Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
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898 Coulissen

mein Herz hinein und bringe dies Alles derDame vonFalel". Noch fügte er ei-nen Brief hinzu, den er nur mit der äußersten Anstrengung zu unterzeichnen ver-mochte. Er starb, und der treue Diener eilte nach dem Schlosse vonFaiel. SeinUnstern führte ihn in die Hände des Herrn des Schlosses. Argwöhnisch ließ dieserihn durchsuchen und fand die letzte Gabe, die letzten Ausdrücke einer unauslöschli-chen Zärtlichkeit. Entbrannt von Wuth, sann er auf Rache. „Nimm diesesHerz", sprach er zu seinem Koch, bereite es zu und setze es auf die Tafel meinerFrau!" Es geschah, und Gabriele — aß davon. „Haben Sie es gut gefunden,dieses Fleisch?" fragt der Gemahl. ,,L) vortrefflich!" rühmt die Arme. „Dasglaube ich gern", erwidert er, „es muß auch ein köstliches Gericht für Sie sein,denn es war das Herz desCastcllans von Coucy!" Zur schrecklichen Überzeugungschleudert er ihr den Brief hin, den Hr Renaud sterbend geschrieben hatte. Nachdieser entsetzlichen Mahlzeit wollte die Unglückliche nichts mehr genießcn.und starbeines freiwilligen Hungertodes. Di? Lieder der Liebe des Castellans von Coucysind in den „Usmoirer birlorchusr Liir Il/ioul lls t'ousv", Paris 1781 (in deralten Sprache mit beigefügter Übersetz, und alter Musik dazu), gesammelt erschie-nen. Uhland hat diesen Stoff in einer schönen Romanze behandelt. G. A. Crapelethat die „Ilizloire clu (lliotsloin eis (änusp st ele lo Uoius elel'.iie!" nach der al-ten Handschr. auf der königl. Bibliothek ins Franz, übers. (Paris 182S, mit Kpf).

Coulissen, 1) die Fugen in einem Fensterrahmen, in denen man dasFenster oder einen Laden auf- und niederziehen kann; bisweilen 2) ein solches Fen-ster oder solcher Laden selbst; 3) die Flügel auf der Schaubühne, wodurch die ver-schiedenen Veränderungen an den beiden Seiten derselben hervorgebracht werden.Diese gehören auf unsern Bühnen zur Scenerie und dem Maschinenwesen. Aufden Bühnen der Alten hatte man sie nicht; es scheint, daß beide Seuenwände un-verändert blieben und eine ganz einfache Verzierung, vielleicht nur einen einfachenAnstrich von einer nicht sehr in die Augen fallenden Farbe hatten, die zu jederVorstellung und jeder Veränderung der Scene paßte. Als man im 16. Jahrh.Schauspielhäuser im neuern Europa errichtete, waren diese Seuenwände ebenfallsnicht mit beweglichen Maschinen versehen. Früher, als noch die Mysterien vorge-stellt wurden, saßen an den Seiten in einer eignen Art vonSitzen die Schauspie-ler. So wie daher das Stück anfing, sahen die Zuschauer gleich alle spielende Per-sonen; so oft ein Schauspieler an die Reihe kam, stand ey^von seinem «ritze aufund setzte sich wieder dahin, wenn sei» Auftritt zu Ende war. In späterer Zeithatte man eine Art abgesonderten Raums zur Seite der Bühne, worauf selbst Zu-schauer gelassen wurden, besonders die Kunstrichter und witzigen Köpfe der dama-ligen Zeit. Diese hatten Bursche zur Aufwartung, die ihnen Pfeifen und Tabackreichten; denn sowol hier als auf den übrigen Plätzen wurde geraucht. Wo dieserÜbelstand nicht herrschte, war doch die Vorrichtung nur kärglich. Man deutetedie Aufführung eines Trauerspiels durch schwarze Umhänge der Bühne, und dieVeränderungen der Örter bloß durch die Überschrift ihrer Namen an. Nur wenigeHülfsmittel waren da, die Täuschung der Zuschauer durch Verzierungen der Bühnezu befördern: ihre Phantasie mußte sich meistens Ort und Umstände hinzudenkenund, wie S hakspeare selbst sie einmal dazu ^uffodert, das Fehlende mit ihren Ge-danken ausfüllen. Dem ital. Architekten Serlio (gest. 1540) verdanken wir einHülfsmittel dieser Art. Er stellte an den Seiten der Bühne zuerst Coulissen soauf, daß ein Raum dazwischen blieb, und man hinter jeder hinweggehen konnte.Hierdurch wurde eine bessere Beleuchtung möglich, die bis dahin sehr unvollkoni'.men gewesen war, durch 2 große Kronleuchter, die über der Bühne herabhingen.Jetzt war man in den «rtand gesetzt, eine solche anzubringen, die, selbst nicht sicht-bar, nur an ihren Wirkungen wahrgenommen wurde, und welche man nach denUmständen verstärken oder schwächen konnte. In England wurde diese erst durch