KOI
Chemie (Geschichte)
sens, des Quecksilbers, des Spießglases, des Salmiaks, des Salpeters wahr-genommen; sie haben die Schwefel-, Salpeter- und andre Säuren gesunden, si«haben Derfahrungsarten erfunden, geistige Flüssigkeiten abzuziehen, das Opium,die Ialappe u. s. w. zu bereiten, die Alkalien zu reinigen. Glauber zeichnetesich durch die Sorgfalt in seinen Untersuchungen aus. Er suchte einige In-strumente zu vervollkommnen, riech die Überbleibsel der Operation nicht alsunnüz wegzuwerfen, entdeckte das nach ihm benannte Glaubersalz u. s. w.Aber diese einzelnen Entdeckungen bildeten kein Ganzes einer Wissenschaft,verbanden sich zu keiner allgemeinen Theorie, zu keinem vollständigen System.Stahl erschien. Er legte den Grund zu einer regelmäßigen Wissenschaft,der jedoch unzureichend war und auf einer Voraussetzung beruhte, welche spä-tere Beobachtungen widerlegt haben. Viel verdankte er dem berühmten Becher,dessen Ideen er berichtigte und erweiterte. Er fühlte, daß die meisten chemischenErscheinungen von einer allgemeinen Ursache oder doch von wenigen Grundsätzen,woran sich nothwendig alle Combinationen anknüpften, abhängen möchten. Ernahm in den Körpern einen entzündbaren Grundstoff an, den die brennbaren Kör-per beim Verbrennen verlören, und den sie von noch brennbarer» Körpern, als sieselbst, wieder annehmen könnten. Diesen Grundstoff nannte er Phlog iston.Ei» großer Schritt war geschehen mit Aufstellung einer Hypothese, die solcherge-stalt fast alle beobachtete Erscheinungen unter einander verband. Boerhaave, derStahl's System annahm, trug viel dazu bei, es auszubreiten; er schuf die philoso-phische Chemie und bereicherte sie mit einer Menge von Versuchen über das Feuer,die Wärme des Lichts u. s. w. Die Wissenschaft machte durch diese PhilosophenFortschritte, wenngleich die Grundsätze, von denen sie ausgingen, falsch waren.Es war Black, Priestley, Cavendifh und Lavoisier vorbehalten, Stahl's Theo-rie umzustoßen, indem sie die Schöpfer der pneumatischen oder antiphlogisüschenChemie wurden, deren geschichtlichen Theil Fourcroy in seiner „?I>iIn5opl>ie cbi-»ug »>'„ und seinem ,Hvs>öme <l«5 ooniuiissünoes cbiniigues" am vollständig-sten dargestellt hat. Sobald man die Zusammensetzung der atmosphärischen Luftkennen gelernt hatte, sah man, daß die brennbaren Körper, indem sie in Berüh-rung mit ihr brannten, statt einen ihrer Grundstoffe zu verlieren, sich eines Be-standtheils der Luft bemächtigten und dadurch an Gewicht zunähmen. Man nanntediesen Bestandtheil Opygen (Sauerstoff), weil er, wenn er in den brennbarenKörpern im Übermaß vorhanden ist, mehre derselben in Säuren ve-wandelt. DasOpygen trat an die Stelle des Phlogiston, indem es eine entgegengesetzte Rollespielte und seine Theorie erklärte fast Alles, was vorher unerklärbar war. Aber wasin die Chemie auf einmal Licht und Zusammenhang brachte, waren die 1787 an-genommenen neuen Kunstbenennungen, welche alle einzelne Angaben dem Ge-dächtniß mit außerordentlicher Leichtigkeit einprägen, da alle die Namen der Kör-per entweder ihren Ursprung oder ihre Hauptbeschaffenheit ausdrücken. Zwölf oderfünfzehn Wörter haben hingereicht, um eine methodische Sprache zu schaffen, diekeine einzige uneigentliche Benennung enthält, und die mit Veränderung der End-sylben einiger Namen die Veränderung anzeigt, welche die Körper in ihrer Verbin-dung erleiden. Lavoisier, Fourcroy, Guyton de Morveau und Derihollet sinddie Schöpfer dieser glücklichen Umgestaltung. Die chemische Kunstsprache läßtnicht? Willkürliches zu und paßt nicht nur für die bekannten Erscheinungen, son-dern auch für die noch zu machenden Entdeckungen, Sie ist das erste Beispiel einersystematischen und analytischen Sprache.
Die Chemie hat zwei Mittel, die innere Natur der Körper kennen zu lernen,die Analysis und Synthesis (Auflösung und Zusammensetzung). Durch jene trenntsie die Bestandtheile eines zusammengesetzten Körpers, durch diese verbindet sie hiegeirennten Bestandtheile, am den zersetzten Körper wiederherzustellen und die Ge;