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Christoph (Herzog von Würtemberg)
der Proceß fort, bis endlich die Sache Christophs durch den Krieg des KurfürstenMoritz von Sachsen 1552 eine günstigere Wendung nahm. Da waren die östreich.Bruder froh, als sie einige unter den deutschen Fürsten zum Vermitteln geneigtund fähig fanden; auch Herzog Christoph war unter diesen, welche den passauerVertrag zu Stande brachten, auf den einige Tage nachher ein zweiter folgte, wor-in König Ferdinand, gegen eine freilich bedeutende Summe Geldes, seinen neuenAnsprüchen auf Würtemberg vollständig entsagte. Christoph behielt das Her-zogibum unter denselben Verhältnissen und Bedingungen, wie es sein Vater seitder Wiedereroberung besessen hatte, und von diesem Augenblick an nahm seinehöchst wohlthätige Wirksamkeit für dasselbe ihren Anfang; er wurdeWürtembergSpolnischer und religiöserGesetzgebcr. Die schon von seinem Vater nach seiner Rück-kehr eingeführte, aber in der letzten Zeit durch das sogenannte Interim verdrängtelutherisch-evangelische L.ehre ward zur Freude derEinwohnerwiederhergestellt, undfür taugliche Religionslehrer an allen L)rten gesorgt. Von Christoph rührte dieEinführung der Kirchenconvente her, einer Art von Sittengerichken in jeder Ge-meinte des gelammten WürtembergS. Er hielt seine Hände rein von den so bedeu-tenden geistlichen Güter» seines Landes; er bildete daraus das grosse würtembergi-scke Kirchengut und verordnete, daß dasselbe ausschließend für die Bedürfnisse derKirche und für andre wohlthätige Zwecke verwendet würde. Sein Werk sind diewürlewbergischen Klosterschulen für Bildung junger Geistlichen und das ausge-dehnte theologische Seminar in Tübingen . Seine Kirchenordnungen bezeugen,wie wichtig ihm diese Angelegenheiten wäre»; daß bis diesen Tag seine Anstaltenfortdauern, bezeugt, wie richtig sein Blick, wie reif sein Urtheil war. Auch seinepolitischen Einrichtungen dauerten lange. Wohlmeinend dehnte er die sogenann-ten tübinger Freiheiten, diese Grundlage der Verfassung des ehemaligen Herzog-thums, auf alle Würtemberger aus; er gab den Abgeordneten der Landschafteine mächtige Hülfe an den Prälaten, welche er ihnen auf immer zugesellte. Unterihm bildeten sich die Ausschüsse, unter ihm fast bis zur Unabhängigkeit die ständi-sche Steuercasse; wenn auch diese Anstalten späterhin ausarteten, so geschah es dochnicht unter ihm, sie schienen wenigstens anfangs und scheinen selbst noch jetztVielenhöchst wohlthätig. Auch gab er das „Würiembergische Landrechüch ein Gesetzbuchfür bürgerliche Verhältnisse, das in unser» Tagen sogar gegen das napoleonische zubestehen vermochte. Er half dadurch einem dringenden Bedürfnisse ab, ließ es aufdie einzig rechte Art entwerfen, indem er die Stände beizog, welche die Bedürfnissedes Volks kennen mußten, und hielt mit Festigkeit über dessen Beobachtung. Au-ßerdem gingen viele staatswirthschaftliche und polizeiliche Verordnungen von >bmaus, auch wollte er zur Erleichterung des Verkehrs undHandels den Neckar schiff-bar machen. Bei all dieser Thätigkeit für das Wohl seines Herzogrhums verlor erdennoch das gcsammre deutsche Vaterland und selbst Europa nicht aus den Augen;die Schicksale der Religion, welcher er so eifrig ergeben war, und seinerGlaubens-verwandten, wo sie immer sein mochten, erregten stets seine lebhafusteTheilnahme.Selbst die noch barbarischen Völker in Slavonien, Serbier rc. suckle er mit andernFürsten für sein reineres Christenthum zu gewinnen; Übersetzungen kesNeuenTe-staments lind mehrer lutherischen Schriften in ihre Sprache win den in Tübingen und llrach für sie veranstaltet. Um den unglücklichen Hugenotten in Frankreich Linderung ihres Schicksals zu verschaffe», harte er eine persönliche Zusammenkunftmit Katharina von Medici und den Giiisen. Er trug nicht wenig dazu bei, daßnach langer Unterhandlung der Religionsfriede zu Augsburg 1555 zu Stande kain,als gerade Alles sich zu zerschlagen drohte. Sein herzlichster Wunsch war, dass diedeutschen Fürsten seiner Confession so eng als möglich zusammenhielten, um mitvereinter Kraft die Stürme zu bestehen, welche, wie er voraussah, der Religionwegen ihnen noch bevorstünden, und deßhalb veranlaßte er mir unsäglicher Mühe