Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
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Correggio

Beziehung auf die Äußere Form, Anordnung und Fügung der Theile, unbeschadetder das Werk erzeugenden Begeisterung, ein größerer Antheil, als bei der Erzeugungdes Entwurfs verstattet ist. Man unterscheidet daher bei dem Werke der schönenKunst Das, was von der Kraft des Hähern Talents abhängt und jenes Wesen derSchönheit ausmacht, welches die richtigen Formen gleichsam beleben soll, von derCorrectheit, als dem Niedern, obwol Ersten und Erlernbaren in der Kunst, dieman daher auch die mechanische oder technische Vollkommenheit der Formen nennt.Mehr noch als Correctheit ist die Eleganz. Diese ist eine gefälligeCorrectheit oderCorrectheit mit Zierlichkeit und Schmuck verbunden, obgleich auch diese noch nichtAnmuth, viel weniger Schönheit selbst ist. Daß aber Correctheit überhaupt einenothwendige Eigenschaft des Kunstwerks sei, leuchtet aus dem Begriffe des Kunst-werks selbst ein. Denn wenn dieses ein Werk ist, in welchem die höchste Harmonieder Idee und derErscheinung herrschen, oder das, mit andernWorten, in seinerErscheinung vollendet sein soll, so wird damit auch verlangt, daß Nichts die An-schauung desselben störe, was sich bei der Darstellung nach bestimmterRegel vermei-den läßt. Daher gehört die Correctheit auch zur Elasticität, d. i. reinen Musterhaf-tigkeit, und die größten Künstler waren immer auch die correctesten; Diejenigen aber,welche die Elasticität bloß in die Correctheit setzen, verstehen das Wesen geistigerDarstellung nicht und achten den Buchstaben mehr als den Geist, Das, was durchNachdenken, Fleiß und Übung erworben werden kann, höher als die Freiheit undFülle des unsterblichen Genius. Gegen sie hält Jean Paul in seiner „Vorschule derÄsthetik ", unter d. N. derStylistiker (man kann sie auch Prosaiker nennen), einekräftige Strafpredigt. Treffend bezeichnet Schiller's Epigramm „Correctheit" ihrenWerth. Das Studium der Correctheit ist vorzüglich denjenigen Künstlern zu em-pfehlen, bei welchen, unter den zur Darstellung erfoderlichen Kräften, das Gefühl,von welchem sie blind fortgerissen werden, über die Anschauung herrscht und dieKlarheit unterdrückt, woraus leicht der Mysticismus in der Kunst und jene uner-freuliche Schwärmerei entspringt, die nur matte, unkrästige Gestalten erzeugt undsich im Nebelhaften gefällt. Wer wahrhafte Begeisterung und Ehrfurcht für seineKunst hegt, der wird auch seinenWerken die strenge, jedoch nicht peinliche Sorgfaltwidmen, mit welcher die größten Bildner und Maler ihre Werke ausarbeiteten, undnicht jede Nachlässigkeit mit dem Ehrentitel der angenehmen belegen wollen (lrr-ila»exsti^outm); aber freilich gehört selbst der Takt des ausgebildeten Genius dazu,das rechte Maß in Aufsuchung und Verbesserung der Fehler zu halten, und es läßtsich nicht vorschreiben, wann und wo die Feile aufhören soll, sondern nur im Allge-meinen sagen, daß die prüfende Überlegung nicht die Frische des Geisteswerks undseinen lebendigen Organismus verletzen darf; wie denn auch die Correctheit desKünstlers oder des Kunstwerks keineswegs erst aus dem Corrigiren (Nachbetern)entspringt; denn nur in weniger bedeutenden Punkten wird eine Verbesserung desin seinen Haupktheilen schon ausgearbeiteten Werkes möglich sein.

Correggio (Antonio Allegri, oder nach seiner Geburtsstadt: Antonio daCorreggio), geb. 1494 zu Correggio, im Gebiete von Modena , sollte studiren;allein die Natur hatte ihn der Kunst bestimmt. Wie viel er seinem Lehrer (wahr-scheinlich sein Oheim, Lorenzo Allegri) verdankte, bleibt unentschieden. Ihm wiessein Genius den Weg zur Unsterblichkeit. Man erzählt, er habe einst ein Gemäldedes großen Rafael erblickt und ausgerufen: „4noli'io sonn züttare!" (Auch ich binein Maler!); allein es ist nicht erwiesen, daß C. je in Rom gewesen; in Parma und Modena aber, wo er, nach d'ArgenSville, Werke Rafael's gesehen habenkönnte, gab es damals keine; somit fehlt jener Sage alle Beglaubigung. DaßC., ohne die Antiken und die Meisterstücke der vor ihm Lebenden gesehen zu haben,durch eigne Kraft ein Muster der nach ihm Lebenden ward, macht ihn unlrer Be-wunderung um so würdiger. MengS zeigt in s. „Gedanken über die Schönheit und