Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
Seite
792
JPEG-Download
 

792

Concilium (kath.)

Zündsatz; st« bezweckte eine Reformation, zwar nicht in der Lehre, aber doch in derBerfassung und in der Zucht. Zu der Zeit der Kirchenverbesserung verlangten diePr otestanten mehr als ein Mal ein solches Concilium; auch der Kaiser und die deralten Lehre treu gebliebenen Stande hielten es für das beste Mittel, den Frieden inderKirche wiederherzustellen. Die Päpste aber, eingedenk der zuPisa, Konstanz undBasel gepflogenen, ihnen so nachtheiligen Verhandlungen, suchten immer auszuwei-chen. Endlich konnte der Papst dem Andringen des Kaisers und der Stände nichtlänger widerstehen; er schrieb daher ein Concilium nach Trid-ent (s. d.) aus, wel-ches 1545 seinen 'Anfang nahm und es sich zum vorzüglichsten Geschäfte machte,das Eigenthümliche des kath. Lehrbegriffs gegen die Protestanten zu befestigen.Seitdem tridentinischcnConcilium ist keine Kirchenversammlung, an welcher alleder karhol. Kirche zugethane Völker des Abendlandes Theil genommen hätten, ge-halten worden; mehre Nationalconcilien aber haben, besonders in Frankreich , statt-gefunden. Die Lutheraner haben ihre Angelegenheiten niemals auf Concilien ver-handelt; allein in den rcformirten Kirchen sind mehre, zwar nicht allgemeine, aberdoch Particularfpuoden gehalten worden, unter denen die d ortrech ter (1618) zubemerken ist, welche die eigenthümlichen Meinungen Calvin'« über die Gnaden-wahl im Gegensatze gegen die Arminianer bestätigte.

Concilium, eine Versammlung kirchlicher Vorstände, um über kirchlich-religiöse Gegenstände zu berathen, zu verhandeln, zu entscheiden. (Die Pai ticular-concilieu verzweigen sich in National-, Provinzial- und Diöcesanconcilien oderSynoden.) Hier ist von den ökumenische» die Rede. Zum Concilium werden berufendie Bischöfe, welche der h. Geist setzte, die Kirche des Herrn zu regieren. Seitdemaber in der Kirche besondere Ordenscvrporalionen sich bildeten, sind auch allmäligmehre, zum Theil mit fast bischöfl. Rechten versehene Prälaten zugezogen worden.Die Ldbservanz entscheidet hierüber. Die Priester, da sie nur eine Emanation ausden Bischöfen sind, gehören nicht zum ökumenischen Concil, obgleich sie mitunter,der Berathung wegen — ohne entscheidende Stimme — oder als Bevollmächtigtevon Bischöfen zugezogen worden. Es genügt die Berufung, keineswegs ist aber er»foderlich noch ausführbar, daß Alle erscheinen. Die zusammengekommene Ver-sammlung vertritt nichtsdestoweniger die gesammte Kirche und genießt des Beistandsdes h. Geistes, den der Herr der Kirche verheißen. Das Recht der Zusammenberu-fung kann nur dem Papste, als erstem Vorsteher derKirche, zukommen. Indessenist das auf andre Art zusammengekommene Concil darum gerade noch nicht unge-setzlich. Die Kaiser zu Konstantmopel haben häufig bei kirchlichen Zwisten Concilienberufen, ohne sich übrigens in die Entscheidungen einzumischen. Konstantin d. Gr.sagte in dem Concil zu Nicäa zu den versammelten Kirchenvätern: „Euch hat Gottzu Priestern gesetzt, und ihr seid uns gleich Göttern gegeben; mir, der ich Mensch bin,ziemt es nicht, mir die Entscheidung der vorliegenden Sachen anzumaßen, da die An-kläger und die Angeklagten Priestersind". Als die Kaiser Theodosius u. Valentiiüaneinen Gesandten auf die Synode zu Ephesus sendete», schrieben sie den Vatern, daßsie den Tandidiamus zur Synode zu gehen befehligt haben, jedoch mit dem gemessen-sten Befehl, daß er mit den Lttreitigkenen über Glaubenssachen, welche hier vorkom-men werden, sich nicht zu befassen habe, maßen es unrecht sei, daß Der, welcher derZahl der Bischöfe nicht angehöre, sich in kirchliche Geschäfte und Berathungen ein-mische. Als das römische Reich in mehre Staaten zerfiel, konnte ohnedies von kei-ner Berufung eines ökumenischen Concils durch Fürsten mehr die Rede sein, es bliebnur der Papst zu Rom , der mit Erfolg ein ökumenisches Concil berufen konnte. DieEinwilligung der Fürsten zur Zusammenkunft des Concils zu erholen, bleibt aberimmer räthlich und zweckdienlich, damit die Begehung des Concils und die Ausfüh-rung seiner Beschlüsse keine— wenugleich ungebührliche — Hindernisse finde. DieEntscheidung steht den Vatern des Conciliums nach Stimmenmehrheit zu, der