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Zweiter Band. Bo bis C.
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Casanova (Johann Jakob de Seingalt)

Beobachtungsgeist schäisten, der ihn zum Menschenkenner bildete. Er studirte dieRechte und schrieb im IK.Ilahre 2 Dissertationen, die eine„l)e losiameutis", unddie andre über die Frage: „Vtruiu tlvbi^kü z,o?.^»t ce>u>irucic >,ovu5

Dann führte ihn sein geselliges Talent zu Venedig in auserlesene Cirkel, inwelchen ein gebildeter, aber frivoler Ton herrschte. Der Patriarch von Venedig gabihni die niedern Weihen, und seine erste Predigt fand allgemeine» Beifall. Die zweitePredigt aber verunglückte, weil C. schlecht auswendig gelernt hatte. Hierauf ver-strickte er sich in mancherlei Liebeshändel; er ward aus einem Seminar weggejagtund litt endlich eine kurze Haft im Fort St.-.Andrä. Indeß suchte ihm seine Mutter,Schauspielerin in Warschau , den Weg für die höhern geistlichenWürden zu bahnen.C. reist deßwegen nach Neapel , findet aber nach manchen Kreuz- und O.uerzügenerst in Rom eine Stelle beim Cardinal Aguaviva; ja er kommt mit dem Papst Be-nedict XI V. in persönliche Berührung. Die glänzendsten Aussichten schließen sichihm auf, aber eine Unbesonnenheit, zu der ihn seine Gutmüthigkeit verleitet, nöthigtden Cardinal, ihn fortzuschicken. Nun will C. nach Konstantinopel gehen. Allein inAncona fesseln ihn Liebschaften mitSängerinnen. Durch eine Unachtsamkeit geräther in den Cordon der span., dann in den der östr. Truppen, die damals in Italien standen, als Gefangener. Es gelingt ihm, sich die Freiheit wiederzuverschaffen.Nun läßt er sich eine Uniform machen und tritt in den venetian. Kriegsdienst. Dar-auf geht er mit Empfehlungen vom Card. Aguaviva an den Renegaten, den GrafenDouneval, versehen, nach Konstantinopel . Hier macht er Bekanntschaft mit einemedeln und weisen Muselmanne. Die ReligionSgespräche, welche er mit ihni führt,sind von großem Interesse, und der alte reiche Türke faßt solche Neigung zu dem jun-gen Venetianer, daß er ihn für seine Religion zu gewinnen wünscht und ihm dannseine Tochter geben will. C. nimmt es nicht an; seine Militairverhältnisse führenihn nach Corfu. Hier glänzt der jungeFähurich auf alle Weise, wird aberalsMili-tair beleidigt und muß nach Venedig zurück, wo er, wenn auch nicht verachtet, dochverborgen eine Zeitlang als Violinspieler lebt. Zufällig ist er anwesend, als eben einangesehener Venator vom Schlage getroffen wird; er verwirft alle angewendeteHeilmittel, ja er unterbricht Alles, was die Ärzte für den Erkrankten thun, und rettetmittelst seiner Anordnungen diesen Mann vom Tode. Bagradio, so heißt derselbe,hält ihn daher für einen Begünstigten des Himmels, und C. gibt sich das Ansehen,in die Künste einer geheimen Wunderkraft eingeweiht zu sein. Nun wird er gewisser-maßen von diesem Manne adoptirt und ist sein und dessen Freunde Orakel. Aber Un-besonnenheiten nöthigen ihn nochmals, Venedig zu verlassen. Mailand, Mantua u. Cessna beschäftigen ihn mit manchem Abenteuer. Er rettet eine reiche und vorneh-me Französin aus einem entehrenden Zustande und geht mit ihr nach Parma . Aberdie Verwandten Henricttens wünschen das reizende Glied ihrer Familie wiederzube-sitzen, und sie muß sich in Genf von ihm trennen. Inmittelst waren die VergehenC.'s in Venedig vergessen worden, und er kehrte nach seiner Vaterstadt zurück, wo ermit Bagradio lebt, der in ihm noch immer einen Auserwählten sieht. Das Spiel,welches er überall geübt, beschäftigt und ernährt C. auch hier, und ohne eine besondereVeranlassung zu haben, tritt er seine erste Reise nach Paris an, wo er eine Zeitlangals Reisender sich aufhält, bis er nach Venedig zurückkehrt und sich in jene Verwicke-lungen begibt, welche die bekannte Verhaftung in den Bleikammern zur Folge haben,aus der er sich mit ebenso viel Kühnheit als Verstand befreit. Er geht wieder nachParis , wo nun diejenige Periode in C.'S Leben beginnt, mir der sein Blick sich erwei-tert, und öffentliche Personen sowie Staatsverhältnisse seine 'Aufmerksamkeit in An-spruch nehmen. Alle ausgezeichnete Männer und Frauen in Paris werden ihm nä-her gebracht, sogar der Herzog von Choiseul . Nach einem langen Aufenthalt inFrankreich macht er auf einer Reise über Stuttgart, Zürich, Solothurn, Bern undLausanne die Bekanntschaften Haller's und Volkaire's. Von hier geht er durch Sa-