Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
Seite
594
JPEG-Download
 

594

Chaucer

sei, gab er die Auskunft, daß er mehre kostbare alte Handschriften besitze, die sich,wie es die Wahrheit war, aus einem Kirchenarchive Herschrieben. Seit einemZähre beschäftigte er sich mit Abfassung der alten Werke, die er verschiedenen altenDichtern, besonders Rowley, unterschob. Er schrieb sogar an den Minister Wal-pole, erzählte ihm vom seinen literarischen Entdeckungen und legte eine Probe bei.Da dieser höflich antwortete, setzte er ihm in einem zweiten Briefe seine Lage aus-einander und bat ihn um eine Anstellung, die ihm erlaubte, seiner Neigung zurPoesie zu folgen. Walpsle hatte inzwischen die Unechtheit des überschickten (Ge-dichts entdeckt, theilte C. seine Zweifel mit und lehnte jede Zumuthung von sichab. Die« brachte E. gewaltig auf. Unzufrieden mit der Welt, drohte er sich dasLeben zu nehmen, bekam von dem Procurator den Abschied und ging nach London .Die gute Aufnahme, die er bei den Buchhändlern fand, gab ihm neue Hoffnungen.Er schrieb für mehre Tageblätter im Meiste der Opposition; so hoffte er eineStaatSuniwälzung zu bewirken und die Nation wieder in ihre Rechte einzusetzen.Um diese Zeit starb sein Gönner, der Lordmajor Beckford. Seine Lage verschlim-merte sich, so gering auch seine Bedürfnisse waren, und wicwol er sich oft aufWasser und Brot einschränkte, so fehlte es ihm doch nicht selten auch daran; waser aber verdiente, wandte er theils für Geschenke an seine Mutter und Schwester,denen er sters die glänzendsten Aussichten eröffnete, theils an öffentlichen Vergnü-gungsplktzev aus, die er mit dem Scheine von Wohlstand besuchte. Endlich nach-dem er mehre Tage Nichts genossen hatte, vergiftete er sich am 25. Aug. 1110, nochnicht 18 Z. alt. Seine Werke verbreiteten sich mit der Geschichte seines Unglücks.Die merkwürdigsten darunter sind die unterRowley's und andrer alten Dichter Na-men herausgegebenen Poesien, die er in einem Alter von 15 I. verfaßte. Man fin-det darin eine kräftige und glänzende Phantasie, eine glückliche Erfindung und selbsttiefes Gefühl. Von den Gedichten, die er unter seinem Namen erscheinen ließ, sindseine Satyren die besten. Seine prosaischen Aufsätze sind anziehend und stechend.Man Kars . Werke mehrmals gesammelt herausgegeben, namentlich 1803 m 3Bdn.

Chaucer (Gcoffrey), geb. 1328 zu London , eines Kaufmanns Sohn, nachAndern von adeliger Geburt, studirte zu Cambridge und Oxford . An dem ersternOrte machte er sich in seinem 18. Z. durch seinen „0>u> l ok love" (Hof der Liebe),das älteste noch vorhandene Gedicht iy englischer Sprache, bekannt und erwarb da-mit großen Beifall. Nachdem er auf Reisen seine Kenntnisse noch vermehrt undeinige Zeit die Rechte studirt hatte, begab ersieh, dieses Studiums überdrüssig, an denHof und wurde, obwol er nicht mehr ganz jung sein konnte, Page Eduards III.Er stand bei dem Könige und vornehmlich bei dessen Sohne Gand oder Gaunt,dem berühmten Herzoge von Lancaster, in großer Gunst. Als der Vertraute in derLiebe des Fürsten für seine Cousine, die Herzogin Bianca, besang er ihre Liebe,ihre Vermählung, die Reize und Tugenden der Herzogin. Diese sah jedoch baldin Lady Katharina Swynford eine Nebenbuhlerin, mit deren Schwester Philippasich C. verheirathete. Dadurch befestigte er sich in der Gunst des Herzogs, aufdessen Empfehlung er zu ehrenvollen Ämtern ernannt wurde. Er ging als Ge-sandter nach Genua, bei welcher Gelegenheit er Petrarca besuchte, und als Com-missariu« zu Karl V. von Frankreich , um die Erneirerung eines Waffenstillstandesund die Vermählung Richards, Prinzen von Wallis , mit der Tochter des Königszu unterhandeln, womit er jedoch nicht zu Stande kam. Als ein Anhänger desHerzogs von Lancaster, nahm er die Meinungen WicleffS an und trat, wie esscheint, sogar in genaue Verbindung mit demselben; aber weder seine Geschäfte,noch die Hofränke, noch die theologischen Streitigkeiten unterbrachen seine poeti-schen Arbeiten. Jenem ersten Gedichte folgten bald „Trvilus und Crclsida",„1 sie bouro c>kssme" und andre Werke, die theils dem Boccaccio, theils andernminder berühmten Verfassern nachgeahmt waren. Besonders scheint er aus den