Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
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561
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Chaos Chapelle 561

trey'S", sagen englische Kunstrichter, „ist lediglich eine Tochter des englischen Ge-nius, ein Styl ohne Nachahmung, den Alten so wenig ähnlich als die wildenromantischen Stücke Shakspeore's denen des EuripideS". 20.

Chaos, das Erste von Allem, was ward. Der Bedeutung des Worts nach,der Raum, der Alles saßt, was in ihm wird. Nach Hesiod waren die vier Grund:Ursachen, aus denen Alles entstand: das Chaos, die Erde, der Tartarus und derEros (Amor); andre alte Dichter nahnien das Chaos allein als die erste Grund-Ursache der Dinge an und leiteten Alles aus demselben her; Andre nannten als diedrei übrigen Grundursachen: die Nacht, den Erebus und den Tartarus; noch An-dre ließen aus dem Chaos Erde und Himmel entstehen, und alle übrige Dinge durchden Amor vollendet werden. Später dachte man sich unter dem Chaos den un-ausgebildetcn Urstoff. Aus sich selbst zeugte das Chaos, nach Hesiod , den Erebusund die Nacht, und diese zeugten mit einander den Äther und den Tag.

Chapelain (Jean), durch ein verunglücktes Gedicht bekannter geworden,als mancher andre Dichter durch ein gelungenes, wgr zu Paris am 4.Dec. 1595 ge-boren. Die Medicin, welcher er sich anfangs gewidmet hatte, vertauschte er mitder Stelle einesErziehers der beiden Söhne eines franz. Großen und mit dem Stu-dium der Sprachen und Dichtkunst. Marini, der eben wegen des Druckes seines„Adone" nach Paris gekommen war, veranlaßte ihn, eine Vorrede vor dieses Ge-dicht zu setzen, durch welche C. die Aufmerksamkeit des CardinalS Richelieu aufsich zog. Letzterer, der die Schwachheit hatte, auch als Schöngeist glänzen zuwollen, brauchte einen Dichter, der mit ihm und bisweilen auch für ihn arbeitete.C. hakte Talente und Kenntnisse, er war gefällig und (was die Hauptsache war)Verschwiegen, und so war sein Weltglück gemacht. Er wurde eins der ersten Mit-glieder der /looelöinio snino^is,- und mit deren Organisation beauftragt; er er-hielt einen bedeutenden Zahrgehalt und wurde bald das Orakel aller damaligenfranzös. Dichter. Nur hätte er nicht selbst als Dichter auftreten sollen. Seine„Jungfrau von Orleans" („l'unolle"), bereits um 1630 begonnen und mithin ei-ner der frühesten epischen Versuche der franz. Literatur, hatte durch ihre frühzeitigeAnkündigung und nachmalige 20jährige Verzögerung Erwartungen erregt, denensie bei ihrem endlichen Erscheinen (1656) nicht zu genügen vermochte. Zwar ver-kauften sich in den ersten 18-Monaten 6 Ausgaben schnell hinter einander, aberbald wurde das Gedicht der Gegenstand des Spottes der neuern franz. Dichter-schule und sank in Vergessenheit. Die Anlage desselben ist nämlich zu weit auö-gesponnen (24 Bücher, von denen bei des Verf. Leben nur die ersten 12 erschie-nen), die Beschreibungen sind oft kleinlich durchgeführt, die Gleichnisse in denenman eine sklavische Nachahmung des Homer nicht verkennen kann) gezwungen undnicht selten unpassend, die Reden weitschweifig und langweilig; indeß ist wenig-sienS der Plan im Ganze» gut angelegt, und der erzählende Theil des Gedichts bie-tet einzelne gelungene Stellen dar. Übrigens erwarb sich C. allgemeine Achtung,und diese blieb ihm bis an seinen am 22. Febr. 16^4 erfolgte» Tod. Die vollstän-digste Ausgabe seiner „l'ueoll»:" (18 Bücher) erschien zu Genf 1^62. Die königl.Bibliothek zu Paris verwahrt alle 24 Bücher in der Handschrift. 52.

Chapelle, eigentlich Claude Emanuel Lui liier, mit dem BeinamenChapelle, weil er in dem Dorfe La Chapelle bei Paris 1626 geboren worden, einerder liebenswürdigsten und anmuthjgsten franz. Dichter. Die Freiheit und Leich-tigkeit seines Geistes und die Fröhlichkeit seines Charakters machten ihm die vor-nehmsten und gebildetsten Personen zu Freunden, unter diesen Racine, Boileau,Mokiere, Lafontaine, Bernier u. A. Die Erzeugnisse C.'S tragen das Geprägeseines Charakters: Freiheit, Munterkeit und Witz. Seine mit Bachaumont ab-gefaßte Reise: „lielat. ci'uil vov. Out en Isirsiice" (1662,12.), ist das erste Musterdieser leichten, lieblichen, von der Freude und Unschuld eingehauchten Dichtungsart.

Eonversakivus,rekicvn. Bd. ll. 36