-184 Cartouche Cartwright
von GiulioRomano in der Sala Borgia, von Domenichino und ital. Meistern,welche die Gemälde größtentheils nach diesen Cartons von ihren Schülern ausfüh-ren ließen. Welchen Werth die ältern ital . Meister aufCartong gelegt haben, siehtman ausGiov. B. Armenini'S „I'recetti ckell-, pilturu" (Ven. 1687, 4.). Znder spätern Zeit fehlte es an Aufträgen zu großen Malereien, besonders inFresco;auch gingen die Künstler selbst weniger sorgfältig zu Werke, und man arbeitetemehr nach kleinen Skizzen inS Große. Neuerdings haben einige deutsche Künstlerdurch Verfertigung fleißiger Cartons Aufmerksamkeit erregt. Hierher gehört Corne-lius, dessen Cartons zu allegorisch-mythologischen Frescogemälden das „Kunst-blatt" (1821, St. 66 sg.) beschreibt; derselbe hat auch den Carton zu demFresco-bilde, welches den traumdeulenden Joseph vorstellt, gezeichnet. Ferner Overbeck,der den Carton zu dem Gemälde: die 7 magern Jahre, und Josephs Verkaufungallein, mit Wilh. Schadow und Phil. Veit aber die glücklichen Zahre gemalt hat.Die letztgenannten Bilder aus Josephs Geschichte hat sich der verst. preuß. Gene-ralconsui Bartholdy in seiner Wohnung in Rom von den genannten Künstlern inFrcsco ausführen lassen. Für die VillaMassimi bat -Overbeck Carton« zuDildernaus Tasso s „Befreitem Jerusalem" und Julius Schnorr aus Ariosto 'ö Gedicht;für das Schloß in Pillnitz Vogel (s. d.) gearbeitet. S. das „Kunstblatt" zum„Morgenblatr" (1825). — Auch nennt man Carton ein pappenes Behältniß zurAufbewahrung von Zeichnungen, Kupfern, besonders für Musterzeichnungen aufAkademien w. — Zn der Buchdruckerkunst ist Carton: 1) ein ncugcdrucktesBlatt (Auswechsel-, Ersahblatt), welches statt eines fehlerhaften und ausgeschnit-tenen, zur Berichtigung oder Abänderung, in ein Buch gelegt wird; und 2) einvöllig geglätteter Macnlatnrbogen, worauf das Papier geklebt wird, welches manaufden Preßdeckel leimt, um dadurch alle Ungleichheit im Abdruck möglichst zu ver-hüten. — Endlich sind Cartons lange, flache, pappenc Schachteln, welche denModehändlerinnen zur Ausbewahrung und Überbringung von spitzen, Bändernund ähnlichen Puhwaaren dienen.
Cartouche (Louis Dominigue). Der Diebssinn dieses zu Paris am Endedes 17. Jahrh. geb. Verbrechers zeigte sich schon früh. Wegen Diebereien aus derSchule und später aus dem väterlichen Hause gejagt, trat er in eine Gaunerbandeder Normandie, dann an die «Lpitze einer bald sehr zahlreichen Bande zu Paris , beiwelcher er das unumschränkteste Recht über Leben und Tod sich vorbehielt. Er warderst am 14. -Oct. 1721 in einer Schenke ergriffen und inö Chalcb t gebracht. Aufder Folter nannte er keinen seiner Mitschuldigen. Als er aber auf dem Gr>veplahe,wo er gerädert wcrdensollte, angekommen war, warfer, in derHoffnung, daß seineGenossen ihn befreien würden, seine Augen umher, und da ersieh getäuscht fand,ließ er sich zurückführen und nannte s. Mitschuldigen. Er starb am 28. Nov. 1721unter den Händen des Henkers mit kaltem Gleichmache. Desessart's „?>nce«lümcnv" (2.Bd.). Legrand brachte ihn noch während s. Processesaufdie Bühne.
Cartouche , in den bildenden Künsten, eine zierlich gemalte oder geschnitzteEinfassung zur Auf- oder Überschrift eines Wappens, Schildes ic. — Bei demMilitair: eine kleine Patrontasche der Grenadiere, jetzt vorzüglich der Cavalerie;ferner eine Patrone, d. i. die mit Pulver und Kugel gefüllte Ladung der Kano-nen ; auch die bloße Pnlverladung des WurfgeschützeS, welche nie mit der Haubitzeoder Bombe verbunden sein kann; und beim Kartätschenschuß, wenn die Kartät-sche von der Ladung abgesondert, was jetzt nicht mehr gebräuchlich ist, die ganzeKartätsche selbst.
Cartwrigh t(Edmund),geb.1743inNottinghamshire(BruderdesMa-jors Iohn C., des bekannten Redners für die Parlamenksreform), studirte zu -Ox-ford . Dieser Senior aller engl. Dichter, bekannt durch s. Gedichte seit 1762, starb1824. Den meisten Beifall erhielt s. Erzählung „Armin und Elvire" (1771).