Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
Seite
512
JPEG-Download
 

512

Cato der Censor

von seinem Vater, einem Plebejer, ein Gütchen im Lande der Sabiner, das er miteignen Händen baute. Seine Jugend fiel in die Zeit der Anwesenheit Hannibal'sin Italien . Siebzehn Jahre alt, machte C. seinen ersten Feldzug unter FabiusMapimus, als dieser Capua belagerte. Fünf Jahre danach focht er unter'dem-selben bei der Belagerung von Tarent . Nach der Einnahme dieser Stadt wurdeer der Freund deüPythagoräersNearch, der ihn in die erhabenen Lehren der Weis-heit einweihte, mit deren Ausübung er schon vertraut war. Nach Beendigungdes Krieges kehrte C. auf sein Landgut zurück. Da er die Gesetze kannte undmit Leichtigkeit sprach, ging er mit Tagesanbruch in die benachbarten Städte, De-nen als Rarhgeber und Sachwalter dienend, die ihn dazu auffoderten. ValeriusFlaccuS , ein edler und mächtiger Römer, der in der Nachbarschaft eine Besitzunghatte, bemerkte die Tugenden und Talente des Jünglings, gewann ihn lieb undlud ihn ein, nach Rom zu kommen, wo er ihn durch sein Ansehen zu befördern ver-sprach. Wenige reiche und angesehene Familien standen damals an der Spitze derRepublik . C. war arm und unbekannt; aber seine Beredtsamkeit, die man mitder Kunst des DemostheneS verglich, die Strenge und Kraft seines Charakters zo-gen bald die Aufmerksamkeit auf ihn. Vor Gericht und in den Volksversamm-lungen zeigte er sich der schönen Erklärung gemäß, die er selbst von einem Rednergegeben, und Quinctilian uns aufbewahrt hat: „als einen rechtschaffenen, in derKunst, gut zu reden, erfahrenen Mann". Dreißig Jahre alt, ging er als Kriegö-tribun nach Sicilien. Im folg. I. ward er Quästor, und seitdem entstand zwi-schen ihm und Scipio ein Wetteifer und ein Haß, die Beide bis an ihren Tod fort-setzten. C., der nach Rom zurückgekommen war, klagte den Wcipio der Ver-schwendung an, und wiewohl derselbe losgesprochen ward, so gewann doch C.durch seinen für das Beste des Staatö bewiesenen Eifer einen großen Einfluß aufdas Volk. Fünf Jahre nachher, als er Ädil gewesen, ward er Prätvr und erhieltdie Statthalterschaft von Sardinien . Seine strenge Mäßigkeit, Rechtschaffenheitund GerechtigkeitSliebe wurden hier noch mehr bemerkt als in Rom . Aus dieserInsel machte er die Bekanntschaft des Dichters EnniuS , von dem er Griechischlernte, und den er bei seiner Rückkehr mit nach Rom nahm. Endlich ward C. 193v. Chr. Consul in Gemeinschaft mit seinem Freunde Valerius FlaccuS . Der Ab-schaffung der LepOppia, welche in den bedrängten Zeiten des zweiten punischenKrieges gegeben worden und den Frauen verbot, mehr als eine halbe Unze Goldes,buntfarbige Kleider und andern Putz zu tragen, widersetz» er sich aus allen Kräf-ten; aber er mußte der Beredtsamkeit des Tribunen Valerius und den dringendenBirren der römischen Frauen unterliegen. Gleich darauf ging er nach Spanien ab, das sich empört hatte. Sein erstes Geschäft war, die für das Heer aufgehäuf-ten Vorrärhe nach Rom zu schicken, indem er erklärte, der Krieg muffe Diejenigenernähren, die ihn fuhren. Er erfocht mit einem neugeschaffenen Heere mehreSiege, unterwal-s die Provinz aufs neue und kehrte nach Italien zurück, wo ihmdie Ehre eines Triumphs zuerkannt wurde. Kaum war er von dem Triumph-wagen gestiegen, als er die consularische Toga ablegte, den Harnisch nahni und demSemproniuS nach Thrazien folgte. Später trat er unter den Befehl des ConsulsMamus Acilius, um gegen AmiochuS zu fechten und den Krieg nach Thessalien zuspielen. Durch einen kühnen Marsch besetzte er mit einem Theil s. Soldaten denKallidrom, eine der steilsten Bergspitzen des Paffes vonThermopylä, und entschiedso den Ausgang der Schlacht. Er überbrachte die Nachricht dieses 189 vor Chr.erfochtenen Sieges nach Rom . Sieben Jahre nachher ward ihm, trotz einer mäch.tigen Gegenpartei, die ehrenvollste, aber auch gefürchtetste aller Magistraruren, dasCensoraml, zu Theil. Er hatte sich nicht darum beworben, sondern sich nur dazubereit gezeigt; in Ansehung s. Collegen erlaubte er kaum eine Wahl; man mußteihm Valerius FlaccuS geben, denn nur mit diesen, könn» er den Unordnungen