864 Conventionalstrafe Conversation
Unterschiede von den Observanten, die Zweige «ines Ordens genannt, die einemildere Regel beobachten, z. B. die Conventualen von den Franciscanern, Car-melitern u. s. w.— Conventikel, Winkelversammlungen, geheime Zusam-menkünfte religiöser Eekten, z. B. von religiösen Schwärmern, Böhmisten, Stil-len im Lande. (S. Separatisten.)
Conventionalstrafe, die Verstärkung einer Verpflichtung dadurch,daß sich der Verpflichtete für den Fall, daß er das Versprochene nicht zur bestimm-ten Zeit, nicht in gehöriger Art oder gar nicht leiste, der Entrichtung einer Geld-summe oder dem Verluste eines Vortheils unterwirft. Zu eigentlicher Strafe (Ge-fängniß und dgl.) kann sich Niemand verpflichten.- Der Regel nach macht die Con-ventionalstrase von Erfüllung der Hauptverbindlichkeit nicht frei, sondern nurwenn dies bedungen worden ist.
Conventionsgeld, s. Münzfuß.
Convergenz, die Zusammenneigung oder das Ineinanderfallen zweierLinien oder Strahlen, welche von verschiedenen Punkten ausgehen, aber immernäher zusammenlaufen. Das Gegentheil istDivergenz.
Conversarion ist Umgang, also genauere Verbindung zwischen Perso-nen, die sich gegenseitig aufsuchen, um das Vergnügen ihrer Gesellschaft zu genie-ßen. Im gewöhnlichen Leben nimmt man Conversarion für gesellige Unterhaltungjeder Art. Damit hat sich noch die Nebenidee an gebildetere, feinereKreise vergesell-schaftet, sodaß man bei Conversation nur an gesellige Unterhaltung feinerer Cirkeldenkt. In solchen Cirkeln gibt eg eine eigne Kunst der geselligen Unterhaltung,und wer diese besitzt, der hat den Conversationsron, guten gesellschaftlichen Ton.Worin dieser bestehe, wird man leicht finden, wenn man Das, was die Conversa-tion ausmacht, genauer erwägt. Sie ist zuvörderst Unterhaltung; man verlangtalso von jedem Mirgliede der Gesellschaft einen persönlichen Beitrag zu dem Ver-gnügen durch Talente, besonders in der Unterredung. Diese Unterhaltung abersoll gesellig sein; nian erwartet demnach, daß keinMitglied, sich und seiner Sphäreeine übergroße Wichtigkeit beimcssend, durch sein breites Ich ermüde, oder zuselbstisch die Theilnahme der übrigen beschränke, oder zu rechthaberisch seine Mei-nungen mir Ungestüm geltendmache, wodurch Verdruß erregt werden würde. Die-sen zu vermeiden, ist eine Hauptsorge der feinern Cirkel, welche vielmehr dahinstreben, Jedem eine gute Meinung von ihm beizubringen und als der Stifter sei-ner angenehmen Selbstgefälligkeit ihm selbst angenehm zu werden. Der gute Tonvermeidet daher Alles, was gegen die Achtung verstoßen könnte, die ein gesitteterMensch dem andern schuldig ist, verletzt deßhalb nie den Anstand, versteht sich zuAufmerksamkeiten, unterdrückt seine Leidenschaften und zeigt in seinem ganzen Be-nehmen ein gewisses Wohlwollen, das er aus Achtung gegen die Gesellschaft selbstDenen nicht entzieht, mit welchen er sonst vielleicht in gespannten Verhältnissen steht.Der Meister des guten Tons vermeidet aber eine zu sichtbare Aufmerksamkeit undstudirte Höflichkeit, die zu Erwiderungen nöthigt, den Gesellschafter belästigt undmehr als die Unaufmerksamkeit und Gleichgültigkeit peinigt. Der seine Ton(Urbanität genannt, im Gegensatze gegen den plumpen, bäuerischen Ton, die Ru-stieität, die übrigens viel Guimüthigkeir haben kann) gibt dem Wohlthuenden in un-serm gefälligen Betragen die Form der Schönheit, welche den Werth Dessen, wasman mittheilt, durch die Art, wie es mitgetheilt wird, noch erhöht. Dieser Tonläßt sich nicht erlernen; die Erziehung der höher« Stände aber, wo diese wirklichauch zugleich die gebildeter«, feinern Cirkel bilden, sorgt wenigstens für Etwas, dasihm ähnlich sieht. Durch stillschweigende Übereinkunft sind gewisse Regeln ent-standen, deren Kenntniß dem Kinde früh beigebracht, und an deren Beobachtung esgewöhnt wird. Mit der Fertigkeit in Ausübung einer bloß convenrionnellen Höf-lichkeit dürfte sich aber nur dann Zemand schmeicheln, schon den echten Ctnversa-