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Zweiter Band. Bo bis C.
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Cblibat (kath.)

bot ist in der katholischen Kirche nach der Reformation besser als vor dieser gehaltenworden. Eines Theils lag der Grund davon darin, daß viele unenthaltsameGeist-liche inFolge derReformationdie katholischeKirche verließen und in eine eintraten,welche ihnen die Ehe erlaubte. Zum Andern liegt der Grund aber darin, daß dieReformation des Protestantismus überhaupt ein Sporn für die katholische Kirche war, sich vonInnen heraus zu reformiren und strengereDisciplin zu üben. Es hatdaher weniger solcher öffentlichen Ärgernisse als früherhin gegeben, und wo es derengab, folgte die Strafe in der Regel auf dem Fuße, und es blieb also das Cölibat»gebot in derMeinung des katholischen Volkes aufrecht stehen. Es soll dadurch abernicht geleugnet werden, daß der Cölibat häufig nicht gehalten werde, es auch gar nichtzu wundern ist, da die Vorschrift an sich so hoch ist, und selbst die ewigen Gesetze derMoral in einer Welt, die so fern vom Ideal des Reichs Gottes ist, übertreten wer-den. Noch weniger ist zu leugnen, daß in einer Zeit, wo Erziehung und so manchesAndre das Reich der Sinnlichkeit erweitern, der Cölibatsüberkretungcn mehre alssonst vorkommen müssen. So allgemein, als üian wol behauptet hat, ist das Ver-derben indessen doch nicht; der bei weitem größere Theil der Geistlichkeit in der kath.Kirche verehrt noch jetzt dieCölibatvorschrift. — Unter mehren Gründen gegen denCölibat ist der immer zunehmende Mangel solcher, die sich einem so harte Entsa-gung federnden Stande widmen wollen, keiner der geringsten. Indessen ist auf derandern Seite doch auchMancheö, was dieSache wieder sehr bedenklich macht. Esmüßte eine der eingreifendsten Revolutionen der religiösen Denkart des Volkes geben-wenn es sich daran gewöhnen sollte, den Priester, der den Herrn weiht und opfert, demdie Sünden gebeichtet werden, als verheirathet und doch gleich ehrwürdig als bishersich zu denken. DieIdee der vorzüglichen Achtbarkeit der jungfräulichen Keuschheitund so Manches von althergebrachter frommer Sitte, was mit ihr zusammenhängt,müßte ebenfalls aufgegeben werden. Es würde ferner die Geistlichkeit in das Trei-ben und Bedürfen der Welt hineingezogen werdcü, die Kirche würde im Staate un-tergehen, wie wir eS noch allenthalben, wo die Priester geheirathet, finden. Bedeu-tende Steuern würde auch das Volk zuschießen müssen, um den ökonomischen Be-dürfnissen der neuen Ehemänner zu Hülfe zu kommen. Überhaupt aber würde derKirchendienst ein förmlicherContract werden, gemäß welchem für bestimmtes Geldbestimmte Gegenleistungen gegeben werden —eine, der kath. Kirche, welche dasAmt als die Hauptsache, die Einkünfte des Beneficiaten nur als für den Lebens-bedars und mit der Verbindlichkeit, das Erübrigte zu frommen Zwecken zu verwen-den, gegeben betrachtet, widersprechende Ansicht! Es würde auch noch wirklich sehrzur Frage stehen, ob das katholische Volk verpflichtet sei» könne, sich, wenn auchnur eine Generation hindurch, den Unbequemlichkeiten undDerwirrungen zu un-terwerfen , die eine plötzliche Aufhebung des CölibatS für so manche Verhältnisseund deliziöse Ansichten herbeiführen muß. Das Wohl der Geistlichen darf nichtallein in Bewacht kommen, da sie sich der Idee zu opfern verpflichtet sink. Seitvollends die Mönche größtcntheils aufgehoben sind, ist der Abgang der Bevölkerungdtirch den Cölibat nicht in Betrachtung zu ziehen, und auch, da fast nur von regel-mäßig beschäftigten, unter den Augen ihrer Gemeinde lebenden Pfarrern die Redeist, so große Ärgernisse nicht zu befürchten. — Wenn durch Befreiung derTheolo-giecandidaten vom Kriegsdienste dem Mangel an Geistlichen abgeholfen und die Ent-lassung der Geistlichen aus dem geistlichen Stande, welche den Cölibat nicht ertra-gen können — Gregor VII. soderte ja nur entweder Cölibat oder Aufgebung derStellen! <— allgemeiner erleichtert würde — und wozu auch Widerstrebende mitGewalt zurückhalten? — so möchte ivol den gerechten, ausführbaren WünschenGenüge geschehen sein. Jedenfalls wäre es übrigens zu wünschen, daß in demStreik über den Cölibat mehr auf die großen Interessen des durch alle Wclttheileverbreiteten Katholicismus und auf den Grundsatz, daß es zuweilen nöthig, daß