Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
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Cölibat (kath.) 749

«ergebenen Äbten, Priestern und Diakonen über den Cölibat jährlich ein Mal mitallem Nachdruck zu predigen; es weigerten sich nämlich dort manche ehedem Ariani-sehe, nun bekehrte Priester, den Satzungen der katholischen Kirche gemäß sich ihrerWeiber zu enthalten. Wie in andern Gegenständen, so schieden sich auch hier diegriechische und die lateinische Kirche. Die trullanische Synode v. I. 692 in Kon«siantinopel sagte im 13. Kanon: „Nachdem wir vernommen haben, daß diela-teiniscb-römische Kirche befohlen, daß die Priester und Diakonen ihre rechtmäßigenWeiber verlosten sollten, so beschließen wir, in diesem Concil Versammelte, daßPriester und Diakonen, gemäß der alten Gewohnheit der Kirche und Anordnungder Apostel, mit ihren Weibern ebenso wie Laien leben mögen. Wir verbietenhiermit gänzlich, daß man in der Weihe der Priester und Diakonen Einen unterdem Verwände, daß er verehlicht sei und daß er seinem Weibe auch nach der Weihenoch ehelich beiwohnen wolle, davon ausschließe. Wir wollen keineswegs widerdie Ehe unbillig sein, noch Dasjenige trennen, was Gott vereinigt hat". DieseAnordnungen gelten noch in der griechischen Kirche; »S ist dort den Mönchen undBischöfen der Cölibat unbedingt, den Priestern und Diakonen über nur unter derEinschränkung geboten, daß ihre vor der Weihe geschlossenen Ehen beibehalten wer-den dürfen. Man kann daher nicht sagen, daß die lateinische Kirche den Cölibateingeführt habe, sie hat ihn nur als eine alte apostoliche Tradition beibehalten, undbloß Das zugesetzt, daß sie keine Verheiratheten weiht, es sei denn, daß die Frau ineinen Orden tritt. Da niemand ein Recht hat, geweiht zu werden, so hat die la-teinische Kirche durch Das, was sie der apostolischen Tradition hinzugesetzt hat.Niemandes Recht verletzt. Es kamen für die abendländische Kirche neue Gründehinzu, auf dem Cölibat zu beharren. Es bildete sich nämlich das Benesicialsystemaus. In den ersten Zeiten lebten die Kirchendiener von den freiwilligen Gaben derGläubigen. Als später die Kirche Vermögen, Grundeigenthum, Zehnten erwarb,wurden anfänglich alle Einkünfte und Güter der sämmtlichen Kirchen, welche indie DiöceS eines Bischofs gehörten, als eine Masse betrachtet, deren Verwaltung/Verwendung und Vertheilüng vom Bischof abhing. Allein gegen das 7., 8. und9. Jahrh, wurde aus der bisher gemeinsamen Masse für jedes K irchenamt eine eigneDotation herausgenommen und diese dem Kirchendiener, selbst d>n Bischof nichtausgenommen, zur Benutzung überlassen. Hier war nun völlig in derKirche dieVerfassung, wie im Staate die Einrichtung mit den Lehnsleuten und späterhinmit den Ministerialen, welche für Benutzung von Gütern Kriegs-und andre Diensteleisteten. Auch derName war derselbe, das Gut des Lehnsmannes hieß Beneficium/wie das Gut des Klerikers. Wären aber die geistlichen Beneficien und das Kirchen-amt erblich geworden, wie dies bei den weltlichen Beneficien der Fall war, so hättenwir ebenso eine geschlossene erbliche Priesierkaste bekommen, wie dgs Mittelalteruns den Adel als Krieger- unk Bcamtenkaste überliefert hat, Wir erhielten dannerbliche Pastoren, erbliche Bischöfe und einen erblichen Papst. Welche moralisch-polüisch-verderbliche Folgen für die Menschheit eine solche Entwickelung des kirchli-chen Beneficialsystems gehabt haben würde, ist leicht zuerkennen. AlleAhnuNgeileiner reinen göttlichen Religion hätten in einem solchen rohen Priesterreiche unter-gehen müssen. Der vollendetste welilicheDespotieMuS würde die Völker in Fesselngeschmiedet und jedes Aufstreben des dritten Standes von vorn herein unmöglich ge-macht haben. — Anders war es im Rathe der Vorsehung beschlossen. Die Kircheblieb aus dem Cölibatgebote bestehen. Als bei den Kanonikern ju Walliü in Eng-land späterhin nicht darauf gehalten ward, ergab es sich bald, daß sie durch wech-selseitige Heirathen zwischen Kanonikertöchtern und Söhnen ihre Pfründen erblichzu machen gewußt hatten. Was hier im Kleinen geschah, würde sich im Großenmit der ganzen abendländischen Christenheit begeben haben. Indem aber dieKircheauf das Gebot des CölibatS hielt, hatt« sie mit den größten Übertretungen einölt