Cement
Cenci L2S
Geschmack in Deutschland verbreiteten. Er war 1459 zu Protuch bei Schwein-,fürt in Franken geboren und hieß eigentlich Meißel, nannte sich aber Celtes, mitdem Beinamen Protucius. Um nicht Winzer werden zu müssen, entlief er seinenAltern und studirte in Kolli. 1484 und 1485 bildete er sich unter RudolfAgricolazu Heidelberg zum Philologen und latein. Dichter, erwarb sich darauf als Privat-lehrer auf den Universitäten Erfurt, Leipzig und Rostock die Mittel zu einer Reisenach Italien, wo er die berühmtesten Gelehrten jener Zeit in Padua, Ferrara , Bo-.logna, Florenz, Rom und Venedig hörte und an Vielseitigkeit und Tiefe in seinenKenntnissen gewann. Nach seiner Rückkehr durch Illyrien, Ungarn und Polen ,wo ihn Albert Brutus mit der Astronomie und Astrologie bekanntmachte, fand eran deutschen Höfen, besonders bei dem Kurfürsten von Sachsen , Friedrich demWeisen, die günstigste Aufnahme, kam auf dessen Empfehlung an den Hof KaiserFriedrichs Ul. nach Nürnberg , wo er von diesem wegen seiner geschätzten latein.Gedichte 1491 als der erste Deutsche, der den Lorberkranz erhielt, eigenhändig zumDichter gekrönt wurde. Darauf unternahm er eine lOjäkr. Wanderung aufsämmtliche Universitäten in Deutschland , theils um gelehrte Verbindungen anzu-knüpfen, theils um durch Lehren und Disputiren den Sinn für die alten Classikeranzuregen. Auf dieser Reise half er zu Heidelberg die rheinische gelehrte Gesell-schaft stiften, deren Beschützer und Erhalter der Bischof von Worms, Johann vonDalberg, war, brachte die Kenntniß der alten römischen Literatur nach Leipzig ,wo ihn die Scholastiker nicht lange duldeten, lehrte um 1494 einige Zeit Rhetorikzu Ingolstadt und fand endlich einen Ruhepunkt in Wien, wo der Kaiser Maxi-milian I. ihn 1501 zum ordentlichen Lehrer der Dichtkunst und Deredtsamkeit undVorsteher der für das Studium des claff. Alterthums neuerrichteten fünften Facul-tät auf der dasigen Universität ernannte. Er lehrte hier auch die Philosophie derAlten und die griech. Sprache, bereicherte die kaiserl. Bibliothek mit griech. undlatein. Werken, Himmclskugeln und Landcharten, betrieb die Herausgabe der Hand-schriften in den Klosterbibliotheken, zog junge Dichter und Redner, gewann denAdel für die Wissenschaften und veranstaltete die ersten theatral. Vorstellungen amHofe. Seinen Plan, die deutsche und Maximilians Geschichte zu schreiben, konnteer nicht ausführen; doch hinterließ er eine Geschichte und Beschreibung von Nürn-berg, ein Gedicht über die Lage und Sitten Deutschlands , mehre philosophische,rhetorische und biographische Werke und eine Menge Gedichte, in denen er sich alsglücklicher Nachahmer Tibull's und Horaz's hervorthat. Von andern Philologenseiner Zeit unterschied er sich dadurch, daß er das Studium der Sprachen nicht alsZweck/sondern nur als Hülfsmittel zum Anbau der Realwissenschasten betrieb,unter denen er Geschichte, Statistik und Topographie besonders liebte. Auf seinenReisen hatte, er die Idee einer großen literarischen Verbindung gefaßt, die aus 1Zweigen in Östreich, Rhein - und Moselland, Neckarland, Niedersachsen, Pommern ,Polen und Ungarn bestehen sollte und unter dem von ihm selbst entlehnten Namen„rioüulltss täeltioa" von dem Kaiser Maximilian I. Privilegien erhielt. Doch kamwegen seines ftilhen Todes (4. Febr. 1508) und andrer Hindernisse sein Plan imGanze» nicht zu Stande, und nur die rheinische Gesellschaft überlebte ihn. 31.
Cement, s. Eisen und Cämentation.
Cenci (Beatrice), genannt die schöne Vatermörderin, war die Ursache dergänzlichen Ausrottung der Familie Cenci. Auch nach Dem, was Fran'v. d. Reckein ihrem Tagebuche darüber sagt, ist der eigentliche Grund dieser Begebenheit nochnicht ganz aufgeklärt. Muratori in s. „Annalen " (Bd. 10, Thl. 1, S. 138)erzählt Folgendes: Francesco Cenci, ein edler und sehr reicher Römer, lebte inzweiter Ehe, und behandelte nicht nur seine Kinder aus der ersten Ehe auf das ab-scheulichste, sodaß er sogar zwei seiner Söhne auf ihrer Rückkehr aus Spanien vonBanditen überfallen und ermorden ließ, sondern wußte es auch durch List und Be-Conversakivns-Lcricon. Bd. II. o4