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Zweiter Band. Bo bis C.
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Christine (Königin von Schweden )

aber ein solches Band war Christinen« Unabhängigkeitssinne entgegen. Unter denFürsten , die sich um ihre Hand bewarben, zeichnete sich ihr Vetter, Karl Gustavvon Pfalzzweibrücken, durch einen edeln Charakter, ausgebreitete Kenntnisse undgroße Klugheit auö. Sie lehnte s. Antrag ab, bewog aber 1619 die Reichsstände,ihn zu ihrem Nachfolger zu bestimmen. Darauf (1650) ließ sie sich mit großerPracht und unter dem Königstitel krönen, seitdem veränderte sich ihr Benehmenauf eine auffallende Weise. Sie vernachlässigte ihre alten Minister und hörte aufden Rath ehrgeiziger Lieblinge. Die Ränke kleinlicher Leidenschaften verdrängtendie frühern edeln und nützlichen Ansichten. Der Schatz ward durck Verschwendungerschöpft. Auszeichnungen wurden Unwürdigen verliehen, und die Eifersucht er-zeugte nicht nur Klagen und Murren, sondern selbst Parteiungen. In dieser Ver-wirrung erklärte die Königin, daß sie die Regierung niederlegen wolle. Die alten,Gustav Adolfs Andenken ehrenden Minister machten die stärksten Vorstellungendagegen, und Oxenstierna vor Allen druckte sich mit so viel Kraft aus, daß die Kö-nigin von ihrem Entschluß abstand. Sie übernahm mit mehr Festigkeit die Re-gierung wieder und zerstreute auf einige Zeit die Wolken, die sich um ihren Thronerhoben hatten. Dabei beschäftigte sie sich mit den Studien, kaufte Gemälde,Münzen, Handschriften, Bücher, unterhielt mit vielen Gelehrten Briefwechselund berief mehre an ihren Hof. Descartes, GrotiuS, Salmasius , Bochart, Huer,Chevreau, Naude, Vpssius, Conring, Meibom erschienen in Stockholm , und dieKönigin unterhielt mit ihnen lebhaften Verkehr. Unter den lüerarifchen Lustbar-keiten, die sie mit den ernsthaften Studien verband, war auch der griechische Tanz,welchen sie von Meibom (s. d.) und Naude ausführen ließ. Aber neue Verwir-rungen zeigten sich, und MesseniuS'S Verschwörung hatte nicht nur die Lieblingeder Königin, sondern sie selbst bedroht. Christine, die überhaupt das Außeror-dentliche liebte, beschloß aufs neue dem Throne zu entsagen. Sie versammelte1654, damals 29 I. alt, die Reichsstände zu llpsala und legte in ihrer Gegenwartdie Zeichen der königl. Würde ab, um sie den Händen des Prinzen Karl Gustav zuübergeben. Sie behielt sich ein bestimmtes Einkommen, völlige Unabhängigkeitihrer Person und die höchste Gewalt über alle Diejenigen vor, die zu ihrem Hausegehörten. Einige Tage nachher reiste sie ab und ging über Dänemark und Deutsch-land nach Brüssel , wo sie feierlich einzog und einige Zeit verweilte. Hier trat sieinsgeheim und nachher zu Inspruck öffentlich zur katholischen Religion über: einSchritt, der großes Aufsehen erregen mußte, und über dessen Anlässe sich nichtsBestimmtes angeben läßt. Von Inspruck reiste Christine nach Rym, wo sie mAmazonenkleidung zu Pferde mit vielem Glanz einzog. Da Papst Alexander VIl.sie confirmirt hatte, setzte sie ihrem Namen noch den Namen Alessandra zu. Siebesuchte die Denkmäler und verweilte aufmerksam bei Allen:, was historische Erin-nerungen wecken konnte. 1656 reiste sie nach Frankreich und verweilte zu Fvn-taineblcau, zu Compiegne, wo damals der Hof sich aufhielt, und zu Paris , ^osehr ihre Tracht und ihre Sitten Anstoß gaben, so sehr ließ man doch ihren Talen-ten und Kenntnissen Gerechtigkeit widerfahren. Sie wollte die Vermittlerin zwi-schen Frankreich und Spanien werden; allein Mazarin lehnte diese Vermittelungab und wußte mit gutem Anstaube ihre Abreise zu beschleunigen, Das Jahr dar-auf kam sie zurück; dieser zweite Aufenthalt in Frankreich ward durch die Hinrich-tung ihres Dberstallmeisters, Marguis Monaldeschi, im königl. schlöffe Fon-taineblcau (10. Nov. 1657) in Gegenwart des Paters Lebet, merkwürdig, der ihrganzes Vertrauen besessen harte, aber des Hochverrakhs von ihr beschuldigt wurde.Diese Handlung der Rache bleibt, wiewol selbst Leibnitz sie vertheidigt hat, ein Fleckenindem Andenken ChristinenS. Auch gab ihr der franz. Hof s. Mißfallen zu erkennen,und Zwei Monate Veraingen, ehe die Königin sich öffentlich in Paris zeigte. Als sie1658 nach Rom zurückgekehrt war, erhielt sie wenig erfreuliche Nachrichten auch