Charlemont Charleroi 573
sich durch übermäßige Feinheit und Galanterie, der Andre durch Grobheit bemerk-bar zu machen. Der Line verspricht allen Kranken, die sich zu ihm wenden, dieschnellste Hülse mit der größten Gewißheit; der Andre zuckt über jeden Zufall dieAchseln, zeigt überall Bedenklichkeiten und nimmt jeden Kranken als todten Mannan. Überhaupt legt der Charlatan mehr Gewicht auf das Äußere als auf Kennt-nisse, Bildung, Gelehrsamkeit. Weit entfernt, daß er seine sogenannten Entde-ckungen dem Urtheile andrer gebildeten Ärzte vorlegt, verwirft er diese vielmehrgänzlich und beschuldigt sie einer zu großen Strenge, oft wol auch des Neides undder Ungerechtigkeit, ja er scheut sich nicht, alle andre Ärzte als unwissende undbösartige Menschen zu lästern. An die Menge wendet er sich; in den Zeitungenund Tageblättern sucht er den vergänglichen Thron seines Ruhms aufzuschlagen;hier führt er seine Streitigkeiten Mehr mit Grobheiten als Gründen; strengewissenschaftliche Untersuchungen verschmäht er. 34.
Charlemont und G i v e t, eine der stärksten Festungen Frankreichs ,im Deport, der Ardennen, Charlemont mit 3500, Givet mit 1300 Linw., liegt anbeiden Usern der Maas, 5 Meilen aufwärts von Namur , an dem Vereinigungs-punkte mehrer Straßen, in einem gebirgigen Terrain, und hat strategische Wichtig-keit, weil beide einen Brückenkopf bilden und einem längs der Maas vorrückendenHeere, wenn dasselbe die Festung besitzt, zum Anlehnen des Flügels dienen; ist derFeind aber Meister der Festung, es sehr hindern, und zwingen, ein der Besatzungmindestens doppelt überlegenes Beobachtungscorps zurückzulassen. 1555 bauteKarl V. dasSchloßund die kleine Stadt Charlemont; Ludwig XIV. , dem der Platzim Frieden von Nimwegen zufiel, ließ, um den nur 2 Bataillons fassenden Raumzu vergrößern, den am Fuße des Bergs gelegenen Flecken Givet befestigen und Char-lemont verstärken, sodaß der Platz jetzt eigentlich aus 4 Festungen besieht, von de-nen Charlemont und Groß-Givet auf dem linken, Klein-Givet undMont d'Haurauf dem rechten Ufer der Maas liegen. Der Charlemont erhebt sich auf einemschmalen, 200 Fuß hohen, fast überall dominirenden, senkrecht nach der Maas undnach Westen zu abstürzenden, aufder Nordseite sehr steilen und nur ostwärts sanftabgedachten Felsen, ist mit k Dastions, auf der Ostseite, dem einzigen möglichen An-griffspunkte, mit einem Horn - und einem Kronwerke und außerdem mit mehrendetachirten Werken befestigt; fast alle Gräben sind in Felsen gehauen, und die mei-sten Werke gut casemattirt. Groß-Givet hat 4 Bastions und 8 Ravelins mittrockenen Gräben, Klein-Givet 4 BastionS und nasse Gräben, jedoch keinen bedeck-ten Weg, und der Mont d'Haur, eine dem Charlemont gegenübergelegen Höhe,wird durch eine in Form eines verstärkten KronwerkS geführte Befestigung festge-halten und kann zugleich zum verschanzten Lager dienen. Die Festung ist auf11,000 Mann Besatzung eingerichtet, kann aber auch allenfalls 25,000 fassenund mit 3 — 4000 Mann gehalten werden. Wenn nun auch die Givets und derMont d'Haur einen Angriff zulassen und eben nicht große Schwierigkeiten machenwürden, so ist doch der Charlemont fast unangreifbar. Wirklich hat er auch nochkeinen eigentlichen Angriff erfahren, und obgleich 1815 die Preußen sich zu demsel-ben rüsteten, ja selbst die Givets und den Mont d'Haur durch Capitulation in dieHände bekamen, so hatten sie doch vor dem Cbarlemont eine gewisse Scheu. Nachdem pariser Vertrage besetzten die Russen den Charlemont.
Charleroi, Stadt in der niederländ. Grafsch. Hennegau , mit 4000 L.,an der Sambre, 4 Meilen von Namur, an der Straße von Philippeville undAveSnes »ach Brüssel , der Hauptort eines Bezirks, hat als Festung strategischeund historische Wichtigkeit. 1666 befestigten die Spanier diesen Punkt zuerst;sie gaben ihn, den Namen ihres Königs, verließen aber 1661 den Bau beim An-rücken der französischen Armee. Ludwig XIV. ließ denselben sogleich durch Van-ban wieder aufnehmen, und dieser legte die Festung in Form eines regulairen bastio-