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6 b I> N1 br e i n t r o u V a l> I v (die unendliche Kammer). Ein Spott-name, welcher der franz. Deputirtenkammer, die nach der zweiten RestaurationLudwigs XV'IU. zusammentrat, wegen ihrer Leidens sstlichkeit und ihrer AntuNationalität gegeben wlwde, und der ihr geblieben ist. Die der Revolution entgegen-gesetzte Partei glaubte nämlich ihren Triumph nicht vollständig genug feiern zukönnen; allein diese Reaction dauerte nur vom 28. Juni 1815 bis zum 6. Sept.1816. Schon in der Proclamation aus Cambrai hatte der König die Rationüber mancherlei Besorgnisse zu beruhigen gesucht, welche zu den Begebenheiten desMärz 1815 beigetragen haben konnten; man gestand ein, daß die Regierung ge-fehlt haben könne; das Ministerium sollte durch einen Präsidenten mehr Einheiterhalten; die Wiedereinführung der Zehnten und grundherrlichen Rechte wurde fürein Märchen erklärt; den Käufern der Nationalgüter nochmals Unverlehlichkeitihres Eigenthums zugesichert und versprochen, daß alle Classen des Volks zu denStaats > und selbst Hofämtern zugelassen werden sollten. Fürst Talleyrand wurdenun nach der zweiten Rückkehr des Königs Präsident des Minisierialraths, dieübrigen Minister waren Louis, Pasguier, Gouvion-St.-Cyr, Zaucourt, derHerzog von Richelieu und — Fauche. Die Deputirtenkammer wurde aufgelöst, dieZahl der Deputieren von 262 aus 402 vermehrt, doppelte Wahlen in den Arron-dissements- und Departementswahlcollegien angeordnet, aber die Wahlen selbstganz in die Hände der Reichsten eines jeden Departements gelegt, indem sie nichteinmal durchaus an die Candidaten der Arrondissementscollegien gebunden waren.Ehe die Kammern wirklich zusammenkamen, zeigten die Auftritte im Süden vonFrankreich, die Ermordung der Mamelucken zu Marseille , der Protestanten zuNismes, des Marschalls Brune zu Avignon , welcher wilde Geist der Leidenschaftentfesselt worden war. Schon im August wurde das Mikiisterium verändert; derHerzog von Richelieu ward Präsident; an Fouche's Stelle trat Decazes ; Kriegs-minister ward Clarke, Herz. von Feltre ; Barbc-Marbois, Dubouchage und Cor-vetto traten statt der Herren Pasguier, Iaucourt und Louis ein. Die Urheberder Mordscenen »»Süden blieben ungestraft; eine königl. Verordnung vom 21.Nov. befahl zwar, die Mörder des General Lagarde und die Urheber der übrigenGräuclthaten zu Nismes vor Gericht zu stellen, aber von 18 Angeschuldigten wurdenur zweien der Proceß gemacht. Dagegen büßte Ney seinen Wankelmuth, wofürsich manche Entschuldigungsgründe anführen ließen, und trotz der Capitulation vonParis , die über alle politische Vergehen eine allgemeine Amnestie ausgesprochen,mit dem Tode. Am 7. Oct. wurde die Sitzung der Deputirtenkammer eröffnet,deren Wahlen von eben diesem Geiste geleitet worden waren, welcher nun auch sichals der herrschende ihrer Verhandlungen zeigte. Alle Maßregeln, welche die Rück-kehr zur alten Verfassung zu begünstigen schienen, welche der Rache und Verfol-gungSsucht zum Werkzeuge dienen konnten, wurden ohne Discussion angenommen,ja verlangt. So die Gesetze vom 9. Nov. 1815 über die Bestrafung aufrühreri-scher Ausrufungen, vom 20. Dec. über die Wiederherstellung der Prevotalgerichte,vom 11. Jan. 1816 über die Verbannung der KönizSmörder, vom 8. Mai überdie Abschaffung der Ehescheidungen. Aus dem Staatsdienste wurden eine Mengeuntergeordneter Beamten, welche nie an den Begebenheiten einen thätigen Antheilgenommen hatten, unter dem Vorwande revolutionnaircr Gesinnungen entfernt,und der Kriegsminister Clarke verfuhr ganz willkürlich bei der neuen Organisationder Armee, indem er verdiente Dfsiciere zurücksetzte, andre vorzog. Der nach-theilige Friede vom 20. Nov. 1815, die großen Lasten, welche die fremden Heereund die Contribution dem Volke auflegten, die große Theurung, vermehrten dieSpannung; es brachen Unruhen zu Grenoble, Toulouse und Lyon aus, welcheeinigen Hundert irregeleiteten Bauern das Leben kosteten, deren wahre Urheberaber uncntdeckt blieben. Die Regierung wurde endlich gewahr, daß sie auf diesem