Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
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658
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Chronik

die Annalen aber in einer (kurzen und einfachen) Aufzeichnung des Merkwürdig-,sien bestehen, was in einzelnen Jahren, besonders bei einem bestimmtenVolkevor-aefallen. Beide werden als Quellen der Geschichte betrachtet und zu den geschrie-benen Nachrichten gerechnet, deren Gebrauch eine gründliche Prüfung ihrer Echt-heit (denn viele sind gewissen Schriftstellern untergeschoben worden), sowie ihresWerthes, voraussetzt. Beide kommen früh bei Völkern vor, welche der Buch-stabenschrift kundig waren, z. B. bei den Hebräern die 2 Bücher der Chronik,die zu den Büchern des A. Test. gehören (s. „Die Chronik, nach ihrem geschichtl.Charakter und ihrer Glaubwürdigkeit, geprüft von I). C. P. W. Gramberg"),ferner bei den Phöniziern und Römern. (S. Annalen .) Bei vielen Völkern sindsie unter der Autorität des StaatS geschrieben worden («taatSchroniken), und diePriester, als die Classen der Weisen und Gelehrten eines Volkes, verrichteten diesesGeschäft. Inder christlichen Zeit waren es ebenfalls meist Geistliche, welche ge-schichtliche Zeitbücher abfaßten, wieEusebius, der Bischof zu Cäsarea, welchernach ältern vorhandenen Gescbichtbüchern ein „Chronikon" ausarbeitete, dasdie alte Geschichte umfaßte. Hieronrmus aus Stndon arbeitete es im 4. Jahrh,in latein. Sprache um, und Andre sehten es fort. Zu diesen Chroniken geborenauch vieleGeschichtSwerke der Byza nt ine r (s.d.), und das alexantriniscbe Chro-nikon (,,(A,i <»,ioc»i pa.-wl,»><"), herausgeg. von du Fresne. Ferner die Chroniken,welche von Mönchen, besonders von den fleißigen Benedictincrn im Mitielaltergeschrieben wurden, und theils die Geschichte überhaupt, seit Anfange der Weltbis auf ihre Zeit (wie die Chronik Rhegino'S, des Otto von Freisingen u.A.), oderdie Geschichte einer besondern Zeit (wie Luitprand'S „Geschichte seiner Zeit", 891—916), oder einer einzelnen Nation (wie des Gregor von Tours „Geschichteder Franken", des Paulus Diakonus „Longobardische Geschichte", Bcda'S „Eng-lische Geschichte" u. a.), die Geschichte einzelner Provinzen, Städte und Institute(wie z. B. die „Chronik der Abtei St.-DeniS"), ferner die Geschichte einzelnerberühmter Männer (wie z. B. Eginhard'S „Geschichte Karls desGr.") und die Ge-schichte einzelner Begebenheiten. Sie sind zum Theil in großen Sammlungenherausgegeben worden (z. B. die „8cripte»er ,<n»,n pi'iumnicmnin") und biszum 13. und 14. Jahrh, größtcntheils in lateinischer Sprache abgefaßt; oft istnicht einmal der Name ihrer Vers. bekannt; dann werden sie nach dem Orte be-nannt, wo sie abgefaßt oder gefunden worden sind, oder nach ihrem Entdecker.Das älteste große historische Buch in deutscher Sprache ist Ottokars von Horueck„Reimchronik ". — Im Allgemeinen tragen die geschichtlichen Zcilbücher des Mir-telalters das Gepräge der Zeit, in welcher sie entstanden sind, und ihrer Urheber.Die religiösen Ansichten und insbesondere die Denkart der Geistlichkeit des Mittel-alters, ihre wissenschaftliche Beschränktheit und ihre zum Theil kindliche Leicht-gläubigkeit verräth sich leicht; auch sind sie voll von theologischen und moralischen.Nutzanwendungen; dahingegen sind sie aber auch von den polikischenAnsichten undvon dem oberflächlichen Raisonnement frei, welches nian in späterer Zeit oft unterdem Namen des Pragmatismus gerühmt hat, und für die Geschichte ihrerZeit ü hrwichtig. Bei fortgeschrittener Geschichtsforschung hat man die pragmatischen <we-schichtswerke, welche die Begebenheiten, denen sie gewidmet sind, in gehörigerAeit-folge mit historischer Kunst erzählen, von den Chroniken unterschieden, in welchendie noch unbeholfene Darstcllungöweise herrscht; doch möchten manche Chronikenvor den Geschichsswerken der neuesten Zeit den Vorzug verdienen, wofern mann'mlieb >>ie historische Kunst nicht in die Glätte des Sft'lS und in einseitige Zweek-best'mmungcn setzt, die man bei der Erzählung der Begebenheiten anwendet oderdurchführt. Neuere Historiker haben sich des Titels Chronik fast nur bei Siädte-chromke» bedient. —Über die Chroniken und Annalen des MütelalterS hat manmehre lateinisch geschriebene Abhandlungen Rösler's, besonders die Vorrede zu s.