Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
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Choiseuk 637

Durch Nachgiebigkeit würde er ihn haben leiten können, durch seinen Trotz erbit-terte er ihn nur und gab seinen Feinden selbst die Waffen gegen sich in die Hand.Die Herzogin vonGrammont, des Ministers Schwester, hatte immer viel Gewaltüber seinen Geist gehabt; sie übte sie bei dieser Gelegenheit ohne die geringste Mä-ßigung, aufgemuntert durch das Mißvergnügen des Volks, das damals für dievon dem Kanzler Maupeou angegriffenen Parlamente Partei nahm. Die Sacheder Parlamente und des Ministers ward eins. Man überzeugte den König, daßC. sie zum Widerstand anreize. Noch kämpfte Ludwigs altes Wohlwollen fürseme» Minister einige Zeit den Ränken entgegen, bis er im Dec. 1770 ihm ineinem hart abgefaßten Schreiben seine Ungnade ankündigte und ihn nach Chante-loup verbannte. C.'s Abreise glich einem Triumphe; seine Entfernung ward alsein Nationalunglück betrachtet. Drei Jahre verlebte er in der Verbannung, um-geben von einer glänzenden und ausgewählten Gesellschaft. Nach Ludwigs XV.Tode durfte C. zurückkommen, nachdem er gerade nur so lange verbannt gewesen,als nöthig war, um seinen Ruf zu vermehren und die allgemeine Achtung, in derer stand, außer Zweifel zu setzen. Als Kriegsminister hatte er nach siebenjährigenUnfällen die Einrichtungen des Heeres geändert. Friedrichs neue Taktik nöthigtedazu. So groß das Mißfallen der ältern Ofsiciere im Allgemeinen auch darüberwar, deren viele den Abschied nahmen, so leuchtete doch bald die Nothwendigkeitder vorgenommenen Umbildungen ein. Das Artilleriecorps bekam eine neue Ge-stalt; treffliche Schulen wurden errichtet, in denen man Dfficiere bildete, welchedie franz. Artillerie zur ersten von Europa erhoben. Ein Gleiches fand bei demGeniecorps statt. Besondere Aufmerksamkeit widmete C. den Antillen; Marti-nique wurde neu befestigt, St.-Domingo auf die höchste Stufe des Wohlstandeserhoben. Als E. und Praslin 1770 aus dem Ministerium traten, waren in we-niger als 7 Jahren die Verluste der Flotte hergestellt; sie zählte 64 Linienschiffeund 50 Fregatten und Corvetten. Die Magazine waren gefüllt. Auch schloß C.den Familienvertrag, der alle Regenten aus dem bourbonischen Hause verbandund die spanische Flotte in die Hand Frankreichs gab. So verschaffte er dem franz.Namen die Lichtung wieder, die er durch lange KriegSunfälle verloren zuhabenschien. Was den wirklichen Kräften Frankreichs fehlte, ersetzte seine Festigkeit.Erkaufte und eroberte Eorsika, ohne daß England wagte, sich öffentlich zu wider-setzen. Überzeugt von der Wichtigkeit der Unabhängigkeit Polens für das Gleich-gewicht Europas, durchkreuzte er stets die ehrgeizigen Plane Rußlands und ver-wickelte es in einen Krieg mit den Türken, die er kräftiger unterstützt haben würde,wenn nicht der König selbst sich ihm widersetzt hätte. Französische Ofsiciere wurdenzu den polnischen Conföderirten, zu den Türken und zu den ostindischen Fürsten,welche letztere er zugleich mit den amerikanischen Colonien gegen die Engländer zubewaffnen hoffte, geschickt. Verschwenderisch mit seinem eigenen Vermögen, warer in den SraatSauSgaben sparsam. Ludwig XV. , der nur zu bald C.'s Entfer-nung niit Reue empfand, rief aus, als er die Theilung Polens erfuhr: „Daswäre nicht geschehen, wenn Choiseul noch hier wäre!" Nach Ludwigs X > 1. Thron-besteigung ward er an den Hof zurückberufen und auf das ehrenvollste empfangen,aber das Ministerium wurde ihm nicht wieder anvertraut. C. lebte, trotz seiner un-geheuern iLchulden, fortwährend mit äußerm Glänze und starb am 8. Mai 1785ohneKmder. — Sein Neffe u. Erbe war ClaudeAntoine Gabriel, Herzog v.CHo i-seul-Ltainville, geb. 1762, Pair von Frankreich schon vor der Revolution. Erwanderte aus 1792, nachdem er bei der Flucht des Königs 1791 mit thätig gewe-sen, hierauf verkaftSt, jedoch später freigesprochen worden war. Er errichtete einRegiment Husaren und diente gegen Frankreich . In der Folge warf ihn ein Sch iff-bruch an die franz. Küste. Er blieb 4 I. im Gefängnisse, während man untersuchte,ob die Gesetze gegen die nach Frankreich zurückkehrenden Gefangenen bei ihm amge-