgenden Tageim Triumphe in London einzog. Nun trat der Minister Lord Liverpool i» demParlamente mit einer '.Anklage gegen die Königin auf, welche zum Zwecke hatte,dieselbe als eine der Königskrone unwürdige Ehebrecherin der öffentlichen Verach-tung preiszugeben. Wie viel Anstößiges auch die nun folgenden ParlamentSver-Handlungen und Untersuchungen an den Tag gebe» mochten, die öffentliche -Liimmesprach sich zu Gunsten der Königin aus, sodnß, nachdem alle Künste der britischenRechtsformen erschöpft waren, und mit kaum erlangter Stimmenmehrheit von123 bejahenden gegen 93 verneinende Stimme» der Strasantrag beim dritten undletzte» Vorlesen im Hause der Lords durchgegangen war, die Minister es gerathenerachteten, die weitere Verfolgung der Snafbill auf 8 Mouare zu verschieben— oder, der That nach, gänzlich fallen zu lassen. So endigte ein Proceß, derdas sittliche Gefühl in seinem Ursprünge, Forrgange und Schlüsse tief beleidigte. —>Die Königin C. lebte, wenngleich vom Hofe des Königs, ihres Gemahls, ent-fernt, in Brandeuburghoilse, nach ihrem Range, ihrer 'Würde anerkannt, linierdein Schutze einer Nation, welche so oft ihr selbständiges Urtheil in auffallendenThatsachen gezeigt hat. Sie verlangte im Juli 1821, als Georg >>- feierlich ge-krönt wurde, erst mitgekrönt zu werden, dann der Krönung beizuwohnen. Allein