Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
Seite
583
JPEG-Download
 

Chateaubriand 583

dasselbe den Franzose» beiflehen würde. Sein ganzes Sueben war die ErhebungEnglands auf den Trümmern der bonrbonische» Mächte. Allein plötzlich un-terbrach der Tod Georgs ll. seine Entwürfe. Georg III. ward von Pitt'S Gegner,dem Grafen Bute , einem beschränkten Staatsmanne, wider ihn eingenommen,sodaß Pitt seine Stelle 1761 freiwillig niederlegte und bloß im Unterhause blieb.Die Stadt London übergab eine allgemeine Danksagung an Pitt, dessen Gemah-lin Baronesse von Chatam geworden war, ließ ihm zu Ehren eine Inschrift aus derBlackfriarsbrücke anschlagen und betrachtete ibn als das Palladium der Frecheit.Als sich Spanien 1762 förmlich mit Frankreich verband, rieth Pitt zur Fortse-tzung des KriegS, durch den man beide feindliche Staaten vielleicht ganz entkräftethaben würde; allein die Gegenpartei schloß 1763 Frieden. Pitt nahm sich desVolks gegen jede Bedrückung an.' Dg er voraussah, daß sich die amerikan. Colo-nien bei fortdauernder despotischer Strenge vorn Mutterlands trennen würden,drang er besonders 1766 auf glimpflichere Behandlung derselben und auf Widerru-fung der Stempelacte. In dems. Jahre wurde ein neues Ministerium berufe», undder König ernannte ihn zum geh. Siegelbewahrer, Discount von Burkon, Pvsentund Grafen von Chatam. Dies geschah jedoch nicht forrol aus Hochachtung fürseine Verdienste als um ihn aus dem Unterhause, wo sein Einfluß überwiegend war,in das Oberhaus zu bringen, in welchem er wegen der Majorität, die auf der Seitedes LordsNorth und s. Anhänger war, dem Ministerium nicht so gefährlich werdenkonnte. Auch hier empfahl Pitt mit der lebhaftesten Freimüthigkeit gelindereMaß-regeln gegen Amerika , besonders 1776; allein man verwarf f. Warnung, und1776 erklärten sich die Cvlonien für frei. Ein abermaliger Versuch, den er 1777zur Aussöhnung mit ihnen machte, schlug ebenfalls fehl; vergebens zeigte er dieUnmöglichkeit, die Amerikaner zu bezwingen. Am 8. April 1778 begab er sich,wiewol sehr krank, in das Haus, um das ungerechte und unpolitische Verfahrender Minister gegen Amerika öffentlich zu tadeln; nach geendigter Rede sank erohnmächtig nieder und wurde aus dem Parlamente auf sein Landgut Hares beiKent gebracht, wo er den 11. Mai starb. Das Parlament gab demjenigen s. Söhne,der die Grafschaft Chatam besaß, für sich und s. Nachkommen 4000 Pf. St. Jahr-geld, begrub Pitt auf öffentliche Kosten mit dem größten Pomp und setzte ihm inder Westminsterabtei und nachher, 1782, in Guildhall prächtige Denkmäler.

Chateaubriand (Framoiü Auguste, Vicomte de ), Pair von Frankreich,ein Neffe des edlen Malesherbes, gehört zu den ausgezeichnetsten jetzt lebendenSchriftstellern Frankreichs. Er ist 1769 zu Combourg in der Bretagne geborenund trat 1786 in das Infanterieregiment Navarra . Während der blutigen Ach-tungen im Laufe der Revolution verließ er sein Vaterland und begab sich nach Nord-amerika . Aus feine Bildung als politisch-religiöser Dichter hat der zweijährigeAufenthalt unter den wilden Stämmen von Kentucky , von wo er in den Jahren1790 fg. bis zum Cap Mendocin an das Ufer des stillen Meeres vordrang, ent-scheidenden Einfluß gehabt. In Amerika schrieb er ein Gedicht in Prosa: „DieNatschis, oder Gemälde des Lebens der indianischen Stämme", das erst 1826 inder Sammlung s. Werke erschienen ist. 1792 kehrte er nach Europa zurück, umunter den Fahnen der Emigranten zu fechten. Hier ward er bei der Belagerungvon Thionville verwundet. Dies und andre Gründe bewogen ihn, nach Englandzu gehen, wo er sich in einer bedrängten Lage befand, weßhalb er Schriftsteller ward,wodurch er mit dem Grafen de FontaneS in eine freundschaftliche Verbindung kam.Damals schrieb er den „kissai bistorigne, polil. vt rnorale rnr ler räeululinns.nuciennt-s nt modernes, ecmsillerees clnns lenr rapporl nvea In revolulionsinne.-,ist:" (Lond. 1797 und Leipz. b. Brockhaus). Diese Schrift enthält mehreAbschnitte, denen die aufgeklärtesten Männer noch jetzt ihren Beifall geben würden,nur nicht Herr von Chateaubriand selbst. Dieser hat nämlich s frühern Irrthümer