Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
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Christine (Königin von Schweden .)

Fußwegen versehene und mit 2 Stock hohen, größtentheils steinernen Häusern be-setzte Straßen, und nimmt mit jedem Jahre an Schönheit der Bauart zu. Zu bemer-ken sind das kön. Rcsidenzschloß, das neue Rathhaus und die neueBörse. Seit 1811befindet sich hier eine Universität (Friedericia) mit einem Philolog. Seminar, botan.Garten, Sternwarte, Bibliothek, Sammlungen, 18 Professoren und 200 Studen-ten. Außerdem sind hier eine Kriegsschule, Cadetten-Instilut, Kathedralschule, einHandelsinstitut, e. patriotische Gesellsch., e. Reichsbank rc., von Fabrikanstaltenaber ein großes Alaunwerk zu bemerken. Der wichtige Handel, vorzüglich mit Dre-iern und Eisenwaaren, wird durch den trefflichen Hafen begünstigt. Man schätztden Werth der jährlich ausgeführten Breter auf 810,000 Gldn. In der Nähe derStadt sind 136 Sägemühlen, welche jährlich 20 Mi». Planken liefern.

Christine , Königin von Schwede», geb. den 9. Dec. 1626, TochterGustav Adolfs und der durch ihre Schönheit und ihren Geschmack für die Künsteausgezeichneten Prinzessin Maria Eleonore von Brandenburg. Gustav, der inChristinen die einzige Stütze seines Thrones sah, wandte die größte Sorgfalt aufihre Erziehung. Er ließ sie männlich erziehen und in allen Wissenschaften unter-richten, welche ihren Geist bilden und ihre» Charakter kräftigen konnten. Nach s.Tode bei Lätzen, 1632, gaben die Reichsstände der 6jährigen Königin Christinedie 5 höchsten Kronbeamten zu Born,ändern, indem sie diese zugleich mit der Lan-desverwaltung beauftragten. Die Erziehung Christinens wurde nach dem PlaneGustav Adolfs fortgesetzt. Ausgestattet mit einer lebhaften Einbildungskraft,einem sehr glücklichen Gedächtniß und einem seltenen Verstände, machte sie dieschnellsten Fortschritte; sie lernte die alten Sprachen, die Geschichte, Geographie,Politik, und entsagte den Vergnügungen ihres Alters, um sich ganz den Studienzu widmen. Zugleich verrieth sie schon damals jene Sonderbarkeit in ihrem Be-tragen undCharakter, wovon ihr ganzes Leben das Gepräge trug, und die vielleichtebenso sehr Ergebniß ihrer Erziehung als ihrer angeborenen Neigungen war. Siemochte nicht in Frauenkleidern erscheinen, legte gern große Strecken zu Fuß und zuPferde zurück und theilte die Beschwerden und selbst die Gefahren der Jagd. DenHofgebräuchen unterwarf sie sich schwer. Gegen Die, welche sie umgaben, zeigtesie abwechselnd die größte Vertraulichkeit und verhöhnenden Stolz oder Lichtunggebietende Hoheit. Der Kanzler Oxenstiei na ward von ihr wie ein Vater geehrt;sie lernte von ihm die Regierungskunst. Bald zeigte sie im StaatSralh eine Reifedes Verstandes, die ihre Vormünder in Erstaunen setzte. Scbon 1612 trugen ihrdie Reichsstände an, die Regierung selbst zu übernehmen, allein sie entschuldigte sichmit ihrer Jugend. Erst 2 Jahre nachher sing sie an selbst zu regieren. Eine großeLeichtigkeit in der Arbeit und eine unerschütterliche Festigkeit bezeichneten ihre ei stenSchritte. Sie endigte den 1614 mit Dänemark begonnenen Krieg und erhieltdurch den Vertrag zu Drömsebro 1645 mehre Provinzen. Sodann beschleunigtesie gegen Dxenstierna'S Meinung, der durch die Fortsetzung des Kriegs noch grö-ßere Vortheile für Schweden zu erlangen hoffte, die Wiederherstellung der Ruhein Deutschland , um nachher sich ungestört ihrer Neigung zu den Wissenschaftenund den Künsten des Friedens überlassen zu können. Christine war durch ihre Ta-lente und durch die politischen Umstände berufen, die erste Rolle in, Norden zu spie-len, und einige Zeit hindurch zeigte sie sich empfänglich für diesen Ruhm. Beimehren Gelegenheiten behauptete sie die Würde ihrer Krone und die Ehre ihresLandes. Frankreich, Spanien, Holland , England bewarben sich um ihre Freund-schaft. Sie beförderte den Handel durch eine weise Gesetzgebung und vervollkomm-nete die gelehrten und literarischen Anstalten. Die -Nation war ihr zugethan undfreute sich, die Tochter Gustavs, umgeben von Feldherren und Staatsmännern,die dieser große Fürst gebildet hatte, an der Wpitze der Regierung zu sehen. All-gemein äußerte sich der Wunsch, daß die Königin einen Gemahl wählen möchte;