590 Chatillon (Congreß)
lien gegen Bellegarde am Mincio vom 8.—10. Febr. erfochten hatte'), was Na-poleons Zuversicht so sehr erhob, daß er die unbedingte Vollmacht Caulaincourr's,den Frieden abzuschließen, zurücknahm und am 18. seine Federungen zu Chatillonin einem siolzern Tone höher spannte als bisher. Allein Fürst Schwarzenberg ging noch in der Nacht durch Troyes über die Seine und stellte sich ani 2l., mitBlücher aufs neue eng verbunden, längs dem rechten Ufer dieses Flusses bis Moryauf. Dieser vielfach getadelte Rückzug am 19., auf welchen am 25. auch derüber die Aube bis Colombe nach Chaumont hin folgte, weil Augereau von Lyon aus die Verbindung des Hauptheeres mit der Schweiz bedrohte, rettete beide Heereder Verbündeten, welche jetzt beinahe Alles verloren sahen, was sie seit der Schlachtbei Briennc gewonnen hatten. Schwarzenberg entsandte nun Bianchi mit 30,000Mann, um längs der Saone gegen Augereau vorzurücken; zugleich wurde dem Kai-ser Napoleon, als dessen Heerlager noch zu Montereau war, am 19. Febr . Waffen-stillstand angetragen, und ein Eilbote aus Chatillon überbrachte ihn, den Entwurfeines vorläufigen Friedens, unterzeichnet von sämmtlichen Bevollmächtigten derverbündeten Mächte zu Chatillon den 17. Febr. 1814. Aus dem Umstände, daßdieser Tractat zwischen den Mächten Östreich, England, Rußland und Preußen, und„Sr. Majestät, dem Kaiser der Franzosen, seinen Erben und Nachfolgern" abge-schlossen werden sollte, sieht man, daß die englischen Bevollmächtigten an keinen be-sondern Artikel, die Anerkennung von Napoleons Kaisertitel betreffend, gedacht,sondern diesen Titel als schon zugestanden angenommen haben. Die Bedingungenfand der in Paris errichtete Regentschaftsrarh, dem der Kaiser den Entwurf mit-theilte, annehmbar; allein eine Nebenbestimmung, die von den Verbündeten gefo'derte Besetzung von Paris bis zum endlichen Frieden, beleidigte Napoleons Würdeso sehr, daß er mit dem Ausrufe: „Er sei jetzt näher bei Wien , als die Verbündetenbei Paris !" die Vorschläge verwarf, jedoch mit Östreich besondere Unterhandlun-gen anzuknüpfen suchte. Ebenso wenig nahm er den von den Verbündeten am23. Febr. wiederholten Antrag eines Waffenstillstandes an, willigte aber ein, daßnach den am 25. Febr. vom Fürsten v. Liechtenstein überbrachten Vorschlägen, dieUnterhandlungen zwischen Flahault und dem östreich. General Duca, dem GrafenSchuwaloff und dem prenß. General Rauch, in dem Dorfe Lusigny fortgesetztwurden. Doch sein Versuch, Östreich von den Verbündeten zu trennen, war ver-geblich; der Kaiser Franz schien zwar einer Ausgleichung mit Napoleon nicht abge-neigt zu sein, allein durch einen Unfall wurde der mit seinen Vorschlägen beauf-tragte Unterhändler, Baron v. Langenau , unterwegs aufgehalten, und der für Na-poleon günsnge Augenblick ging dadurch verloren. Denn die 4 Mächte vereinigtensich bald aufs engste gegen Frankreich zur Herstellung und Behauptung des Frie-dens durch den, für die Dauer von 20 Zähren, am 1. März abgeschlossenen Tractatzu Chaumont (s. d.), nach welchem sie, wenn Napoleon die ihm gemachtenFriedensvorschläge nicht annähme, den Krieg fortsetzen, wenn er sie aber annähme,den Frieden, sowie er von ihnen beschlossen sei, mit vereinter Kraft aufrecht erhal-ten wollten. So wurde das Schutz- und Trutzbündniß von Chaumont die diplo-matische Grundlage der noch bestehenden europäischen Staatenverhältnisse.
Während dies geschah, rückte Napoleon , unter beständigen Gefechten, derHauptarme? nach und besetzte am 25. Febr. Troyes . Blücher hatte sich indeß vonSchwarzenberg wieder getrennt und ging am 24. bei Vaudemont über die Aube,um in der linken Flanke des Feindes, wo Marmont und Mortier vor ihm zurück-wichen, gegen die untere dTdarne vorzudringen und sich der aus Flandern heraneilen-den Nordarmee zu nähern. Das Hauptheer unter Schwarzenberg aberzog sich bis
*) Der Adjutant des Vicekvnigs brachte ihm jene Nachricht in dem Augenblicke, wo erbei Montereau gesiegt hatte. Napoleon fertigte ihn sogleich mit den Woncn ab: „Ne-lourner suprös ü'Lugane, rsconte?. lui, Comment j'si sccsnge ces gens lal"