verdoppelte, naturalisirte ihn als Spanier , und gab ihm das reiche Biüthumvon Avila; T. aber weigerte sich, es vor der völligen Aussöhnung Karls mit demPapste anzunehmen. Aber schon hatte der Kummer seine Gesundheit untergra-ben. Er starb den 8. Febr. 1529 zu Toledo . Unter C.'S Werken ist das „I.ibrc,ckol 6orllgi->n«" das berühmteste. Er lehrt darin die Kunst, die ein Hofmannanwenden müsse, um seinem Fürsten angenehm und nützlich zu sei» und überhauptam Hofe mit Erfolg aufzutreten. Die Schreibart ist musterhaft. Die ältern Aus-gaben verdienen, als vollständiger, den Vorzug. Auch seine, nicht zahlreichenztalieuischen und lateinischen Poesien sind Muster der Eleganz. S. Briefe(Padua 1769) sind zugleich für die politische und Literargeschichte wichtig. Tassohat s. Tod in einem Sonett gefeiert, und Giulio Romano ihm ein Monument zuMantua errichtet. — Castiglione (Ducde), s. Augereau.
Castilien, 2 Königreiche: Alt-und Neucastilien, s. Spanien .
Castlereagh, Lord, britischer Minister, s. Londonderry .
Castrametation, die Wissenschaft, ein Lager geschickt abzustecken,die Lagerkunst überhaupt. Sie gründet sich bei regelmäßigen Lagern auf dasAbstecken gerader Linien und auf die unter einem Heere zu haltende Lager-ordnung. Ein Lager, bestehe es aus Zelten, Baracken, oder zum reinen eigent-lichen Bivouac angewiesenen Plätzen, muß so vertheilt sein, daß die Schlacht-ordnung dadurch in großen Zügen nachgebildet ist, damit beim plötzlichen Auf-bruch die Stelle jedes Einzelnen und die Gestalt des Ganzen sich leicht undnatürlich finde, zugleich aber auch die Kochörter, das Gepäck und alle Kriegs-vorräthe in den bequemsten Erreichungspunkt gestellt sind.
Tastration , Verschneidung, Entmannung, das Verfahren, wodurch ei-nem lebendigen Wesen durch Wegnahme der Hoden die Zeugungsfähigkeit geraubtwird. Merkwürdig ist die Veränderung, welche die Castration bei dem Menschenhervorbringt. Der männliche Körper fängt an, dem weiblichen ähnlich zu werden.Die -Spannkraft der Fibern und des Muskelgewebes wird geschwächt, und da-durch das Zellgewebe in den Stand gesetzt, eine bei weitem größere Menge von Fettin sich aufzunehmen, die Barthaare bleiben zurück, der obere Theil der Luftröhreverengt sich beträchtlich, und der Eastrat erhält die Physiognomie und Stimmeeines Weibes. Auf den moralischen Charakter scheint die Castration gleichfallsEinfluß zu haben, indem sie die Urtheilskraft schwächt, gefühllos, mürrisch, klein-müthig und im Ganzen genommen unfähig zu großen Unternehmungen macht.Eine zweite Classe machen Diejenigen aus, denen die Theile zwar nicht entnommen,aber dergestalt künstlich zerstört sind, daß ihnen, obwol nicht die Begattungsfähig-keit, doch die Kraft der Zeugung mangelt. Ihrer erwähnt Iuvenal als besondererLieblinge der zügellosen Römerinnen. In die dritte Classe endlich gehören dieje-nigen Wesen, denen sämmtliche äußere Zeugungstheile genommen sind. Sie wer-ben bei den Türken vorzugsweise zu Hütern der Weiber gebraucht. Die Castrirtender beiden ersten Classen nennt man auch Eunuchen, und die der dritten ganzeEunuchen (griech. einen Bettbewahrer, Betthüter). Wir haben im Deutschen für alle drei Classen die allgemeine Benennung Hämmling. Geschieht die Castra-tion bei völlig mannbaren Personen in Folge einer Verletzung oder dergl., so wirktsie zwar im Charakter einige Veränderung, läßt aber den Körper durchaus in der-selben Verfassung. Sogar die Zeugungsfähigkeit dauert wenigstens noch einekurze Zeit lang fort. Nach den Versicherungen der alten Schriftsteller übten dieGriechen, besonders die Lydier, die Castration an den Weibern aus. Letztere sol-len dergl. weibliche Wesen zu Hütern ihrer Frauen und Töchter gebraucht haben,Hier bringt die Operation eine ganz entgegengesetzte Wirkung hervor. Der Ge-schlechtstrieb erlischt, an Kinn und Oberlippe erscheint der Bart, der Busen ver-schwindet, die Stimme wird rauh u. s. w. Boerhaave und Pptt erzählen neuer?