Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
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833
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Constitutionen 883

beiden Grundkräften des bürgerlichen Lebens, i'nd zwar gerade die positive, leben-dige, thätige mit den Angreifenden verbindet, oder doch ihren Absichten zu Hülfekommt. Eine hemmende Kraft der Trägheit, eine vorwärtStreibende der Bewe-gung machen in wechselnder Wirkung das Leben der Staaten aus, wie in derNatur das auSeinandertreibende und das in sich zurückkehrende Princip mit einan-der ringen, und aus ihrem Spiel alles Leben besieht. Zn edeln Gemüthern sind beideKräfte zum Guten gewendet; die eine strebt nach dem Bessern, die andre wehrt sichgegen das Schlechtere; irren können beide. Aber in selbstsüchtigen Menschen wirdder eine Theil sich im Genuß zu erhalten suchen, wenn er auch unrechtmäßig ist,der andre selbst den gerechten Besitz nicht heilig halten. Die Natur selbst hat dieAufgabe zwischen Alter und Jugend vertheilt; zu der geistigen Erbschaft, mit wel,cher die Zugend von derVergangenheit ausgestattet wird, bringt sie das warme Ge-fühl für das Bessere,, den Muth der Unerfahrenheit und dieNothwendigkeir mit,zu erstreben, was die Ältern schon haben. Die Verschwörungen, von welchen mansich bier und da erzählt, sind, verglichen mit dem allgemeinen Strome, Nicht» mehrals Schaum, welchen die hinabrollenden Wellen auswerfen; Zeichen, nicht Ursa-chen der Bewegung; nach den Umständen nicht zu duldende, aber wenig gefährlich?Unarten. Aber Alles, was die Menschen vorwärts treibt, der Sinn für Wahrheitund tiefere Erkenntniß der Dinge, sowie der Sinn für Recht und die Erweiterungseiner Herrschaft, vereinigt sich allerd ings mit den in dem Volke aufwachsenden Wün-schen consiitutionneller Veränderungen, wie sich auf der andern Seite eigennützige undungerechte Neuerungssucht derselben bemächtigt. Dieser Wirkung wegen die Wis-senschaften anzufeinden, zumal gerade die wichtigsten für die Menschen, die Unter-suchungen über die letzten Gründe von Pflicht und Recht, ist ebenso unzweckmäßig,als wenn man einem Lande das Sonnenlicht durch große Tücher entziehen wollte,weil ihre Strahlen irgend auch einen kleinen Schaden gestiftet haben. Ebenso irrigals jene Furcht vor der Wissenschaft ist auch die Meinung, daß die conilitutionnelleTendenz, selbst wenn sie mit dem Streben nach Veränderungen verbunden ist, einkünstliches Product des bösen Willens sei. Sie ist, wo sie wirklich vorhanden undnicht bloß ein wesenloses Gespenst ist, mit dessen Erscheinungen man Hohe zu schre-cken und zu lenken sucht, ein natürliches Ergebniß der Umstände, bei dessen Beur-theilung auch die moralische Zurechnung fast ganz hinwegfällt, und nur die Fragesein sollte, wie die gerechten Anforderungen der Zeit am schnellsten und gründlichstenbefriedigt werden könnten; die ungerechten erledigen sich alsdann von selbst. Ge-gen Revolutionen schützen nur zeitige und zeitgemäße Reformen. Aber sogar,beiRevolutionen (die gewaltsamen und daher an und für sich schon rechtswidrigen Au,ßerungen der constitutionnellen Tendenz) läßt sich, insofern man ein ganzes Volkoder vielmehr dessen große Mehrheit als handelnd denkt, der Maßstab einer rechtli-chen und moralischen Beurtheilung gar nicht anwenden. Dieser paßt nur auf dieeinzelne That des Einzelnen, und diese fällt mit Recht unter das bestehende Gesetz,wenn sie sich aber darüber durch den gelungenen Erfolg erhebt, unter das höhereUrtheil der Geschichte, welche über Washington bis jetzt kein Schuldig ausgespro-chen hat, obwol er sein Unternehmen, wenn es vergeblich geblieben wäre, dem Ge-setze verbüßt haben würde. Aber die Summe der Handlungen, welche zu einerRevolution gehören, kann abermals nur als ein Ereigniß angesehen werden, welche»lediglich unter den Gesetzen der natürlichen Nothwendigkeit steht. Wenn der natur,gemäßen Entwickelung der Völker bloß ein Damm entgegengesetzt wird, welcher dieBewegung hemmt, anstatt ihr einen geregelten Ablauf zu gestatten, so muß dieKraft der angehäuften Masse endlich größer werden, als die Kraft des Widerstan-des sein kann. Ein Zustand, welcher die herrschenden Begriffe des Volkes verletzt,kann nicht durch bloße Gewalt aufrecht gehalten werden. Daß aber die constitutwn-nelle Tendenz in einer solchen Lage wirklich revolutionnair wird, ist nicht ihreSchuld,Co>werü>tlonSr?enc!>ii. Bd. II. 23