Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
Seite
530
JPEG-Download
 

530

Cenis

Census i

trug dahin zu bringen, daß seine jüngste Tochter, die von hoher Schönheit war,endlich seinen Nachstellungen und Lüsten unterlag. Beatrice entdeckte diese grau-,same Mißhandlung nicht nur ihren Verwandten, sondern suchte auch beim damali-gen Papste Clemens Schuh zu finden. Doch scheint ihr dieser nicht zu Theil ge-worden zu sein; denn als der verbrecherische Vater seine schaudererregende Behand-lung auss höchste trieb, verband sie sich mit ihrem Bruder Giacomo und ließ denruchlosen Alten von 2 Meuchelmördern im Schlafe ermorden. Die Schuldigenwurden jedoch entdeckt, gestanden unter der Folter den Mord und sollten auf des ^Papstes Befehl von Pferden zerrissen werden. Vergeblich suchte der gelehrte Farn- !naceuS (durch s. „Ou-wslioneG berühmt) durch eine lebendige Schilderung der )Lasterihaten des Ermordeten den Papst zu einer Milderung der Strafe zu vermö-gen. Nach andern Erzählungen scheinen Beatrice und ihre Verwandten wenig oderkeinen Antheil an der Ermordung des alten Cenci gehabt zu habe»; vielmehr sollem Gewebe von Bosheit und Schändlichkeiten der Aussage zweier Banditen wider jdie Mitglieder der Familie Cenci Glauben verschafft haben. So viel ist gewiß, daß iam 11. Sept. 1509 Beatrice Cenci und ihre Schwester mit einer Art Guillotine,Mannaya genannt, hingerichtet, Giacomo Cenci mit einer Keule erschlagen undder jüngere Bruder wegen seiner Jugend begnadigt, die Reichthümer der Familieaber, worunter sich auch die durch ihre Kunstschätze nachmals bekannte und oft be-suchte Villa Borghese befand, eingezogen und vom damaligen Papste, Paul V. aus dem Hause Borghese, seiner Faniilie geschenkt wurden. Zm Palosie Colonna !zu Rom wird dem Reisenden ein treffliches Gemälde, angeblich von Guido Rein, jals das Portrait der unglücklichen Vatermörder»! gezeigt, und dieses hinreißendschöne Mädchenbild ist die Veranlassung der in ganz Europa verbreiteten Kenntniß ^der obigen Schauergeschichte. 22.

Cenis (der Berg), ein Theil des Alpengebirges in der Grafschaft Mau-rienne in Savoyen , nach Saussure 10,752, nach Ebel 11,058 Fuß über den»Meere; berühmt durch den von Napoleon seit 1805 fg. fahrbar gemachten Borg,welcher über denselben nach Piemontführt, dessen Grenze er macht. (S. Al pen-straßen.) Auf dem Berge ist eine Ebene, genanntMadellino, und ein stehenderSee, mit einem Hause, W 1üin>->s-!e genannt. Der See enthält Forellen von18 Pfunden. Höhere Schneegebirge umschließen diese Ebene.

Cenotaphium, s. Denkmal.

Censoren waren zu Rom Magistratspersonen, welche über die Anzahldes Volks und das Vermögen der Bürger ein Verzeichnis hielten und seit 442 v.Chr. die Schätzung der Bürger besorgten. Zugleich hatten sie die Aussicht über dieSitten. Sie wurden alle 5 Zahre gewählt. — Bei uns heißen Censoren dievon Seiten des Staats mit der Büchercensur (s. d.) beauftragten Personen.

Census , bei den Römern eine der wichtigsten Staatshandlungen, welchedie Grundlage zu der nachherigen Größe dieses Reichs ward. Der König ServiusTulliuS führte ihn 577 v. Chr. ein, mdem alle römische Bürger in der Stadt undausdem Lande von ihrem ganzen Dermögcnszustande, von der Anzahl ihrer Kin-der, Sklaven ic., bei Verlust ihrer Güter und ihrer bürgerlichen Freiheit, eineAnzeige machen mußten. Hierauf theilte er nach dieser Angabe alle Bürger in 8Classen, und diese wieder in Centurien (s. d.). Die erste Classe bestand aus sol-chen, deren sämmtliches Vermögen sich wenigstens auf 100,000 Asse oder PfundErz beließ; die zweite bestand aus Personen von 75,000, die dritte von 50,000,die vierte von 25,000, die fünfte von 11,000 Assen; alle übrige gehörten zursechsten Classe. (Der Werth eines Asses war in den ältesten Zeiten etwa 6 Pfen-nige und späterhin 12 Gr. nach unserm Gelde.). Jede Classe hatte ihre besondernWaffen, ihren besondern Platz im Heere >c. Diese Eintheilung hatte für Rom einen sehr wichtigen Vortheil. Statt daß früher die ärmsten Bürger eben die Ab