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Cölibat (fach.)
verdorbenen (Geistlichkeit zu kämpfen. Die Svnode zu Narbonne (791) verbot denGeistlichen, irgend eine Person weiblichen Geschlechts bei sich zu habe», selbst sol-che, die früher die Kanonen erlaubt hatten. Dasselbe verordnete da« Concilium zuMainz 888. Im Concilium zu Augsburg verbot man jedem Geistlichen, unterAbsetzungostrafe, sich zu verehelichen, oder der früher gehabten Frau beizuwohnen,oder die nebeneingeführten sogenannten Schwestern Iulüntro-Iuet.-,-) zu behalten,und dem Bischof ward die Macht ertheilt, verdächtige Weiber aus geistlichen Häu-sern peitschen und ihre Haare abscheren zu lassen. Im Concilium zu Canterbury hielt König Edgar selbst eine geistvolle Rede über die Ärgernisse der Geistlichen,deren Häuser, wie er sagte, man billig für Hurenwvhnungen ansehen leimte.Bald darauf entsetzte man eine Menge Domherren und Pfarrer, deren StellenMönche erhielten. Im Concilium zu Erham (1009) ward den Geistlichen neuer-dings befohlen, ihre Weiber zu entlassen. Den Enthaltsamen ward noch obendreinversprochen, daß man sie bei jeder Gelegenheit wie geborene Edelleute achten wolle.Papst Leo I X. verordnete, daß Weibspersonen, die sich zu Rom mit einem Priesterverfehlten, auf Lebenslang als Sklavinnen dem Palaste im Lateran zufallen sollten.Erzbischof Adalbert von Hamburg belegte die Beischläferinnen der Priester mit demBanne und ließ sie schmachvoll aus derStadt jagen. PapstVictorll. entsetzte selbstmehre Bischöfe, wollüstiger Ausschweifungen wegen. Aller solcher Verbote ungeach-tet schien es indessen doch unmöglich, das Cölibatgesetz aufrecht zu erhalten. 1061erwählten die lombardischen Bischöfe, deren die meisten Beischläfennne» hatten,NodolauS, den Bischof zu Parma , u. d. N.Honoriusll. nur darum zum Afterpapst,weil er selbst den Cölibat nicht hielt und daher Hoffnung gab, daß er auf dem Cöli-batgebote nicht bestehen werde. Denkt man sich hierbei, daß diese, den Kanonen zu-wider, mit Buhlerinnen lebenden Geistlichen zugleich meist durch Simonie zu ihrenStellen ernannt waren, so hat man ein richtiges Bild der damaligen Kirche.
Es war hochnothwendig, daß ein Reformator der Kirche auftrat; er fand sichin Gregor VII. (s. d.), der, wie alle große Geister, ein Recht hat, nach dem Gesichts-punkte s. Zeit beurtheilt zu werden. Um die gefallene KirchendiSciplin herzustellen,Mußte er der Simonie und dem zügellosen Leben der Geistlichen entgegenwirken.Jene beschränkte er, indem er das Investitur,echt des Kaisers besinn. Die Cöli-batgesetze machte er durch ein neues Mittel wirksam. Auf der römischen Synodevon 1074 verordnete er, daß alle verheiratheten Geistlichen und alle Laien, welchebei ihnen beichten, Messe hören oder andern gottesdiensilichen Verrichtungen bei-wohnen würden, eycommunicirt sein sollten. Als der Bischof von Chur diesDecret in der Mainzer Synode vorlesen wollte, stürmten die Kleriker mit Wortenund Fäusten auf ihn ein, sodaß er kaum hoffe» durfte, mit dem Leben davon zukommen; sie erklärten, nicht Engel sein, lieber das Priesterthum als die Ehe auf-geben zu wolle». Nichtsdestoweniger drang Gregor durch, da er die ältesten, niebezweifelte» Kirchengesetze auf s. Seite hatte. Die Kirche ging, nach Gregor, aufdem betretenen Wege fort; die Verbote wurde» ebenso wie die vorgeschriebenenVorsichtsmaßregeln rücksichilich des häuslichen Lebens wiederholt. Indessen warenbesonders gegen des 15. und 16. Jahrh, hin die Übertretungen dieses Hainen Gebo-tes sehr häufig. Es kam die Reformation. Sie kannte keine opfernden Priestermehr, die jungfräulicheKeuscbheit wnirde nicht mehr höher als die eheliche gehalten,selbst die Gelübde der Keuschheit wurde» nicht mehr bindend betrachtet, und da dieevangelischen Geistliche» entweder dem Staate oder den Gemeinde» unterworfenwaren, war auch nicht mehr zu fürchten, daß sie die Beneficien eigenmächtig erblichmachen würden. Luther stimmte zu Anfang nicht ganz ein; er hielt zwar das Ver-bot der Ehe für ungerecht, glaubte aber doch, daß die Mönche, welche kraft des Ge-lübdes zum Cölibat verbunden waren, diesen halten müssen; er schrieb an Spalatin (6. Aug. 15-1): „Unsere Wiltenberger wollen auch den Mönchen Weiber geben,