Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
Seite
572
JPEG-Download
 

572 Charette Charlatan

mußten aber nach der heldenmütbigsten Tapferkeit den Massen derAlliirten weichen.In dem nahe gelegenen Petit-Charenton befindet sich das.berühmte Hospital fürWahnsinnige, wo gewöhnlich 4—>500 Unglückliche beiderlei Geschlechts mit gro-ßer Sorgfalt gepflegt werden, um ihre Heilung zu bewirken; die für unheilbar er-klärten werden nach Bicötre geschickt. Hier starb 1813 SadeS, Vers. der „Iu,stine", den Napoleon wegen dieser sittenlosen und gefährlichen Schrift als einenWahnsinnigen zu behandeln befohlen hatte.

Charette de la Coutrie, s. Vendüe.

Charfreitag (der stille Freitag) heißt wahrscheinlich so von demalten deutschen Worte charen, d. i. leiden oder büßen. Die Protestanten betrach-ten ihn als den feierlichsten Tag des ganzen Jahres, dagegen gilt er bei den Katho-liken nur für einen halben Feiertag.

t! I> !> I A e el'a l l!> i r 0 5, s. Gesandten.

Charitinnen, s. Grazien.

Charkow, Hauptst. der slobodischen Ukraine in Rußland , 150» H. und an15.000E. Diese treiben einen nicht unwichtigen Zwischenhandel, und eö gibt 4 großeJahrmärkte hier. 1803 wurde die hohe Schule daselbst zu einer Universität umge-schaffen, und aus Deutschland mehre Gelehrte als Professoren dorthin berufen. DerKaiser bewilligte jährl. 130,000 Papicrrubel zu Zink -, und außerdem erbot sieb derAdel des Landes 400,000 Rubel zur Einrichtung herzuschießeu, wovon er aber 1309noch den größten Theil schuldig war. Sie zählt 38 Professoren und etwa 300 Stu-denten, wovon 60 auf kaiserl. Kosten unterhalten werden. Die Letztem sind verpflich-tet, 6 Jahre nach ihrem Abgänge von der Universität als Lehrer an den Schule» desUniversitätsbezirks zu dienen, und werden von der Universität ziemlich willkürlich da-hin geschickt, wo sie Lehrer sein sollen. Die Universität hat eine Bibliothek, ein Na-turell.- und Physik. Cakinet. In C. gibt es noch ein Gymnasium, eine Kriegsschule w.Hier hält auch eine philotechnische Gesellschaft ihre Versammlungen.

Charlatan (italienisch ciarbm»,»), ei» Marktschreier, Quacksalber,Afterarzt, dann überhaupt Jeder, der sich auf eine auffallende Weise den falschenSchein von Kenntnissen oder Geschicklichkeiten gibt. Wahrscheinlich kommt dasWort von dem italienischen rlarl-n c, schwatzen, her, weil im Schwatzen die Haupt-kunst des CharlatauS besteht. „ZS mag nicht undienlich sein, einige Kunstgriffe an-zudeuten, deren sich manche Ärzte und Afterärzte bediene», um ohne Muhe Auf-sehen zu erregen. Da laßt sich der Eine des Tags mehre Mal auf allen Straßensehe», wen» er auch Nichts da zu thun hat; er kaun keine Gesellschaft besuchen, ohneaus derselben zu einem schweren Kranken gerufen zu werden i der Bote ist aber ge-wöhnlich der eigne Diener); ein Andrer nimmt jede Gelegenheit wahr, mir denLaien Berichte von großen Euren, vornehmen und fremden Kranken, die sich an«hu gewendet, zu erstatten; ein Andrer spiegelt dem Publicum eine neuerfundeneMethode vor, die überall helfen, ja in welcher die einzig wahre und echte Me-dicin bestehen soll; ein Dritter begnügtffich zu diesem Behufe wol auch mit einemeinzelnen Mittel, welches er selbst entdeckt habe» will und das er geheim hält. DerEine gibt die theuersten Mittel, die er finden kann, und ersäuft seine Kranken fastin denselben; ganze Batterien von Arzueistaschen Hausen sich an dem Berte desKranken ; der Andre gibt seine Arzneimittel in so kleineil Dosen, daß sie kaum ge-rochen, geschmeckt, gesuhlt oder gesehen werden können, aber — sie sollen dieQuintessenz der Arzneistoffe enthalten und müssen daher theuer genug bezahlt wer-den. Der Eine spielt mir einer ungewöhnlich langen und breiten Kraukemmter-suchung und schreibt die Ergebnisse derselben im Beisein des Kranken wol auchsogleich auf, der Andre will die Krankheit ohne alle Untersuchung aus den GcsichtS-zügen, den Augen, dem Pulse, dem Urin w. erkennen und nennt das praktischenBlick, was sonst als Inspiration, geheime Weisheit rc. galt. Der Eine sucht