904 Coxis Coypel (Familie)
den wir die als classisch betrachteten Reisebeschreibungen durch die Schweiz („Met-
ol'.^vitrei'I.-ittcl", 1779) und durch Polen, Rußland, Schweden und Däne-mark (1784 — 92) zu verdanken, welche fast in alle europäische Sprachen übersetztworden sind. Als Geschichtschreiber machte er sich durch s. „Memoiren über Sir-Robert Walpole " (1798) bemerkbar; ihnen folgten die über Horaiio Lord Wal«pole (1802). Dann gab er s. classische „Geschichte des Hauses Ostreich" (1807),deutsch von Dippold und Wagner in 4 Bdn. (1817) heraus, hierauf s. „Denk-würdigkeiten der Könige von Spanien aus dem Hause Bourbon von 1700—88"(1813, 3 Bde., 4.), „Marlborough's Leben aus Originalpapieren" (1818 fg„3Bde„ 4.; deutsch, Wien 1823) ist ein Hauptwerk für die Geschichte dieses durchC. würdig dargestellten Helden. C. starb 1827.
Coyis oder Coxcin (Michael), Maler und Kupferstecher, geb. zu Me-cheln 1497, Schüler des Bernhard von Orley, reiste nach Rom und wurde dortvon Rafael'S Werken, den er wahrscheinlich persönlich kannte, sehr angezogen, undarbeitete mehre FreScobilder daselbst und vieles Andre. Auch zeichnete er die Ge-schichte Amors und der Psyche in Rafael'S Geiste, welche nach diesen Zeichnun-gen in 32 Kupferblättern erschien. In der kaiserl. Galerie in Wien befindet sichvon ihm eine Madonna mit dem Christkinde. Seine Werke sind auch in denNiederlanden selten. Er starb 1592.
Coypel (Noel), der Vater, geboren, ungewiß ob zu Paris oder inder Normandie, und ob 1628 oder 1629, gest. 1707 zu Paris . Er grün-dete den Ruhm seines Namens durch glückliche Anlagen, durch strenges Studiumund eifrige Ausbildung. Nachdem er auf königl. Auftrag den alten Louvre (nachden Cartons von Lebrun) und die Tuilerien mit seinem Pinsel verschönert hatte,wurde er zum Director der franz. Akademie in Roni ernannt. Seine zu Rom ausgestellten 4 Bilder für das Rathszimmer zu Versailles : Solon, Trojan,SeveruS und PtvlemäuS Philadelphus, erregten die Bewunderung der Kenner.Seine vorzüglichsten Gemälde sind: die Marter des h. IakobuS, in der KircheNotre Dame ; Kain, der seinen Bruder ermordet, in der Akademie; die Drei-einigkeit und die Empfängnis; der h. Jungfrau, im Ilötel cles InvalicI---!. Erbesaß eine reiche, blühende Einbildungskraft, zeichnete correct, verstand sich aufAusdruck und hatte ein liebliches Colorit. Sein Sohn Ankoine, geb. zu Paris 1661, gest. daselbst 1721, war geistreich und erfinderisch. In einem Alter von14 I. bildete er sich nach den Venerianischen Coloristen; obgleich durch die schnelleRückkehr nach Frankreich darin unterbrochen, erhielt dennoch, was er leistete, denlautesten Beifall, der wol Ursache ward, daß er die Gründlichkeit vernachlässigte.Sein Reichthum an Erfindungen, die Größe feiner Compositionen machte, daßman die Mangel der Zeichnung, sein angenehmes, blendendes Colorit, das manden Mangel der Harmonie übersah. Sein Ruhm legte den Grund zu der Ma-nier der franz. schule, in welcher die echte Kunst mehr und mehr ausartete. Un-gleich gediegener, aber auch mehr vernachlässigt von den damaligen Kunstfreunden,war fem jüngerer Bruder aus zweiter Ehe, Noel N icolaS, gewöhnlich Coypelder Onkel genannt, geb. zu Paris 1692, gest. daselbst 1735. Weit entfernt,durch falschen Schimmer gelten zu wollen, strebte er der Wahrheit nach, hielt sichan die Namr und widerstand dem herrschenden Geschmacke, nur in der Farben-gebung nicht. Ohne Unterstützung, durch keinen Beifall der Menge gehoben,entschädigte den biedern, sanften Mann die Achtung eines kleiner» Kreises vonKennern. Er erhielt endlich eine Stelle in der Akademie. Für seine beste Arbeithält man ein Gemälde am Gewölbe der Capelle der h. Maria in der Kirche vonSt.-Sauveur zu Paris . Wie sich der jüngere Bruder mehr an den Vater, sohielt sich der Sohn Antoine's, Charles Antoine, geb. zu Paris 1694, gest.daselbst 1752, an diesen, und, da er dem Geschmacke des Zeitalters fröhnte, mit