Contrasi
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allein in jener sind sie als entgegengesetzte, in diesem als ähnliche vereinigt, dort,um desto mehr von einander unterschieden, hier, um verglichen zu melden. DieAntithese ist daher wirklicher Gegensatz, der Contrast bloßAbstich. DerGegensatz,welcher widersprechend scheinende Dinge vereinigt, gewährt das Vergnügen desWitzes, und wird daher von dem Verstände, der Contrast hingegen wird unmittel-bar von dem Gefühle beurtheilt, sowie er sich auch bloß auf das Gefühl bezieht.Denn Contrasi ist nichts Andres als Zusammenstellung zweier, auf das Gefühlwirkender Gegenstände (Gestalten, Bewegungen, Töne, Charakter, Gesinnun-gen, Gemüthsbewegungen, Handlungen) zur Erhöhung oder Schwächung deszweite» Eindrucks in Dergleichung mit dem ersten. Ein solcher Contrasi ist schreiend,wenn der Übergang aus einem Gefühle in das entgegengesetzte nicht allmülig unddurch Mittelstufen, sondern plötzlich und unerwartet geschieht; er wirkt dann ab-stoßend, ist widerlich und im Leben oft gefährlich. Wer würde einer zarten Freun-din die Nachricht vom Tode des Geliebten plötzlich und unvorbereitet bringen wol-len? und dann gar in einem Augenblicke, wo ihr Herz der Freude hingegeben ist?Wogegen aber im Leben der zartere Sinn sich sträubt, das wird uns häufig in derKunst von Leuten, die vornehmlich aufs Überraschen ausgehen, geboten. Ver-ständen sie etwas von dem wahren ästhetischen Contraste, so würden sie weder sounbarmherzig mit unsern Gefühlen umspringen, noch alle Arten der ästhetischenEndpunkte so bunt unter einander würfeln. Sie wollen durch Contrasi wirken,und gefallen sich bloß in den äußersten Contrasten, oder wissen die mittlern, sanf-ter» nicht zu treffen. Um einen Tugendhelden zu verherrlichen, stellen sie ihm einlasterhaftes Ungeheuer an die Seite, dem Helden den Feigen, dem Schönen dasHäßliche. „Warum aber", fragt Eberhard, „verschmähen die großen Meister die-ses gemeine Mittel? Sie wissen zuvörderst, daß der äußersten Contraste nur wenigesind. Wenn sie sich also nur auf diese einschränken wollten, so würden sie in ihreWerke eine Einförmigkeit bringen, die den Dichter ebenso sehr einer schimpflichenUnfruchtbarkeit des Geistes verdächtig machen als der schönen Mannigfaltigkeitseines Geistes schaden würde. Hiernüchst fühlen sie, daß ein poetisches Werk sogut als ein Gemälde durch die äußersten Contraste hart wird. Sie kennen zu gut,wie der große Maler, das Bedürfniß, durch schwächere Unterschiede und sanfteAbstufungen die einzelnen Farben ihres Gemäldes einander zu nähern, um in dasGanze die schöne Harmonie zu bringen, die wohlthuender ist als alles bunte Ge-pränge des grellsten ColoritS. Sie stellen also nicht Tugend und Laster, Tapfer-keit und Feigheit, Liebe und Haß neben einander, sondern sie setzen die eine Art derTugend, der Tapferkeit, der Liebe, einer andern an die Seite; der männlichenTugend die weibliche, der rauhen die sanfte; die rohe Tapferkeit eines Ajax demjugendlichen Muthe eines Achilles und dem bedächtigen eines Ulysses; die väterlicheLiebe Hektor's der mütterlichen der Andromache". Der Contrast ist die Quelle derRührung, d. h. des Zustandes, wodurch ein aus Unlust und Lust gemischtes Ge-fühl erregt wird. Auf einer besondern Art des Contrastes beruht aber auch die Lachenerregende Kraft der Vorstellungen (komische Kraft). Überhaupt aber dient der Con-trast, die Einförmigkeit zu entfernen und die Mannigfaltigkeit zu befördern. Ausdiesem Gesichtspunkte ist er vornehmlich in der Theorie der bildenden Kunst genom-men, wo man ihn dem bloß Symmetrischen, das nur Steifheit hervorbringenwinde, entgegenseht. Daher Contrast der Schatten und Lichter, Contrasi imAusdrucke, in der Charakteristik, in den dargestellten Personen nach Alter, Ge-schlecht u. s. w., in den Gruppen, in den Stellungen der Figuren, ja einer undderselben Figur, an welcher z. B. nicht beide Schultern und Hüften einerlei Höhehaben solle», das Haupt sich gegen die erhobene Schulter neigen, der Arm derjeni-gen Seite, an welcher der Fuß sich nach hinten bewegt, sich vorwärts bewegen, dasGewölbte der einen, das Flache der andern Hand sichtbar sein soll. Nur wenn der