Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
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877
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Corneille (Thomas) 8?7

freunden erinnerlich. Die Schwächen in der Anlage mehrer seiner Stücke hatschon Lessing mit glänzendem Witze gezeigt. Lebhaft muß man bedauern, daßseine großen Anlagen durch die Hinwendung zu dem starren Römerwesen in derEntwickelung gestört wurden, welche sie im „Eid " so glänzend versprachen. Durchdie Begebenheiten seiner Zeit angeregt, nahm er politische Händel für tragischeStoffe; selbst Voltaire bemerkte ihren Einfluß auf die Anordnung des „Cinna"und auf den Erfolg, den sie hervorbrachten, und übersah nicht, daß die eben auf-glimmenden jansenistischen Streitigkeiten das Interesse an mehren Stellen des„Polyeukt" erhöhen mußten, welche durch sie erst veranlaßt sein mochten. -— ImLeben hatte C. wenig Einnehmendes. Seine Unterhaltung war schleppend undnicht gewählt. Wie Turenne, hielt man ihn eher für beschränkt. Im Äußernglich er einem kleinen Kaufmanns aus Rouen , und sehr begreiflich ists daher, daßer mit etwas rauhen Sitten und nicht unbedeutendem Gefühl seines Werthesbei Hofe sich nicht an seinem Platze fühlen konnte. Sein Ruf und seine Talentemachten ihn nicht reich. Er lebte so mäßig, daß es zuweilen nach Dürftigkeitaussah. Seit 1647 war er an Maynard's Stelle in die franz. Akademie auf-genommen. Er starb am 1. L)ct. 1684 als der Älteste dieses Kreises. Von demältesten seiner beiden Söhne lebte ein Abkömmling noch 1813, ebenso wenig vomSchicksal begünstigt wie die Urenkelin des großen E., der Voltaire , durch dieHerausgabe der Werke ihres Großonkels, die Gemeinschuld seines Vaterlandesabtrug. Die neuesten Ansichten der Franzosen über diesen um die Bildung ihresTheaters hochverdienten Mann findet man in dem „Llo^e cle Corneille p.,röl. Victoiäo-l-ikie", das 1807 den Preis der franz. Akademie davon trug undseitdem neu aufgelegt worden ist. Die genaueste und vollständigste Ausg. seinerWerke, bereichert durch die Hauptwerke seine« Bruders, Voltaire's Tommentareund eine Auswahl von Palissot'S Noten, ist die von Renouard besorgte (Paris 1817, 12 Bde.).

Corne ille (Thomas), Bruder des Vorhergehenden, geb. am 20 Aug.1625 zu Rouen , lebte mit seinem Bruder Peter bis zu dessen Tode in der herz-lichsten Einigkeit. Ein Lustspiel in lateinischen Versen, das er als Schüler indem Eollegium der Jesuiten gemacht, und das die Ehre der Aufführung erhaltenhatte, sowie der Beifall, den seines Bruders Werke fanden, veranlaßten ihn, sichder dramatischen Dichtkunst zu widmen. Sein erstes, nach Ealderon bearbeitetesLustspiel: „Das zufällige Verlöbniß", das 1647 gegeben wurde, fand Beifall.Diesem folgten bald ähnliche, den Spaniern entlehnte Stücke. Die Zahl seinerdramatischen Arbeiten steigt auf 42; doch sind die mehrsten derselben so ver-gessen, daß selbst ihr Verzeichniß in der Geschichte der franz. Akademie nicht rich-tig gefunden wird. Zu ihrer Zeit wurden aber die Lustspiele des jüngern Bru-ders beinahe mit mehr Interesse gesehen als die des großen Corneille; diesen sichzum Muster nehmend, versuchte sich Thomas auch im Trauerspiele, und sein„Timokrat" (1656) fand so ausdauernden Beifall, daß die Schauspieler, endlichmüde, von der Bühne herab baten: man möchte ihnen erlauben, etwas Andreszu geben, sie vergäßen sonst alle andern Stücke. Seitdem kam er nie wieder aufdie Breter. Gleichen Rausch brachte „Camma und PyrrhuS" hervor (1661), beideren Darstellungen die Zuschauer sich so zudrängten, daß auf dem Theater kaumfür die Spielenden Raum blieb. Von seinen dramatischen Werken verdienennoch jetzt Aufmerksamkeit: „Ariadne ", die mit Racine's „Bajazet" die Zusammen-stellung bestand; das heroische Lustspiel: „Der Unbekannte" (1675), das 1724bei einem Feste in den Tuilerien wieder vorgenommen wurde, wo Ludwig X V. mit allen jungen Leuten vom Hofe im Ballette tanzte; und vor allen „GrafEssex"(1678), der mit „Stilico" und „Ariadne, , noch jetzt zuweilen dem pariser Publicumvorgeführt wird. Schwächer als sein Bruder, war Thomas doch, nach Voltaire's