Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
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608 ChemniH (Martin)

nissen durch seltene Geistesgaben, gründliche Kenntnisse und bleibende Verdiensteum seine Kirche, zu einer hohen Stufe der Berühmtheit empor. Von armenÄltern zu Treuenbrietzen im Brandenburgischen den 8. Nov. 1522 geb., zu Mägde»bürg und Frankfurt a.d.O. wissenschaftlich gebildet, übernahm er 1544eineSchul-meisterstelle inWrizen an der Oder, um den geringen Ertrag derselben im folgendenZahre zur Fortsetzung seiner Studien in Wittenberg anzuwenden. Nach Melanch»thon's Rathe legte ersieh aufMathematik und Astrologie, ging mit seinem Verwand-ten, demDichterSabinuS, 1547 nach Königsberg , wo er 1548das Rectorat an derDomschule erhielt, für1549und1550denCalenderfertigteund, wegen seinerastro-log. Kenntnisse dem Herzog Albrecht empfohlen, 1550 dessen Bibliothekar wurdeund sich nun erst ganz der Theologie widmete. ZndenStreitigkeitenOsiandersüberdie Rechtfertigungslehre nahm er mit Mörlin Partei gegen denselben und wendetesich 1553, wo Osiander's Partei obsiegte, wieder nach Wittenberg . Hier hielt erVorlesungen über Melanchthon 'ü Dogmatik („boei cvnnnu,<>>»"), aus denen sei-ne eignen „l.oci tlieolnffici" (eü. ?v!^c.irp. i.e 7 »rr., Fkf. a. M. 1581, Fol.) ent-standen. Dieses Werk ist ein Commentar über Melanchthon's Dogmatik, der inMethode und gelehrter Ausstattung alle Arbeiten ähnlicher Art aus jener Zeit über-trifft und durch schätzbare Abhandlungen zur Dogmengeschichte bleibenden Wertherhielt. C. vollendete ihn zu Braunschweig , wo er 1554 Prediger wurde.Hier griff er die Jesuiten durch eine nackte Darstellung ihrer gefährlichen Lehren(,, l Wsuil-irum praeeigua cspit-i", Lpz. 1562) an und nahm von

einer Vertheidigungsschrift des portug. Jesuiten , DidacuS de Paiva de Andi-ada,für den Orden und die Sache der tridentinischen Kirchenversammlung, welche sichselbst durch C.'ö Buch verletzt fühlte, Gelegenheit, die Beschlüsse dieser Kir-chenversammlung einer scharfen Prüfung zu unterwerfen. So entstand s.nien (Zueiln Tlilleiitini" (zuerst Lpz. 1565 fg., 4 Bde., am besten Frkf. a. M.1707, Fol.), ein Werk voll historischer Aufschlüsse und bündiger Widerlegungender römisch-katholischen Lehren, das von keinem spätern Polemiker gegen die Ka-tholiken v .'rdunkelt ward und noch jetzt vor andern Werken dieser Art brauchbar ist,die Unhallbarkeit des papisiischen Lehrsystems zu erweisen. Mit gleichem Beifallvertheidigte C. auch die lutherische Abendmahlslehre gegen die Reformirten(„Ilczwtituo Sana« -loctrin-ie ü« ver» pracsenliu corzioris et «»n^umir Doniiniin coeua -,crri", Leipzig 1561). Entscheidend war der Antheil, den C. an derFeststellung des Lehrbegriffs der evangelisch-lutherischen Kirche nahm. Mit Mör-lin arbeitete er 1566 in Königsberg das „Oorpus üovtiinae ziruleniosc" aus,welches fül die Lutheraner in Preußen symbolisches Ansehen erhielt; nachdem er1567 an C?örlin's Stelle Superintendent zu Braunschweig geworden war, faßteer eine Con fession für di: niedersächsischcn Kirchen ab, welche 1571 aufdemCon-vent zu Wo lfenbütrel angenommen wurde, und betrieb seit 1573 mitZakobAndreädie Vereinigung der sächsischen und schwäbischen Kirchen zur Annahme der Ein-trachrsforim l (t »rmulll diviicorclise^, die in Ober-und Niedersachsen, Franken und Schwaben als Glaubensnorm eingeführt wurde. Fast seine ganze Thätigkeitwar nun diesem Werke gewidmet, bei allen deßhalb gehaltenen Conventen führteer nächst A»t reä das Wort und erwarb sich durch die Klugheit und Festigkeit seinesBenehmens Nicht weniger als durch die Tiefe seiner dogmatischen und exegetischenEinsichten die Bewunderung seiner Zeitgenossen. Daß er dabei seinen Lehrer Me-lanchthon, dessen größte: Schüler er war, durch Wort und That verleugnete, und, umdie streng-lutherische Kirche zu erneuern, der theologischen Wissenschaft selbst dieFreiheit zu fernern Fortschritten abschnitt, kann ihm jetzt nicht mehr zum Ruhme ge-reichen. Er starb ein Zahr nach Nieder legung seines Amtes den 8. April 1586 zuBraunschweig . Die von ihm angefangene „Harmonie der Evangelien" wurde vonLeyser und Zoh. Gerhard vollendet. — Sein Sohn, Martin C., war Kanz-