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Certo von Utica
Rom. Er ward hieraufO.uästor und verwaltete dieses beschwerliche Amt mit derstrengsten Gewissenhaftigkeit, indem er den Muth hatte, die Staatsbeamten we-gen ihrer Erpressungen und Gewaltthaten vor Gericht zu verfolgen; dadurch er-warb er sich die Bewunderung und Liebe der Römer, sodaß er am letzten Tageseiner Quästur von der ganzen Volksversammlung nach Hause begleitet wurde.Der Ruf seiner Tugend verbreitete sich allgemein. Bei den Spielen der Floraward den Tänzerinnen nicht gestattet, sich nach hergebrachter Sitte zu entklei-den, so lange T. gegenwärtig war. Die bürgerlichen Unruhen erlaubten ihm nicht,sich in die Einsamkeit zurückzuziehen. Dem Beispiele Sulla's , sich der höchstenGewalt zu bemächtigen, folgten mehre Ehrgeizige, deren gegenseitiger Kampfallein noch den Sturz der erschütterten alten Verfassung aushielt. CrassuS glaubte,die Oberherrschaft mit seinem Gelde zu erkaufen; Pompejus erwartete, daß sie ihmfreiwillig übertrügen werden sollte; Cäsar , Beiden an Talent überlegen, verbandsich mit Beiden und benutzte den Reichthum des Einen und das Ansehen des An-dern zu seinen Zwecken. An der Spitze des SenatS, des einzigen Pfeilers der Re-publik, standen EatuluS, Cicero , C.; Lucull, in hohem Ansehen beim Heere,das er siegreich geführt, würde allein den Senat haben aufrecht erhalten können,wenn er nicht lieber seines Reichthums hätte genießen als sich den Staatsangele-genheiten widmen wollen. C., von allen Parteien fern, diente unter diesenschwierigen Umständen dem gemeinen Wesen mit Einsicht und Muth; doch scha-dete er auch oft der Sache, welcher er diente, durch die Unbeugsamkeit seines Cha-rakters. Er war auf dem Wege nach seinem Landgute, als er dem MetellusNepos begegnete, der nach Roni reiste, sich um das Tribunal zu bewerben. Da erdenselben als einen verderbten Menschen kannte, kehrte er sogleich um, bewarb sichselbst um das Tribunal, und ward zugleich mit Metellus Nepos gewählt. Um dieseZeit brach die Verschwörung des Catilina aus. C. unterstützte mit aller Machtden Consul Cicero , gab ihm zuerst öffentlich den Namen eines Vaters des Vater-landes, und drang in einer schönen, von Sallust aufbehaltenen Rede auf die Be-strafung der Schuldigen. Dem Vorschlage des Metellus Nepos , den PompejuSaus Asien zurückzurufen und diesem den Oberbefehl gegen Catilina zu geben, wi-dersetzte er sich, und damals wäre er beinahe in einem Dolksausstaude umgekom-men, den sein College und Cäsar gegen ihn anregten. Nach des Pompejus Rück-kehr vereitelte C. mehrmals die ehrgeizigen Plane desselben und sagte zuerst dieFolgen der zwischen CrassuS, Pompejus und Cäsar geschlossenen Verbindungvoraus. Er sprach nachher, wiewol vergeblich, gegen die Ackerverrheilung inCam-panien. Cäsar mißbrauchte damals seine Gewalt so sehr, daß er den C. ins Ge-fängniß führen ließ; aber durch das Murren des Volks gezwungen, mußte er ihnwieder frei geben. Um C. zu entfernen, wußten die Triumvirn es dahin zu brin-gen, daß er nach Cypern gesandt wurde, um unter einem nichtige» Verwände denKönig Ptolemäuü abzusetzen. Er war gezwungen zu gehorchen, und vollzog denerhaltenen Auftrag so gewissenhaft, daß er den öffentlichen Schatz mir einer größcrnSumme bereicherte, als je ein Privatmann darin niedergelegt hatte. Inzwischenfuhr er fort, sich den Triumvirn zu widersetzen. Als er dem Tribonianischen Ge-setze entgegenwirken wollte, das dem CrassuS eine außerordentliche Gewalt er-theilte, ward er zum zweiten Male verhaftet; aber das ganze Volk folgte ihm zumGefängnisse, und seine Gegner waren genöthigt, ihn wieder loszulassen. Balddarauf ward er Prätor, und in dieser Eigenschaft setzte er ein Gesetz gegen die Be-stechung durch, das eigentlich allen Theilen mißfiel. Nach Crassuv's Tode wuchsendie innern Gährungen, und C. glaubte einem größer» Übel nur dadurch vorbeu-gen zu können, daß er, gegen die Verfassung, Pompejus Zum alleinigen Consulzu ernennen vorschlug, welches auch angenommen wurde. Das Jahr darauf er-, hielt C. das Consülat nicht, weil er die dazu nöthigen Schritte nicht thun wollte.