Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
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Chaudct 595

Werken der Troubadours geschöpft zu haben. Diese Poesien tragen da« Geprägedes schlechten Geschmacks, welcher damals in ganz Europa herrschte, wiewol Wahr-heit der Charaktergcmälde und Zartheit der Empfindungen nicht zu verkennen sind.Die Engländer betrachten ihn als den Erfinder ihres heroischen Verses. Als 1382die Wiclefan Hänger, trotz des Widerstandes der Geistlichkeit, die Wahl einesLordma-jors von ihrer Partei zu London durchsetzen wollten, und darüber Unruhen auübra-chen. welche eine strenge Verfolgung dieser Sekte von Seiten des Hofes zur Folgehatte», flüchtete §., der als persönlicher Freund Wiclef'S beim Volke verhaßt war,inS Hennegau , wo er ziemlich ruhig lebte. Er blieb im Genusse seiner Einkünfte.Da jedoch die Treulosigkeit seiner Geschäftsträger ihn ohne Hülfe liest, und er sichgenöthigt sah, heimlich nach England zurückzugehen, ward er entdeckt, verhaftetund seines Amts als Zollausseher im Hafen von London , das er bisher durch einenStellvertreter hatte verwalten lassen, entsetzt. Endlich erhielt er seine Freiheit, wardaber in große Noth versetzt. Zn dieser Leidenszeit schrieb er sein „Vermächtniß derLiebe", eine Art Nachahmung von Boithius's Buch: „l>e aon,oüni»»e", das erin seiner Zugend übersetzt hatte. Die Lage E.'S wechselte aufs neue mit deinSchicksale des Herzogs von Lancaster, der in der Hoffnung, zur spanischen Kronezu gelangen, sich in zweiter Ehe mit Peters des Grausamen Tochter vermählt hatte,und zwar 1389 unverrichteierSache aus Spanien zurückkehrte, aber doch bedeutendeSummen von dort mitbrachte, die er zur Wiederherstellung seiner Partei am Hofeverwandte. Als 4 Jahre nachher seine zweite Gemahlin gestorben war, vermählteersieh mit Katharina Swynford. C-, der so nahe mit der königl. Familie verwandtwar, sah die Gunst des Hofes sich erneuen und erhielt, wie es scheint, sogar sein Amtwieder. Nach dem Tode des Herzogs scheint er in Ruhe aufseiuem Schlosse zuDun-nington gelebt zu haben, wo man noch lange die Eiche zeigte, in deren Wchatten ernachsinnend zu verweilen pflegte, und welche seinen Namen trug. Hier verfaßte erdas berühmteste seiner Werke, seine „Q»>tri lnnv-wle»", in der Form des „Deca-ineron" von Boccaccio, jedoch in Versen. Sie zeichnen sich durch große Mannig-faltigkeit und anziehende Lebendigkeit aus, sind aber eigentlich ein unvollendete«Werk. Auch hat <?. zuerst von dem Ritterthum in der Poesie Gebrauch gemacht.Seine Erzählung „Sir Topaz" ist im Geschmack des „Don Qmixote". Er starbzu London den 25. L)ct. 1400 und wurde in der Westminsterabtei begraben, w»ihm 150 I. später einer seiner Bewunderer ein Denkmal errichtete. (S. Gotwin's„llist. ok lbc lila .Iixl of(g. tch.inoe," (Lond. 1803, 2 Bde., 4.). E.'s Werkeerschienen Lond. 1530, 1542 u. 1721 Fol. u. in Taschenform. (14 Bde.) 1782.

Chaudet (Anloine Denys), behauptet unter den Bildhauern der Franzosen in der neuern Zeit vielleicht den ersten Rang. Geb. zu einer Zeit (31. März 1763zu Paris ), wo der schlechteste Geschmack in seiner erhabenen Kunst vorherrschte, en-dete er damit, daß er Meisterwerke lieferte, in welchen griechische Einfalt und Wahr-heit sich auf eine Weise aussprachen, die von wenigen neuern Künstlern ist erreichtworden. Zu seinem 21. I. trug er bei der Akademie den ersten Preis davon. Nunkam er nach Rom , wo er mit den: berühmten DrouaiS (s. d.) zusammentraf.Beide verband die innigste Freundschaft und gleiche Begeisterung für die Kunst. Betseiner Rückkunft nach Paris wurde er Mitglied der Akademie. Seine erste Arbeitwar jetzt ein Basrelief unter dem Peristyl des Pantheons, die Nacheiferung zumRuhm darstellend. Dem schlechten Geschmack der vorhergegangenen Zeit mißfieldie grandiose und einfache Idee desselben, und erst später hat man der meisterhaf-ten und erhabenen Ausführung Gerechtigkeit widerfahren lassen. Reisende findenin den Museen Luxembourg und Trianon mehre der schönsten Werke E/s, wie z B.I:> sensibiül»:, ein junges Mädchen, welches über die Erscheinung der Sensitive,die unter ihren Händen sich zusammenzieht, in Erstaunen und Nachsinnen qeräth;die wunderschöne Lyparisse u. a. m. C. starb zu Paris den 19. April 1810.

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