Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
Seite
650
JPEG-Download
 

650

Chrisiiania

Volk erklärte sich mit Begeisterung für seine Unabhängigkeit, und Prinz Friedrichmachte in Drontheim , der alten Hauptst. des Nordens, den 19. Febr. in einerErklärung an die Bischöfe, den Civilstand, das Heer und Volk bekannt, daß Nor -wegen unabhängig fein wolle. Unterdessen waren schwedische Abgesandte in Chri-siiania angekommen, um ihn zur Befolgung des kieler Friedens aufzufodern;allein statt aller Antwort leistete der Prinz in der Kirche den Eid als Regent underließ, 13. März, eine Kundmachung, daß Sieg oder Tod das Fcldgeschreides Normannen gegen Jeden sei, der seine Unabhängigkeit antasten würde. Zu-gleich versammelte er ein Heer von 12,000 M. und berief, 10. April, einenReichstag nach Eidswold, wo die Mehrzahl von 154 Stellvertretern des Volks,

17. Mai, ein Grundgesetz für Norwegens Freiheit entwarf und den Prinzen zumErbkönige von Norwegen erklärte. Als solcher wurde er, 19. Mai 1814, unterdem Namen Christian l. ausgerufen. Er schickte jetzt Hi n. Karsten Anker nachLondon, um Englands Zustimmung zu erhalten ; allein die britischen Ministermachten die mit den Verbündeten abgeschlossenen Verträge gegen den Widerspruchder Opposition geltend und verfügten, 29. April, die Sperre der norwegischenKüsten. Auch Dänemark erklärte durch ein AbrufungSpatent, Kopenhagen den

18. April, alles in Norwegen Geschehene für ungültig. Unterdessen zog sich einschwedisches Heer an der Grenze zusammen, und schwedische Kriegsschiffe kreuztenan Norwegens Küste. Vergebens sandten Östreich, Rußland, Preußen und Eng-land im Juli Bevollmächtigte nach Chrisiiania, um den Prinzen zum Nachgebenaufzufodern; König Friedrich VI. drohte ihm sogar mit Niedersetzung eines Ge-richtshofes, der ihm das Erbfolgerecht aus Dänemark absprechen könnte. DerKronprinz von Schweden rückte daher, von Wennesberg aus, 27. Juli, mit10,000 M. gegen die Grenze vor, 13,000 M. folgten, und 10,000 standen alsNachhält. Der König von Schweden übernahm den Oberbefehl über die Flottevon 4 Linienschiffen, 3 Fregatten und 75 Kanonenböten, welche unter dem Ad-miral Puke den linken Flügel deckte und die norwegische Flotille von 6 Briggs,4 Schoonern und 36 Kanonenböten nöthigte, sich zurückzuziehen. Nach einertapfern Vertheidigung, wobei jedoch das norwegische Heer fast immer im Nachtheilewar, entschloß sich Prinz Christian zu dem Waffenstillstände von Moß, 14. Aug.,wodurch Frederikshald mit Frederikssteen den Schweden übergeben und das norwe-gische Heer, das an Allem Mangel litt, aufgelöst wurde. Auch genehmigte er, daßein Wtorthing (Reichstag ) gehalten werde, und Echweden versprach, die zu Eids-wold entworfene Verfassung anzunehmen, bis auf die durch die Vereinigung Nor-wegens mit Schweden nothwendigen Abänderungen. Hierauf erklärte Prinz Chri-stian, 16. Aug., zu Moß, daß und warum er die norwegische Königskrone nieder-lege. Das Volk in Chrisiiania gerieth in unruhige Bewegung. Man schrie überVerrätherei; allein bald fügte sich Alles in die neue Ordnung. Prinz Christian,der zu Ladegardsoen bei Chrisiiania krank war, übertrug die Regierung dem Staats-rathe, stellte, 10. Oct., dem Storthing die Entlagungsurkunde aus und schifftesich nach Dänemark ein. (S. Schweden und Norwegen .)

Chrisiiania, Hauptst. des Königreichs Norwegen , Sitz des Vicekönigsoder Statthalters und der Regierung, Versammlungsort des Storthing (59° 53'46" N. B.), mit 1500 H., 20,600 Einw., liegt im Stifte Chrisiiania(1640OM., 452,000E.), am nördl. Ende des Meerbusens Christiansfiord, in,einer Gegend, wo viel Gartenbau getrieben wird. Sie besteht außer den Vor-städten aus der eigentlichen Stadt Christiania oder der Neustadt, welche KönigChristian IV. 1624 nach einem regelmäßigen Plane aufführen ließ, der 'Altstadtoder OpSlo, und der 1815 geschleiften Bergfestung Aggerhuus. Die eigentltcheStadt Christiania bildet ein Viereck von 1000 Schritten in der Länge und Breite,hat schnurgerade, in rechten Winkeln sich durchschneidende, breite, mit erhöhten