Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
Seite
477
JPEG-Download
 

477

Carracci (Familie)

nannte, und strebte einzig nach der Natur. Von jedem Striche wollte er sich Re-chenschaft geben. Er ging einige Zeit nach Florenz, siudirte daselbst Andrea delSarto, und verschaffte sich den Unterricht Passignano's . Die florentinischen Malerjener Zeit ahmten Correggio und dessen Schüler nach. Dies bestimmte auch Lo-dovico, sich nach Parma zu begeben. Er kam in der Folge nach Bologna zurück;da er aber bald sah, daß er niit seinen Grundsätzen, welche dem Zeitgeschmack ent-gegen waren, kein Gehör finden würde, suchte er sich unter den jungen Leuten An-hang zu verschaffen. Zu dem Ende suchte er mit 2 seiner Vettern, Agostinound Annibale C., welche sich der Malerei widmeten, sich zu verbinden. 1580schickte er sie nach Parma und Venedig. Als sie nach Bologna zurückkehrten, fin-gen alle 3 an, sich eine» Namen zu machen. Anfangs erhob sich eine so mäch-tige Parthei gegen sie, daß sie im Begriffwaren, ihren Vorsatz aufzugeben. AberAnnibale, der Entschlossenste unter ihnen, drang darauf, nicht nachzugeben, sonderndem Etrome der Schmähungen zahlreiche Werke entgegenzustellen. Lodovico, derneuen Muth faßte, beschloß, eine Malerakademie zu Bologna zu stiften, welche erdie ,1« einlenn!, »legst, Iiieinnminati (von ineaniiniinne, auf den Weg, in Gangbringen) nannte. Als ersten Grundsatz stellte er auf, daß man die Beobachtungder Natur mit der Nachahmung der besten Meister verbinden müsse. Bald gab erein Beispiel dieses Grundsatzes in der Weissagung Iohannis des Täufers bei denCarthäusern, worin er in einzelnen Figuren den Styl Rafael'S, Tikian'S und Tin-toretto's nachahmte. Die schönsten Werke Lodovico's, denen es auch damals nichtan Bewunderern fehlte, sind zu Bologna , z. B. die Halle in dem Kloster St.-Mi-chael in BoSco und die Verkündigung in der Kathedrale zu Bologna . Ein Meisterist er in architektonischen Ansicbten und in der Zeichnung; überhaupt war er sehrgründlich in allen Theilen der Malerei. Eine unendliche Menge von Ideen ist vonihm entlehnt worden, Zeder konnte Das von ihm nachahmen, wozu er sich am ge-schicktesten fühlte. Lange genoß Lodovico seines ganzen Ruhms, wenigstens solange seine Vettern lebten, welche fortfuhren, ihn zu ehren und zu Rathe zu ziehen.Erstarb 1619, fast in Armuth, nachdem er Agostino um 1" und Annibale um 10Zahre überlebt hatte. Der Hauptvorwurf, der ihn trifft, besteht darin, daß ernicht das Studium der Antike mit deni der Natur verband. Auch ist sein Coloritgetadelt worden. — Paolo §., ein Bruder Lodovico's, ist unbedeutend. —Agostino E., dessen nebst seinem Bruder Annibale schon oben erwähnt wor-den, war 1558 zu Bologna geboren. Er war bestimmt, Goldschmied zu wer-den, als sein Vetter ihn für die Malerkunst gewann; in kurzem ward er einer dergeschicktesten Scbüler desselben, besonders in der Erfindung. Auch beschäftigte ersich mit derädupfersiecherknnst, und er hat mehr gestochen als gemalt, aus Rück-sichten, welche den vortbeilhaftesten Begriff von feiner Gutmüthigkeit geben. Alser nämlich nach seiner Rückkehr von Venedig, wo er die Werke Tintoretto'S gese-hen, in einer Preisbcwerbnng seinem Bruder Annibale vorgezogen worden, undbald darauf sein herrliches Gemälde, die Commnnion des heil. HieronymuS, ihmden allgemeinsten Beifall erwarb, ward dieser eifersüchtig auf den Ruhm AzostiuoSund suchte ihn unter mancherlei Verwänden zu überreden, daß er im Kupferstechen fortfahren möchte, welches er auch aus gutmüthiger Gefälligkeit gegen seinen Bru-der that. Später begleitete er denselben nach Rom , half ihm in seinen Arbeiten anderFarnese'schcn Galerie, und gab ihm einige von den poetischen Ideen an, welcheman hier niit so vielein Vergnügen bemerkt. Da sich der Ruf verbreitete, daß derKupsernecher besser arbeite als der Maler, entfernte Annibale seinen Bruder, wasauch dagegen eingewendet wurde, indem er vorgab, sein Styl sei zwar elegant, abernicht gr.R genug. Agostino begab sich darauf an den Hof des Herzogs von Parmaund malle gier in einem cLaale die himmlische, die irdische und die feile Liebe. Esfehlte noch eine Figur, als er, erschöpft durch übermäßiges Arbeiten und vor Krön-