Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
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Christenthum

sichrer aber, die bald religiöse Begeisterung, bald Sucht nach Gewinn unksAbemteuern (1086 —1150) zur Eroberung des h. Grabes trieb, erwarben ihr neue«Königreich Jerusalem nicht dem griech. Kaiser, sondern sich und dem Papste. (S.Kreuzzüge.) Die Verwirrung, die dieses endlich doch wieder vereitelte Unter-nehmen in die bürgerlichen und häuslichen Angelegenheiten der Occidentalen brachte,bot derKirche günstige Gelegenheit, ihre Besitzungen zu vermehren, und dem römi-schen Stuhle Spielraum zur Befestigung seiner Univcrsalmonarchie dar. Aberganz wider die Absicht und Erwartung der Kirchenfürsten kamen dabei durch denvielseitigen Verkehr der Völker und durch die heimkehrenden Kreuzfahrer Reste alterKetzereien (s. Manichäer , Paulicianer) in das Abendland, und überhauptneue, freiere Ideen in Umlauf, welche theils der philosophische Prüfungsgeist eini-ger Jünger der Scholastik (s. Abälard, Arnold von Brescia ), theils der unterAdel und Volk gährende Unwille über die Unchristlichkeit der Kleriker, zum Zündstoffeiner in allerlei Verbrüderungen und Sekten zusammentretenden Opposition gegendas ganze römische Kirchenthum machte. (T. Katharer, Albigenser, Wal-denser.) Die Stiftung und Vervielfältigung neuer geistlicher Orden (s. d.),besonders der Franciscaner und Dominicaner, zur Verwaltung der von den Welt-priestern vernachlässigten Weelsorge und Volksbelehrung, konnte dem Übel nicht ab-helfen, weil sie ün Ganzen mehr für die Kirche und das Papstthum als gegen Aber-glauben und Unwissenheit thätig waren, und kühne Gedanken, die ihrer Überre-dung nicht weichen wollten, ließen sich noch weniger durch die mit Feuer undSchwert bewaffnete Gewalt der Inquisition (s. d.) aus den Seelen reißen.Die große Verschiedenheit der christlichen Religion, wie sie damals gelehrt und geübtwurde, von der Religion Jesu Christi , das Mißverständniß Dessen, was die Kirchegab, mit den religiösen Bedürfnissen des menschlichen Geistes kmd Herzens, wareinmal theils durch das Erfassen des Geistes Jesu selbst aus der Bibel, die trotz alle?Verbote schon damals im Verborgenen wißbegierige Leser fand, theils durch diefreimüthige Beredlsamkcit einzelner Lehrer und Sektenhäupter Vielen klar gewor-den; auch kirchliche Ordensgesellschastcn sehnten sich, einen eignen Weg zu gehen(s. Tempelherren, Franciscaner), der Zorn beleidigter Fürsten vergaßden Dank für die Verdienste des Papstthums um die Bildung der Völker in denfrühern Jahrhunderten des MitielalterS, und die Päpste selbst sorgten zu wenig,die Unsittlichkeit ihres Hofes und der Geistlichkeit abzustellen oder vor den Augender Welt zu verbergen, ja sie gaben ihr das Ärgerniß einer-Lpaltung (s.Sch isma,Papstthum), welche die Achtung der seit 1378 über 30 Jahre unter 2 Gegen-päpsten getheilten lateinischen Christenheit gegen ihr Oberhaupt nicht vermehrenund nur durch die ihrer Macht sehr ungünstigen Beschlüsse des Conciliums zu Kon-stanz . 14 s t —18 beigelegt werden konnte. Hakten die Lehren des EngländersWiclef (s. d.) schon vorher neue Gegner des Papstthums geweckt und vereinigt,so schlug nun dieEmpörung der Anhänger des wegen ähnlicher Lehren zu Konstanz verbrannten böhmischen Reformators (s.Huß, Hussiten) in vollen Flammenaus und nöthigte dem Concilium zu Basel (1431—43) Verwilligungen (Com-pactate) ab, die, standhaft behauptet, den Freunden der zu Basel nur vorgeschlage-nen, doch nicht durchgesetzten Kirchenverbesserung an Haupt und Gliedern zeigten,was eine ebenso entschlossene und durch Vereinigung mehrer Völker nachdrücklichereBekämpfung der in der römischenKirche eingerissene»Mißbräuche ausrichten würde.Wie nun seitdem die Sehnsucht nach einer Wiederherstellung des ursprünglichenChriüenthumS der 1517 begonnenen Reformation vorgearbeitet, wie diese Fort-gang gewonnen und was sie geleistet, ist im Art. Reformation und in den ver-wandte» Art, dargelegt. Daß durch diesen gewaltigen Umschwung der Ideen undkirchlichen Verhältnisse jene Sehnsucht schon ganz befriedigt, und ein Christenthum,das dem Geiste sejneS Stifters vollkommen entspräche, in hehre und Leben dargei