Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
Seite
603
JPEG-Download
 

Chemie (angewandte — natm'philosophische) SOZ

störung orgamscher Stoffe. Dies ist der Kreis, den die Philosophie der Chemiedurchlauft, indem sie sich auf das Allgemeine beschränkt.

Nach der Anwendung, welche von diesem Allgemeinen gemacht wird, zerfälltdie Cbemie in 7 oder 8 besondere Zweige, die wir noch kurz durchzugehen haben.Das-Studium der großen Erscheinungen, die man im Dunstkreise beobachtet unddie man Lufterscheinungen (Meteore) nennt, bildet die meteorologische Chemie.Sie erklärt die Bildung der Wolken, des Regens, des Nebels, des Schnees, derWaffe,Hose, den Hygrometer:, Barometer- und Thermometerstand der Luft, dieBildung des Nordlichtes, der Meteorsteine, und überhaupt Alles, was chemisch überunsrer Erdkugel vorgeht. — Geologische Chemie kann man diejenige nennen,welche vornehmlich die großen Combinationen der Natur studirt, wodurch dieVul-kaue, die Merallminen, die Steinkohlenlager, die Basalte, die Mineralwasser, jeneungeheuern Salz: und Kalkmassen, der Salpeter auf dem Boden des Indus, dasNatrum in den See» Ägyptens, der Boray in den Seen Tibets entstanden sind.Der Chemiker als Geolog sucht die Ursachen der Überschwemmungen, der Erdbeben,der Verminderung der Gewässer aus der Erdkugel, den Einfluß des Klimas auf dieFarbe der Tkiere und Pflanzen, auf den Geruch der Blumen, auf den Geschmackder Früchte zu ergründen und zu erklären. Bei diesen allgemeinen Beobachtungenvornehmlich bedarf er der Naturkunde und Physik. Die Chemie, in ihrer Anwen-dung auf die Naturgeschichte, wird wie diese eingetheilt. Man unterscheidet daherdie Chemie des Minera lre i chs, welche die Metallurgie und die Probirkunst um-faßt und sich mit der Untersuchung aller unorganischen Stoffe, der Steine, Salze,Metalle, Erdharze, Wasser beschäftigt; die Chemie des Pflanzenreichs, welchedie Pflanzen und ihre unmittelbaren Erzeugnisse zerlegt, und die Chemie desThier-reichs, welche anfalle von todten oder lebendigen Thieren kommende Stoffe an-gewandt wird. L etztere zerfällt wieder in die physiologische Chemie, welche die in denthierischen Stoffen durch die Lebensthätigkeit bewirkten Veränderungen betrachtet;in die pathologische Chemie, welche die durch Krankheiten oder organische Verletzun-gen verursachten Veränderungen beobachtet; in die therapeutische oder pharmako-logische Chemie, welche die einfachen Arzneimittel zerlegt, die Verordnung und Zu-bereitung der chemischen und einfachen Arzneimittel aufklärt, die Mittel der Auf-bewahrung anzeigt und die stets gefährlichen Sophistereien kennen lehrt; in dieChemie der Gesundheitslehre, welche sich mit den Mitteln beschäftigt, die Woh-nungen der Gesundheit gemäß einzurichten, die Luft, welche man daselbst athmet,zu prüfen, den Seuchen zuvorzukommen, gesunde Nahrungsmittel anzuzeigen, denEinfluß der Beschäftigungen, Moden und Gebräuche auf die Gesundheit der Men-schen zu erforschen. Die Cheniie findet endlich noch Anwendung im Haushaltund in den Künsten. Im Haushalt hat sie den Zweck, eine Menge von Ver-richtungen zu vereinfachen und zu regeln, die wir unaufhörlich in unsern Wohnun-gen vornehmen, um sie gesund, warm, hell zu machen, um Kleider, Lebensmittel,Getränke zuzubereiten u. s. w. Die Brotbereitung, das Einkalken des Getreides,die Bereitung der Mast, die Bereitung und Reinigung der L)le, die Kunst, Back-häuser, Ofen und Kochherde zu bauen, Zeuche zu bleichen und zu waschen, einekünstliche Kälte hervorzubringen u. s, w. Wichtiger und ausgedehnter ist die An-wendung der Chemie in den Künsten und Gewerken. Sie hat zum Zweck, daschemische Verfahren, durch welches die zu verarbeitenden Gegenstände unsern Be-dürfnissen angepaßt werden, aufzufinden, zu berichtigen, zu erweitern, zu vervoll-.kommnen oder zu vereinfachen. Noch erwähnen wir des Gebrauchs, der in ge-richtlichen Angelegenheiten von der Chemie vielfältig gemacht wird, um ein Ver-brechen zu erörtern. Bei Vergiftungen, Schrift- und Münzvcrfälschungen u. dgl.kann allein die Cheniie zu sichern Ergebnissen führen.

Chemie, naturphilosophische. Die Chemie hat in der neuesten Zeit große