Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
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Cicero

blieb ruhig unter dem Joche ihres unbarmherzigen Dictators. C., damals 26I. alt, ausgerüstet mit Kenntnissen und Genie, erschien vor Gericht, anfangsin einigen Civilprocessen, dann in einer Criminalsache, indem er die Vertheidigungdes auf Datei mord angeklagten Roscius Amerinus gegen des Sylla FreigelassenenChrysogonuS übernahm. Mit dem Muthe der Jugend führte er diese Vertheidi-gung, verwirrte die Ankläger und zwang die Richter, den Angeklagten loszusprechen.Nach diesem glänzenden Erfolge verlebte er noch ein Jahr in Rom , und übernahmeine Rechtssache, die dem Dictator mißfallen mußte. Aber seine geschwächte Ge-sundheit bewog ihn, zu reisen. Er ging nach Athen , das noch immer der Mittel-punkt der Wissenschaften war. Hier in dem Hause eines Akademikers wohnend undaufgesucht von den Philosophen aller Schulen, den Unterricht der Lehrer in der Be-redtsamkeit benutzend, verlebte er 6 Jahre mit seinem Freunde AtticuS im Ge-nusse der gelehrten Studien und Unterhaltungen. Man setzt in diese Zeit seineEinweihung in die eleusinischen Mysterien. Auch machte er eilte Reise nach Asien und hielt sich namentlich in Rhodus aus, wo er ebenfalls die geschicktesten Redneraufsuchte und an ihren Übungen Theil nahm. Nach Rom zurückgekehrt, bewiesenseine neuen Erfolge den Werth des griechischen Unterrichts. Unter Ander» verthei-digte er den berühmten Schauspieler Roscius , seinen Freund und Lehrer in derDe-clamirkunst. Endlich in einem Alter von 32 I. trat er in die Laufbahn der öffent-lichen Angelegenheiten. Er ward Quästor von Sicilien zu einer Zeit der Hun-gersnoth in Rom , und wußte von dort eine große Menge Getreide nach der Haupt-stadt zu schaffen, ohne das Mißfallen der Einwohner zu erregen. Späterhinfuhr er fort, in Rom als Redner aufzutreten; er vertheidigte die Angelegenheitenvon Privatpersonen, bloß des Ruhms wegen. Ein ehrenvoller Tag war es für C.,an dem die Gesandten SicilienS bei ihm erschienen, mit der Bitte, ihre Sache gegenden Statthalter Berre« zu führen. Dieses Zutrauens eines bedrängten Volks wür-dig, trat er gegen den damals allmächtigen, von dem berühmten Hortensius ver-theidigten Räuber auf, nachdem er in Sicilien selbst die Beweise seiner Verbrechengesammelt hatte. Er malte sie mit den lebhaftesten Farben in seinen unsterblichenReden. Es sind deren sieben, aber nur die beiden ersten wurden gehalten. Hor-tensius verstummte vor der Wahrheit, und VerreS wählte freiwillige Verbannung.Nach diesem Processe trat er die Ädilwürde an. Ungeachtet sein Vermöge» nurmäßig war, wußte er sich in diesem Amte durch weise Freigebigkeit die Gunst desVolks zu erwerben. Aber er bedurfte für seine Plane auch der Freundschaft derGroßen und wandte sich auf des Pompejus Seite, welcher das Haupt des Adelsund der erste Bürger des freien Roms war. Er ward sein Lobredner und eifrigsterAnhänger. Eatilina begann damals seine Plane gegen die Republik anzuspin-nen. Er war der Erpressungen in seiner Statthalterschaft von Afrika angeklagt,und C. wollte feine Vertheidigung übernehmen, als die Bewerbung um dasCon-sulat Beide zu Nebenbuhlern machte. C.'s Verdienst siegte über Catilina'SRänke und über seine Neider. Ihm ward einstimmig das Eonsulat übertragen,und fetzt beginnt die glänzendste Epoche seines politische» Lebens. Es gelang ihm,die Verschwörung Catilina'S (s. d.) zu vereiteln. Zugleich führte der großeStaatsmann noch eine Privaksache, indem er den für das folgende Iakr ernanntenConsul Murena in einer meisterhaften Rede gegen die Anklage des Lkoikers Eakovertheidigte. Nach Catilina'S Falle begrüßten alle Römer C. als den Vater desVaterlandes. Aber ei» aufrührerischer Tribun erlaubte ihm nickt, von seiner Ver-waltung Rechenschaft abzulegen, und C. konnte, als er das Eonsulat nieder-legte, nur den herrlichen Eid sprechen: „Ich schwöre, daß ich die Republik geret-tet habe". Cäsar war stets sein Gegner, und PompejuS fürchtete einen Bürger,der die Freiheit zu sehr liebte, um den Triumvirn günstig zu sein. C. sah allma-lig sein Ansehen sinken und sogar seine Sicherheit bedroht. Er beschäftigte sich da-