8S4 Costume
die Gegenschrift von v. Lehne: „Hist. krit. Prüfung der Ansprüche, welche Harten»-,auf die Erfindung der Buchdruckerkunst macht" (Mainz 1821).
Costume, das bei einzelnen Personen oder ganzen Gemeinheiten, Ratio«nen und Zeitaltern in Sitten, Gebräuchen, Lebensart Übliche. Der bildendeKünstler soll bei Darstellung von Personen aus verschiedenen Völkerschaften dasEigenthümliche derselben in der körperlichen Beschaffenheit, derNationalphysiogno»mie, Gesichtsfarbe u. s. w. richtig beobachten; damit aber jener Eindruck bei demKundigen nicht gestört werde, sollen auch die Nebenbezeichnungen der Kleidung, desSchmuckes, der Wohnungen, Gerüthschasten, Waffen u. s. w. der Nation undZeit gemäß sein. Ebenso wenig als man in einer Scene, die in Rußland vorgeht,Palmen und Tiger in die Umgebung bringen darf, soll man den Amerikanern Tur ,bans, den Römern, die Carthago belagern, Kanonen geben, und die Morgenlän-der am Tische sitzend mit Messer ^und Gabel speisen lassen. Daß die ältern undselbst die berühmtesten Maler der neueuropäischen Schulen sich öftere Verletzungendcü Costumes haben zu Schulden kommen lassen, ist nicht zu leugnen, nirgendsaber sind diese Verletzungen größer gewesen als auf der Bühne. Griechische, türki-sche und peruanische Prinzessinnen traten auf im langen goldgestickten Sammet-mantel, Merope und Kleopatra mußten sich in einen Reifrock stecke», Medea undPhädra französisch coeffiren lassen, selbst Bäuerinnen steckten in Wallsischrippen,,und ein Held kam eben aus der Schlacht in einem Steisrocke, an dem kein Fältchenin Unordnung gekommen war. Von Lekain und Mademoiselle Clairon sagt man,daß sie zuerst, vom Grafen de Lauragais unterstützt, das Costume auf der Bühneeingeführt hätten; allein sie schafften bloß das Allergröbste bei Seite, führten fürScythen und Sarmaten das Tigerfell, für Asiaten türkische Tracht ein, im Übri-gen blieb es beim Alten. Wie um die Tracht, so stand es um die übrige Dekora-tion der Bühne; noch ist es nicht lange her, daßSemiramiS aus einemPalaste mitkorinthischen Säulen heworlrat in einen Garten, in welchem eine amerikanische Flora blühte; oder sie saß auf einem Throne, den ein Baldachin » I, pnlon.iirsüberwölbte, die sie umgebenden Personen trugen türkische Kleidungen, und ein Stall«Meister aus den Ritterzeilen reichte ihr die Hand. In Deutschland ging es um nichtsbesser. Vor nicht gar zu langer Zeit konnte man auch hier die Begleiter desTheseuSmitAllongeperüclen, und römische Soldaten in der „(älemeura cki Tito" mit steifenStieseln und noch steifern Zöpfen aufmarschiren sehen. Indeß haben doch dieDeutschen zuerst diesen Übelstand beseitigt und einen wohlthätigen Einffuß auf taSberlinerNationaltheater hat auch in dieser Hinsicht Mad. Hendel-Schutz gehabt.Sie zuerst wagte eö, als „Ariadne " den ftanz. Flitterputz mit der antiken Beklei-dung zu vertauschen, und gab damit das Zeichen zu einer genauern Beobachtungdes Costume. In Frankreich hat Talma das Costume der pariser Bühne resor-mirt. Was er in dieser Hinsicht für die Bühne, das hüt David (der hierin an Vieiteinen Vorgänger hatte) für die Malerei gethan, und man muß seiner Schule einegenaue Beobachtung des Costume nachrühmen. Die Frage: Wie weit man hievdie Wahrheit der Schönheit aufopfern dürfe? beantwortet ein Aufsatz, in Bezugauf das Theater, MMülltier's „Almanach für PrivatbühneN" (1818, 2. Bd.).Dort wird die poetische Correctheit von der historischen unterschieden, und,auf dieFülle hingedeutet, wo diese jener nachstehen muß, theils wegen nöthiger Überein-stimmung der äußern Erscheinung mit dem Geiste des Gedichts, theils wegen derVerständlichkeit und der Vermeidung von Anstößen für die minder unterrichtetenZuschauer. Daß es der Kunst überhaupt freistehen Muß, das Costume, sowie dieSprache, zu idealisiren, scheint unleugbar. Über Las Costume haben wir nochkein ganz gutesWerk erhalten. Dandro Bardon („Costumes der ältesten Völker",von G.W. Becker übersetzt und mik Anm., 1116) hat sich nicht an die echten Quel-len gehalten; der ,,'lrsile cker costunwL" von Lenz (mit Zusätzen, a. d. Franz,