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Chemie (naturphilosophische)
Fortschritte gemacht, und zwar nicht nur von praktischer Seite, als Kunst, son-dein auch von theoretischer, indem sie angefangen hat, sich von der niedern Stufeeiner Kunde (eines Aggregats chemischer Kenntnisse) zum Range einer Wissen-schaft im engern und Hähern Sinne (s. Wissenschaft) zu erheben. Dahinkann sie nur, wie jeder.Zweig der Naturkunde, durch den Einsiuß der Naturphi-losophieoder philosophischen Naturwissenschast gelangen. Da nämlich der Charak-ter der Natur, wenn man letztere aus dem Standpunkte ihrer Idee betrachtet,höchste Einheit in der größten Mannigfaltigkeit ist, indem sie, aus dem Einfachendas Mannigfache gesetzmäßig entwickelnd, sich zu einem organischen Ganzengestaltet, so war in den bisherigen Lehr- und Handbüchern der Chemie die großeZahl der chemischen Elemente der größte Stein deü Anstoßes für den philosophischenNaturforscher. Die erste Reform also, welche der Chemie, wenn sie Wissen-schaft werden sollte, bevorstand, war die Reduction (Zurückführung) der vie-len Elemente auf wenige Grundstoffe. Dazu hat vorzüglich Winter! in sei-nen Schriften, namentlich in seiner „Darstellung der vier Bestandtheile der anor-ganischen Natur w., aus dem Lateinischen übersetzt von l). I. Schuster", Jena 1804, den ersten Anstoß gegeben, wiewol er lange Zeit nur bei Wenigen Gehörfand. Aber dieser Anstoß hat dennoch gewirkt, und bei deni gegenwärtigen vor-züglichen Bildungszustande der Naturwissenschaft kann die weitere wissenschaftlicheAusbildung der Chemie nicht ausbleibe». Bor der Hand ist nur erst die Grundlagezu einer wissenschaftlichen Chemie gegeben. Die ganze sichtbare Natur wird durchdrei Urkräfte gebildet und beherrscht, welche daher auch Weltkräste genanntwerden können, nämlich durch Schwere, Licht und Wärme. Diese Urkräfte stehenin der engsten Verbindung mit einander, wirken gemeinschaftlich und machen da-durch ein Ganzes aus, das schon die Alten (Philosophen und Chemiker) das Urele-ment, den Äther, das Feuer (Urfeuer), später die Alchemisten das .>Ien<>lruu,nuniverr.lio, auch Elementarfeuer nannten. Die Urkräfte des Äthers oder Feuerssind also diejenigen, durch welche sich die schaffende Kraft Gottes zunächst in derNatur offenbart, und der Äther (als Weltmaterie) ist sein erstes Ldrgan in der phy-sischen Welt. Au« dem Urelement (dem Äther, Urfeuer) und durch dasselbe sinddemnach zunächst die drei materiellen Elemente, Luft, Wässer und Erde, entstan-den, woraus der Erdkörper und alle Planeten gebildet sind. Diese materiellen oderirdischen Elemente müssen nothwendig die Eigenschaften ihres MutterelementS oderihrer Erzeuger, der Urkräfte, an sich tragen, aber es sind diese Kräfte in den irdi-schen Elementen zu Stoffen geworden, welche jenen entsprechen. Daher gibt eseigentlich nur drei Grundstoffe, aus welchen zunächst die Elemente (Luft,Wasser und Erde), mithin auch alle Körper auf und in der Erde und den Planetenzusammengesetzt sind, und alle Verschiedenheit entsteht aus dem verschiedenen Ver-hältniß, in welchem sie mit einander verbunden sind. Diese Stoffe heißen Stick-stoff, Sauerstoff und Kohlenstoff. Der erste entspricht (hat die Natur) der Wärme,der zweite dem Lichte, der dritte der Schwere. In der Luft ist der Stickstoff vor-waltend, wo er als Stickgas mit Sauerstoffgas und etwas Kohlenstoff in Ver-bidung ist, im Wasser herrscht der Sauerstoff in Verbindung mit Wasserstoff (dervom Stickstoff nicht wesentlich verschieden ist), in dem Erdelement (den Erdeia undMetallen) ist der Kohlenstoff überwiegend, in Verbindung mit Sauer-und-Stick-stoff. Dieses lvären nun die eigentlichen chemischen Elemente oder Grundstoffe,deren nur drei sind, wenn man, mit Oken, den Wasserstoff nicht als grundverschie-den vom Stickstoff betrachtet, sondern diesen—was wenigstens sehr wahrscheinlichist — für eine Verbindung des Wasserstoffs mit Sauerstoff hält. Andre nehmenauf diese Wahrscheinlichkeit keine Rücksicht, sondern lassen beide Stoffe, wie siesich nach ihren Eigenschaften als verschieden offenbaren, auch als verschiedene Ele-mente gelten, und dann ist die Zahl der chemischen der Zahl der physischen Elemente