656 Christoph (Sanct,) Christueköpfe
jene Zusammenkunft zu Näumburg, IflSst, wo sie sich insgesammt anst neue zumHallen über der augsburgischeü Confession vereinten. Doch nicht nur seine Glau-bensverwandten sahen auf ihn und richteten sich gern nach seinem Rath und Vor-gang, sondern selbst die von der katholischen Partei gaben ihm häufig Beweise vonAchtung und Zutrauen. Er war unter den Fürsten , welche das gesammke Reich zurVisitation des in Unordnung gerathenen KammergcricbtS inSpeier auswählte; erworunter denjenigen, welche als feierliche Gesandtschaft von Seiten des ganzenReichs nach Frankreich sich begeben sollten, um die Rückgabe der von Deutschland abgerissenen lothringischen BiSthümer zu unterhandeln. An ihn wandte sich derKaiser Ferdinand , daß er das letzte Hinderniß, welches der Wahl seines LohnesMaximilian zum römischen König noch im Wege stand, vollends beseitigen möchte,».welche innige, traute FreüNdschaftverbanddiesenMaximilian selbstinit Christoph,den Katholiken mit dem Lutheraner, zu einer Zeit, wo Verschiedenheit der Religiondie heiligste Verhältnissen des Lebens aufhob! So lebte, so wirkte Christoph 18 I.als regierender Herzog von Würtemberg : er starb, zu früh geschwächt von denAn-sirengungen seiner Zagend, den 28. Dec. 1568, vermißt und bedauert von Reich u.Kaiser , am meisten von seinen Unterthanen, die einen Vater in ihm verloren. Erwurde deni würtembergischen Volk allmälig zum höchsten Fürstenideal; wollten sieeinen seiner Nachfolger rühmen, so hieß eS: Er ist der zweite Christoph! — SeineLinie erlosch mit seinem Sohne Ludwig. Z. C. Pfisrer hat des Herzogs ChristophLeben aus größtenth. angedruckten Quellen beschrieben (2TH., Tübing. 1819 fg.).
Christoph (Sanct-) gehört zu denjenigen Heiligen, deren Namen undVerehrung am berühmtesten, die Lebensumstände aber am wenigsten bekannt sind.Er soll aus Syrien oder Cilicien gebürtig gewesen, vom heil. Babplas, BischofvonAntiochien, getauft worden sein und die Märryrerpalme in Kleinasien um dieMitte des 3. Jahrh, erhalten haben. Religuien von ihm werden an vielen Orten,besonders in Spanien , gezeigt. Die morgen!,indische Kirche feiert sein Fest den 9.Mai, die abendländische den 25. Zuli. Man nahm besonders in Zeiten der Pestzu ihm seine Zuflucht. Christoph oder Christophe! bedeutet eigentlich einen Träger-Christi; er wird riesenhaft abgebildet, das Jesuskind auf seinen Schultern durchdas Meer tragend.
Christoph, s. Haiti und Heinrich,
Chtistus, s.ZesuS.
Chkistusköpfr können nie Ähnlichkeit eines Portraits haben. Die Nach-richt von einer Abbildung deü Angesichts Zesu, die, in Tuch abgedruckt, der KönigAbgar von Edessa besessen haben soll, und von einem ähnlichen Abdrucke imSchweißtuche der heil. Veronica (Berenice) ist ebenso unverbürgt alsdieSage vvneinem solchen Gemälde, da« der Evangelist Lucas verfertigt haben sollte. Ein of-fenbar unechter Brief, den Lentulu«, der Vorgänger des Pilatus , an den römischenSenat geschrieben haben soll, schreibt Christo eine männlich schöne Gestalt und Ge-sichtsbildunq zu. linker den vorhandenen Christusbildern ist da« älteste ein Bas-relief von Marmor auf einem Sarkophag aus dem 2. oder 3. Jahrh, im Dalicanzu Rom . Man sieht darauf Christum als einen noch unbärtigen jungen Mann,Init römischen Gesichtszügen und sanftgelockten, herabkängcnden Haaren, in einerömische Toga gekleidet, auf einem curulischen Stuhle sitzen. Ebendaselbst befindetsich aufeinem andern Sarkophag aus dem 4. Jahrh, ein Chrisiusbild mit ovalemGesicht, orientalischen Zügen, gescheitelten Haaren und kurzem schlichtem Barte.An dieses Bild haben sich die neugriechischen und italienischen Maler bis aufMichelAngela und Rafael treulich gehalten. Seit dem 1K. Jahrh, wurden in dieserSchuleZupiter undApollo Musterbilder für dieChristusköpse, welche nun bald dieZüge der verschiedenen Nationen annahmen, deren Künstler sich daran versuchten.Daß eben in diesem Mangel eines bestimmten, portraitahnlichcn Vorbildes die un-