Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
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636 Choiftul

nur in Miniatur, aber in einer Vollendung und mit einem Ausdruck, daß Zederdavon entzückt war. C. bekam seitdem so viele Aufträge, daß er s. ganze Zeit aufZeichnungen und Kupferstiche verwandte. Fast alle Kupfer zu Lavater's „Physio-gnomischen Fragmenten" sind nach s. Zeichnungen gestochen; er selbst hat davonmehre mit einer unnachahmlichen Vollendung ausgeführt. In demselben Geistesind die Kupfer, welche er zu Baftdow's Werken und zu dem „Golhaischen Calender"lieferte. Es erfthien kaum ein Buch im Preußischen, zu welchem T. nicht wenigstenseine Vignette gestochen hätte. Seine sämmtl. Blätter belaufen sich auf mehr als3000; zu bemerken aber ist, das er die Eigenheit hatte, an s. Werken Veränderun-gen vorzunehmen, wenn eine gewisse Anzahl von Abdrücken gemacht war, sodaßnicht alle Abdrücke eines und desselben Blattes ganz gleich sind. Er ist als derStifter einer neuen Kunstgattung in Deutschland zu betrachten, nämlich der Dar-stellung modernerFigurenmit einerWahrheikderPhvsiognomie, einer Lebhaftigkeitdes Ausdrucks und einer, auf sittliche Besserung abzielenden Laune, welche in ihrerArt einzig blieb. Lange schon hatte er dieStelleeinesDicedirectorsderAkademie derbildenden Künste zn Berlin bekleidet; 1798 ward er an Rode's Stelle wirklicher Di-rector. Er starb d. 1. Febr. 1801. Auch als Biedermann warC. allgemein geschäht.

Choiseul (Etienne Fram ois de), Herzog von Choiftul und d'Amboise ,Staatsminister Ludwigs XV., gelx am 18. Juni 1719. Als Graf von Stain-ville trat er in Dienste, zeigte eine glänzende Tapferkeit und stieg bald empor. SeineVermählung mit einer reichen Erbin, einer Schwester der Herzogin von Gonraut,und seine Verbindung mit oer Marguise de Pompadour erlaubten ihm, die Befrie-digung seines Ehrgeizes zu hoffen, den er nie verheimlichte. Er ging als Gesandternach Rom, und 1756 in gleicher Eigenschaft »ach Wien , folgte aber in demselbenZ. dem Cardinal Bernis , damaligemMinister der auswärt.Angeleg., der aus Ver-druß über die Widersprüche, die er nach Abschluß des viel bestrittenen BündnissesMit Östreich erfuhr, seinen Posten verließ. Der neue Minister erwarb schnell dengrößten Einfluß, ward Herzog und Pair, trat zugleich an die Spitze des KriegSde-partementS, überließ aber nachher dasDepartement der auswärt.Angeleg. dem Gra-fen Choiftul, nachmaligem Herzog von Praslin. Ohne den Namen zu haben, warer Premierminister und leitete allein alle Angelegenheiten. Don jeher den Jesuiten abgeneigt, vereinigte er sich mit den Parlamenten, um ihrenSturz zu bewirken. In-deß dauerte der siebenjährige Krieg fort, und Frankreich erlitt nur Unfälle. Man muß-te, da die Finanzen ganz erschöpft waren, unter drückenden Bedingungen 1763 Frie-den schließen. Den beiden Ministern, welche die Staatsverwaltung unter sich theil-ten, konnte das Unglück nicht zugeschrieben werden; andre minder talentvolle wür-den vielleicht größere Opfer haben bewilligen müssen; aber daß C. und Praslinnoch mit Ehren und Gnadenbezeigungen überhäuft wurden, reizte ihre Feinde zubittern Anschuldigungen. Man behauptete, daß sie nur den Krieg verlängert hät-ten, um sich nothwendig zu machen, und tadelte sie, nicht früher Friede geschlos-sen zu haben. Die Pompadour starb 1764, 1765 der Dauphin, und 1767dessen Gemahlin. Nachdem man versucht hatte, über den Tod des Dauphinsdie abgeschmacktesten und schändlichsten Gerüchte zu verbreiten, um C. in den ge-hässigsten Verdacht zu bringen, ließen sich die Feinde desselben, ein Herzog vonAi-guillon, ein Abbe Terray und der Kanzler Maupeou Zu den verächtlichsten Mittelnherab. Sie brachten es dahin, daß Ludwig X V'., trotz der Vorstellungen des Mi-nisters nnd trotz seines ihm gegebenen Worts, die Gräfin Du Barry dem Hofe vor-stellen ließ und dadurch das Ansehen des Throns herabwürdigte. Anfangs kam dieDuBarry dem Minister auf alle Weift entgegen; das Ziel ihres Ehrgeizes war,die Stelle der Pompadour ganz einzunehmen. C. wies ihre Anträge mir Stolzzurück; aber so lobenswerth auch sein Betragen gegen die Maitresse war, so we-nig durfte er doch die Achtung gegen seinen König und Wohlthäter verletzen.