614 Chevalier Chiabrera
Chevalier (Jean Baptist« le), Abbe, erster Oberbibliothekar der Bi-bliothek cke 8i>i»te-6vneviev«, bekannt durch seine „Beschreibung der Ebene vonTroja ", war 1752 zu Trely bei Coutanceg im Manchedepartement geboren,machte große Reisen in wissenschaftlicher Hinsicht, namentlich nach Asien , und starb1807 in Paris . Man hat von ihm die „Beschreibung der Ebene von Troja", undeine Art von Fortsetzung davon in seiner „Vov-ixe cko In Oroponlick« et cku pont-Luxi»", welche oft mit Charten herauSgeg. und übersetzt sind. Tiefe Untersuchun-gen sind le C.'s Sache nicht; er ordnet Wahrheit und historische Treue dem ästhe-tisch Wirksamen unter und geht darauf aus, das alte Griechenland in dem neuenwiederzufinden und dadurch Homer's historische und geographische Wahrhaftig-keit zu begründen.
Chezy. 1. Antoine Leonard, geb. im Zan. 1773 zu Paris , Orientalist,Hochlehrer der Sprache und Literatur des Sanskrits am Lollöize ro^sl in Paris ,eine Stelle, die von Ludwig XVIII. für ihn gebildet wurde, und einer derConser-vatoren der königlichen oderNationalbibliothek. Er hat aus dem Persischen dasGe-dicht „Mejnun und Leila" übersetzt, das nach ihm von A. Th. Hartman» (Leipz.1807) ins Deutsche übertragen wurde. Aus dem Sanskrit hat er 1811 eine Epi-sode, „Der Tod Vajuadattas", bekanntgemacht. — II. Die Gemahlin desselben istals Schriftstellerin und Dichterin in Deutschland unter dem Namen Helmina bekannt. Zhr Baker ist Friedrich von Klencke aus Bremen , ihre verst. Mutter,Caroline Louise , war die Tochter der berühmten Karschin (s.d.) und selbst Dich-terin. Helmina, geb. zu Berlin den 26. Jan. 1783, erhielt eine sorgfältige Er-ziehung, wurde aber aus ökonomischen Rücksichten schon in ihrem 16.Z. an einenHerrn von Hastfer verhcirathet: eineEhe, die sich nach einemIahre trennte. Frauv. Gcnlis hatte unsere Dichterin auf ihrer Auswanderung aus Frankreich inBerlinkennen gelernt. Dies veranlaßte sie, Helmina nach der Trennung von Herrn vonHastfer zu sich zu laden, wo sie für ihr Schicksal sorgen wolle. So kam sie 1802,noch nicht 20 I. alt, nach Paris , wo sie in der Umgebung der Frau von Genliskeineswegs die Befriedigung fand, welche sie mochte erwartet haben. Zn Friedr.Schlegel'S Hause lernte sie Herrn von Chezy kennen, der 1803 ihrGemahl wurde.Aus dieser Ehe sind 2 Söhne entsprossen, die ihr, nachdem 1810 eine freiwilligeTrennung von ihrem Manne eingetreten war, nach Deutschland gefolgt sind, undderen Erziehung sie seitdem zunächst ihre Sorgfalt widmete. Der Fürst Primasinteressirte sich besonders für die talentvolle Frau, die während ihres Aufenthaltesin Paris auch mannigfaltig thätig an dem literarischen Verkehr in DeutschlandTheil genommen hatte. Sie war z. B. die Gründerin und erste Hcrausgeberinder bei Cvtta erschienenen „Franz. Miscellen." Der Befreiungskrieg von 1813 ent-flammte ihren Eifer für die Nationalsache des Vaterlandes in einem hohen Grade,vielleicht mehr, als sich für zarte Frauensitte ziemte. Wenigstens wurde sie, dieBemühungen der deutschen Frauenvereine unterstützend, ob ihres Eifers für diean sich ruhmwürdige Pstege der verwundeten Vaterlandsvertheidiger in unange-nehme Händel mit einer Behörde in Köln verwickelt, die sich jedoch ehrenvoll für sieendeten. Seit dieser Zeit lebte sie in Berlin und Dresden und gegenwärtig in undbei Wien . Als Dichterin gebührt ihr im Liede unter den lebcndcnDichtcrinnen viel-leicht der erste Rang. Einen he Hern poetischen Schwung nahm sie in dem Ritterge-dicht: „Die drei weißen Rosen" („Urania " f. 1821). Auch unter ihren Novellen istmanches'AuSgezeichnete, sowol durch geistreiche Erfindung wie durch geschmackvolleAusführung. An Umfang dasBedeutendste aus dieser Classe ist der Roman „Emma"in den „Ausgewählten Schriften" derVersasserin (Heidelb. 1817, 2 Bde.). Auchhat sie für K. M. v. Weber die Oper „Euryanthe" gedichtet (Wien 1823).
Chiabrera (Gabriel), Dichter, geb. zu Savona im Genuesischen den8. Zuni 1552, blühte im 1k. und 17. Zahrh., hatte seinen Vater verloren, noch