Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
Seite
920
JPEG-Download
 

820 Crichton Crisson (Louis d« Balbe)

Preise, durch neue, sehr gehalkreiche Noten, obgleich bei weitem nicht olle desftühern Verzeichnisses aufgenommen sind, eigenthümlichen, von den Bibliotheka-ren anerkannten Werth hat. C. wollte auch eine Geschichte des Ursprungs undder Fortschritte der Buchdruckerkunst herausgeben, zu der schon eine Menge Fac-similes vorräthig lagen. Wahrscheinlich hinderte aber die Menge der Kupfer (C.ließ meist die ganze erste und letzte Seite der ausgewählten Werke stechen) das Er-scheinen des Buchs. Man muß bedauern, daß nach seinem Tode keine Probegegeben worden ist. Ungeachtet seiner Liebe zu diesen Studien hatte sich C. doch1790 vom größten Theile seiner Bibliothek durch Versteigerung getrennt. Wasihm nachgeblieben war, erfährt man durch den „(lstal. cko la bibl. >le lcu .>1. kae-venn»" (Amst. 1793). Gegen Ende seines Lebens verließ er Holland und starbzu Rom am 8. Oct. 1792.

Crichton (James), unter allen bekannt gewordenen frühreifen Menschenwol der merkwürdigste, stammte aus der königl. Familie der SmartS, geb. 1551in der Grafsch. Perth in Schottland , starb 1583. Kaum 20 I. alt, schrieb undsprach er 10 verschiedene Sprachen und zeichnete sich in allen körperlichen Übun-gen aus. So kam er nach Paris . Ein Schriftsteller schrieb damals: „Hier ist einjunger Mensch angekommen, etwa 20 2- alt, dem selbst die ersten Professoren derAkademie das Zeugniß geben, daß er in allen Wissenschaften vollkommen sei. Nie-mand übertrifft ihn in der Vocal- und Instrumentalmusik, und weder im Tanzen,noch Zeichnen, noch Malen, noch Reiten hat man seines Gleichen gesehen. Erweiß mit beiden Händen zu fechten, daß Keiner ihm Etwas anhaben kann. SeineGeistesgegenwart ist unerschütterlich; er disputirte neulich vor einer Versammlungvon 3000 Zuhörern und sehte durch die Richtigkeit, Gelehrsamkeit und Bestimmt-heit seiner Antworten alle in Erstaunen. Er spricht lateinisch, griechisch, hebräisch,syrisch, arabisch, spanisch, italienisch, französisch, englisch, fiamändisch und sla-wonisch, alle Sprachen gut. Wahrhaftig, man sollte nicht glauben, daß einMensch, auch bei einem hundertjährigen Alter, selbst wenn er weder äße nochschliefe, so viele Kenntnisse in sich vereinigen könne. Sein Dasein erfüllt Alle mitpanischem Schrecken, denn er weiß mehr, als ein Mensch wissen kann; man fürch-tet, er sei der Antichrist". C. reiste von Paris über Rom, Venedig und Padua nach Mankua, wo er Führer des jungen Vincent v. Gonzaga, Sohn des Herzogs,Wurde. Während einer CarnevalSlustbarkeit fielen ihn einige vermummte Perso-nen an; er entwaffnete sie augenblicklich und erkannte unter ihnen, als er sie ent-larvte, seinen eignen Zögling. Ehrerbietig gab er diesem den Degen zurück; Jeneraber, den Eifersucht zu der That bewogen hatte, konnte diese beschämende Groß-muth nicht ertragen und stieß ihm den Degen durch die Brust. Man nennt ihnals Verfasser mehrer Werke.

Crillon (Louis de Balbe), einer der größten Kriegshelden des 16. Jahrh,und Freund Heinrichs I V'., woraus einer angesehenen piemontesischen Familie, 1511zu Murs in der Provence geboren. Als jüngcrm Sohne gab man ihm von einerder Familie gehörigen Besitzung den Namen Crillon, ein Name, den er durchThaten und Tugenden so verherrlichte, daß die Häupter des Hauses Balbe ihn zudem ihrigen machten. Der Soldat nannte C. den Mann ohne Furcht (I'bonimo«an, puur), Karl IX., Heinrich III. und die Königin Margarethe nannten ihnnur „!e bravo", Heinrich IV. gab ihm aber den Beinamen „!o bravo lies bravo«".Dabei glich sein Freünuth und seine edle Gesinnung seiner Tapferkeit, und er wardurch Menschlichkeit und Tugend nicht minder berühmt als durch seine Heldentha-ten. Seine lange Laufbahn verherrlichte 5 Regierungen, Heinrichs I I., Fran-zens II., Karls IX., Heinrichs III. und insbesondere die Heinrichs IV . In seinemersten Feldzuge (1557) trug er durch eine kühne Waffenthat viel zur schnellen Er-oberung von Calais bei. Er zvar ber Erste in der ^turmlücke; hier traf er den